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Unwetter „veredelt” Documenta-Kunstwerk

Erstellt 21.06.07, 09:44h, aktualisiert 21.06.07, 15:00h

Das meint zumindest der chinesische Künstler Ai Weiwei, dessen Installation "Template" am Mittwochabend von einem Unwetter zerstört wurde. Derweil haben heftige Regenfälle den Verkehr auf dem Frankfurter Flughafen lahmgelegt.

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Findet sein zerstörtes Kunstwerk besser als vorher: Ai Weiwei.
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Findet sein zerstörtes Kunstwerk besser als vorher: Ai Weiwei.
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Ai Weiwei vor seiner Installation "Template", bevor diese zerstört wurde.
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Berlin - Eines der populärsten Kunstwerke der documenta ist am Mittwochabend durch ein heftiges Unwetter zerstört worden. Das Unwetter brachte "Template" des chinesischen Künstlers Ai Weiwei am Mittwoch in Kassel zum Einsturz. Der zwölf Meter hohe Holzturm besteht aus Türen und Fenstern alter Häuser, die dem Bauboom in China zum Opfer gefallen sind. Die Installation mitten am Hauptausstellungsort Karlsaue gehört zu den meistfotografierten Kunstwerken der "d12".

Ai, der vor allem durch seine Einladung an 1001 seiner Landsleute zur documenta bekannt geworden ist, will seine Installation nicht wieder aufbauen lassen. "Das ist besser als vorher", sagte der 50-Jährige der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Werk zeige jetzt auch, dass die Natur immer wieder für Überraschungen gut sei. "Jetzt wird die Kraft der Natur sichtbar. Und Kunst wird durch solche Emotionen erst schön." Ai ist auch Architekt und hat zum Beispiel am Pekinger Olympiastadion mitgearbeitet. "Aber da war ich Architekt, hier bin ich Künstler. Keine Angst, ich mache da Unterschiede."

documenta-Chef Roger Buergel, barfuß in einer großen Pfütze vor "Template", sah den Einsturz als "nur konsequent". "Auf der einen Seite ist das eine relative Katastrophe, auf der anderen Seite lassen die Trümmer jetzt jede Menge Assoziationen zu. Und genau das will Kunst ja: Anregen", sagte Buergel der dpa. Der Einsturz sei nicht ganz überraschend gewesen. "Die Statiker hatten gesagt, dass es Probleme geben könnte, deshalb war das Werk nicht zugänglich und so gebaut, dass es nicht auf die Ausstellungshalle stürzen konnte." Auch für Köhler habe keine Gefahr bestanden. "Für den Einsturz war ein solches Unwetter nötig, bei dem selbst der mutigste Bundespräsident das Weite gesucht hätte."

Am Donnerstag, nur Stunden nach dem Einsturz, wollte eigentlich ein Käufer "Template" begutachten. Ai Weiwei zeigte sich dennoch optimistisch: "Der Preis hat sich soeben verdoppelt", sagte er nach dem Einsturz lachend.

Flüge gestrichen

Sintflutartige Regenfälle und heftige Gewitter haben zum kalendarischen Sommeranfang in weiten Teilen Deutschlands Überschwemmungen und Brände verursacht. Zwei Männer kamen ums Leben, mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Am Flughafen Frankfurt am Main mussten bis zum Mittag 176 Flüge Starts und Landungen gestrichen werden. Bei Bränden infolge von Blitzeinschlägen entstand Schaden in Millionenhöhe. Flüsse traten über die Ufer, Straßen wurden überflutet, örtlich fiel der Strom aus. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren vielerorts im Dauereinsatz. Die Meteorologen warnten unterdessen vor weiteren Unwettern.

Bei einem Unwetter im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck wurde ein Mann getötet. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, flogen bei Aufbauarbeiten für das Rockfestival "Southside" durch den heftigen Sturm Stahlstreben durch die Luft. Eine durchschlug das Dach eines Fahrzeugs der Johanniter-Unfallhilfe. Ein Insasse wurde getötet, sein Kollege schwer verletzt. Zum Unfallzeitpunkt wurden Windgeschwindigkeiten von rund 120 Stundenkilometern gemessen.

Ein Erntehelfer aus Rumänien wurde bereits am Mittwochmorgen von einem Blitz getötet. Der Mann war auf einem Erdbeerfeld bei Weilerswist in Nordrhein-Westfalen von einem sich plötzlich bildenden Gewitter überrascht worden. Der erste Blitz traf den 33-Jährigen und tötete ihn auf der Stelle, wie die Polizei mitteilte. Seine Frau, die ebenfalls auf dem Feld arbeitete, erlitt einen Schock.

Auf dem Frankfurter Flughafen war nach DWD-Angaben binnen ein, zwei Stunden die Regenmenge eines gesamten Monats niedergegangen. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport waren bis 13.00 Uhr insgesamt 176 Flüge von Streichungen oder Umleitungen betroffen. Verspätungen gab es auch im Bahnverkehr, nachdem ein Blitz in ein Stellwerk in Frankfurt-Höchst eingeschlagen war.

"Bei uns herrscht Katastrophenstimmung", beschrieb ein Polizeisprecher in Nordrhein-Westfalen die Lage. An der Grenze zwischen Sieger- und Sauerland gingen bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. In Kreuztal standen zahlreiche Bewohner am Morgen in ihren Gärten im knietiefen Wasser.

In Baden-Württemberg waren besonders die Regionen Heilbronn, die Schwäbische Alb und der Schwarzwald betroffen. Bei drei durch Blitzeinschläge verursachten Bränden entstand nach Polizeiangaben ein Sachschaden von insgesamt rund 650 000 Euro.

In Pinneberg in Schleswig-Holstein stand die Fußgängerzone bis zu einem Meter unter Wasser. Ein Reet gedecktes Einfamilienhaus war am Mittwochabend im schleswig-holsteinischen Wentorf bei Ratzeburg nach einem Blitzeinschlag abgebrannt. Die Bewohner blieben unverletzt, der Sachschaden wurde auf 500 000 Euro geschätzt.

In Bayern wurde beim Brand einer Scheune in der Region Leutershausen ein Feuerwehrmann leicht verletzt. Nach ersten Schätzungen entstand ein Sachschaden von bis 200 000 Euro.

In Teilen Thüringens fielen neben sintflutartigen Regenfällen Hagelkörner von bis zu zwei Zentimetern Durchmesser vom Himmel. In Saalfeld mussten zwei Fahrradfahrer im Alter von 14 und 16 Jahren, die bei starkem Regen frontal zusammengestoßen waren, ins Krankenhaus. (dpa)

(ddp/dpa)



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