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Wachsende Zweifel in der SPD an Kurt Beck

Erstellt 21.06.07, 16:38h, aktualisiert 21.06.07, 17:49h

Mit offener Kritik am Vorsitzenden hält man sich noch zurück. Mehrere Schnitzer in den zurückliegenden Monaten wurden noch entschuldigt. Doch allmählich dreht sich die nachsichtige Stimmung.

Kurt Beck
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SPD-Chef Kurt Beck durchlebt in Sachen Umgfragewerte eine schwere Zeit.
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SPD-Chef Kurt Beck durchlebt in Sachen Umgfragewerte eine schwere Zeit.
Berlin - Eigentlich geht es um große Visionen und lange Linien. Zu einem "Zukunftskonvent - Deutschland 2020" hat die SPD für diesen Samstag nach Hannover geladen. Über 2000 Gäste sowie die gesamte Parteispitze haben sich in der Heimatstadt von Gerhard Schröder angesagt. Doch nicht nur hinter den Kulissen geht es wohl ein Stück weit auch um die Zukunft des SPD-Vorsitzenden. Viele Teilnehmer erwarten von Kurt Becks Auftritt mehr Klarheit, ob er der richtige Mann ist, um die Sozialdemokraten in zwei Jahren im Kampf um das Kanzleramt anzuführen.

Der Parteichef weiß, dass er in Hannover unter verschärfter Beobachtung steht. Von seiner Rede dürfte abhängen, ob er die auch SPD-intern wachsenden Zweifel an seiner Führungskraft und der Eignung zum Kanzlerkandidaten noch zerstreuen kann. Zunehmend ungeduldiger warten verunsicherte Spitzengenossen auf eine rhetorisch überzeugende Begründung, wie die SPD 2009 Angela Merkel aus dem Kanzleramt treiben will.

Mit offener Kritik an Beck halten sich auch weniger prominente Sozialdemokraten bislang zurück. Mehrere Schnitzer in den zurückliegenden Monaten wurden noch entschuldigt. Doch allmählich dreht sich die nachsichtige Stimmung. Mit Schulterzucken werden inzwischen auch von bislang wohlmeinenden Parteifreunden manche als ungeschickt empfundenen Ausflüge in die Bundespolitik registriert. Dass Beck die Rolle des eher auf Harmonie bedachten Landesvaters noch nicht abgestreift hat, zeigte sich etwa am vergangenen Dienstag. Beim Fest in der Berliner Landesvertretung strapazierte er die Geduld vieler Gäste mit der langatmigen Vorstellung aller angereisten Honoratioren aus der pfälzischen Heimat.

Beck zunehmend gereizt

Gereizt und mitunter aufbrausend reagiert Kurt Beck auf den Vorwurf provinzellen Gehabes. Mit Sätzen wie "Dieses Theater, das da in Berlin abgeht, das geht mir manchmal so auf den Keks" pariert er solche Attacken. Für geradezu hanebüchen hält er das, was auch Journalisten, die ihn noch nie gesehen hätten, über ihn schrieben. Das gehe nach dem einfachen Motto: Mal sehen, was der Beck aushält. Er werde sich deshalb nicht verrückt machen lassen, gibt sich der SPD-Chef äußerlich unbeeindruckt: "Ich bleibe ich."

Doch angesichts anhaltend mieser Umfragezahlen für die SPD und rapide sinkender persönlicher Zustimmungswerte ist bei Beck spürbar, dass die Nerven mitunter blank liegen. Zumal auch die Abstimmung in der SPD-Spitze auffällig oft zu wünschen übrig lässt. Bereits ein ziemliches Durcheinander gab es, als aus SPD-Sicht Merkels G8-Verhandlungsergebnis von Heiligendamm zu bewerten war. Kaum anders war dies in dieser Woche beim Nachklapp zum Koalitionsausschuss. Während Beck zunächst einen SPD-Etappensieg beim Mindestlohn verkündete, ging der Vizekanzler offen auf Konfrontationskurs zur Union. Für seine klaren Worte an die Adresse Merkels wurde Franz Müntefering auch von der SPD-Fraktion gefeiert. Pikiert beschwerte sich die SPD-Parteizentrale über den Solo-Auftritt des Arbeitsministers, weil sie davon offenbar ahnungslos war.

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen düpierte Müntefering damit den SPD-Chef. Mit einem betont kämpferischen Auftritt begeisterte der Vizekanzler bereits im Mai auf der Spargel-Fahrt des "Seeheimer Kreises" die Genossen, während Becks sich mit einer braven Rede ganz als Landesvater präsentierte.

Einiges deutet darauf hin, dass Beck bis zum SPD-Parteitag Ende Oktober in Hamburg noch schwierige Zeiten auch in den eigenen Reihen bevorstehen. Die meist nachrichtenarmen Sommermonate eignen sich erfahrungsgemäß besonders für Personaldebatten, bei denen auch politische Heckenschützen aus der zweiten Reihe viel Resonanz erhalten. Dass Becks Sessel als SPD-Chef wackelt, scheint derzeit aber unwahrscheinlich. Nach der Auswechselung seiner Vorgänger fast schon im Jahrestakt könne sich die Partei eine neue Vorsitzenden-Debatte eigentlich nicht mehr leisten, meinen auch Beck-Skeptiker.

Doch wieder völlig offen scheint die Frage des nächsten SPD-Kanzlerkandidaten zu sein. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", zeigte sich kürzlich selbst Becks Ehefrau Roswitha überzeugt. Als Alternativ-Kandidat schiebt sich immer deutlicher der Außenminister in den Vordergrund, der auf dem Parteitag im Oktober zum SPD-Vize gewählt werden soll. Laut einer Umfrage vom Donnerstag hat Frank-Walter Steinmeier als Merkel-Herausforderer der SPD bereits mit Beck gleichgezogen. Und nicht mehr auszuschließen ist, dass der Parteichef seinem künftigen Stellvertreter freiwillig den Vortritt lassen wird. Eine vielsagende Prognose Münteferings kursiert derzeit bei den Sozialdemokraten. Auf die Frage, ob Steinmeier 2009 noch Außenminister sein wird, antwortete der Vizekanzler vor einigen Wochen kurz und knapp: "Mindestens." (dpa)



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