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Im Fahrzeug der Überraschungen

Von KERSTIN MEIER, 14.06.07, 21:55h

Seit über zehn Jahren verkauft Kristof Szabo Bücher an der Universität. Die wenigsten wissen, dass er auch selber welche schreibt. Nun hat der Uni- Büchermann ein Theaterstück verfasst.

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"Büchermann" Kristof Szabo verkauft nicht nur alte Bücher, er schreibt auch selber welche.
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"Büchermann" Kristof Szabo verkauft nicht nur alte Bücher, er schreibt auch selber welche.
Er gehört zum Uni-Alltag wie das Albertus-Magnus-Denkmal: Der Büchermann. Im Winter steht er mit dickem Mantel an seinem Stand, im Sommer mit Sombrero. Ein verkrachter Student? Ein Antiquar mit Frischluft-Faible? Irgendwann nimmt man ihn einfach hin - als verlässliche Größe, als intellektuelles Inventar. Die wenigsten wissen, dass „der Büchermann“ nicht nur alte Bücher verkauft, sondern auch selber welche schreibt. Einen Gedichtband und zwei Theaterstücke hat Kristof Szabo bereits in Ungarn veröffentlicht, ein Theaterstück aus seiner Feder wird Ende Juni in deutscher Fassung im Kölner Arkadas-Theater gespielt.

Mit zwölf Jahren zog der gebürtige Ungar mit seinen Eltern nach Schwaben, zum Studium dann später nach Köln. Dramaturg oder Kulturmanager wollte der 39-Jährige damals werden und wählte „Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften“ als Hauptfach, dazu Psychologie und Pädagogik. Doch schnell wurde ihm klar, dass ihn Fragen faszinieren, für die im Arbeitsalltag nicht genug Raum bleibt.

Hinter seinem Bücherstand gerät Szabo ins Philosophieren über Macht, Gerechtigkeit und die Möglichkeiten der Medien. Solche grundlegenden Gedanken könne man sich nicht nach einer Acht-Stunden-Schicht machen, sagt er. Deswegen habe er sich 1996 nach seinem Abschluss gegen eine Festanstellung entschieden: „Mir war es sehr wichtig, dass ich nicht in diese Mühle gerate, ich wollte die grundlegenden Themen des Lebens selber durchdringen.“ Er habe seinen Beschluss nie bereut - nicht bei Nieselregen am Bücherstand, nicht beim Blick in sein leeres Portmonee. „Wenn ich sehe: das habe ich geschrieben, dafür habe ich gekämpft, dann weiß ich, es hat sich gelohnt.“

Manchmal lektoriert er für den Luchterhand Verlag, manchmal nimmt er Übersetzungsaufträge an, um sich über Wasser zu halten. Für die Stadt Budapest knüpft er kulturelle Kontakte nach Deutschland. Reich wird er damit nie werden, das weiß Kristof Szabo, genauso wie er weiß, dass er nie auf den Bestseller-Listen erscheinen wird. „Mir ist es nicht wichtig, alle Menschen zu erreichen, mir ist es wichtig, die richtigen Menschen zu erreichen.“ Wer das ist? „Die, die gerne in ein Fahrzeug der Überraschung einsteigen und sich mitnehmen lassen“, erklärt Szabo, ganz der Poet. „Wenn jemand immer ins selbe Hotel fährt und beobachtet, wie der Schnurrbart des Kellners immer grauer wird - das ist Verharren. Meine Texte wollen Menschen ermutigen, offener ins Leben zu treten.“

In Ungarn ist sein Stück „Mucius Scaevola: Brand-Hand“ 2005 uraufgeführt worden, in Deutschland hat es am 22. Juni Premiere. Die deutsche Fassung im Arkadas-Theater hat Kristof Szabo noch einmal komplett bearbeitet. Herausgekommen ist ein Stück, das Schauspiel, Tanz, Gesang, Bühneninstallation, Musik und Lesung vereint. Seine Gedanken über Krieg, Macht und Medien hat Szabo in eine klassische Drachentöter-Geschichte verpackt. „Im Grunde geht es ja immer um Leidenschaft, Liebe und Tod“, sagt der Büchermann und blinzelt unter seinem Sombrero gegen die Mittagssonne.

 www.arkadastheater.de

 www.kristof-szabo.com



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