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„Niemand hat das Geld vermisst“

Erstellt 06.07.07, 19:58h

Heros-Beschäftigte bedienten sich, als im Tresor zwei Millionen „übrig“ waren. Eine frühere Niederlassungsleiterin und ihre Komplizin müssen sich von nun an vor Gericht verantworten.

Heros-Skandal
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Der Betrugsskandal bei Heros wurde im Februar 2006 aufgedeckt.
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Der Betrugsskandal bei Heros wurde im Februar 2006 aufgedeckt.
Hildesheim - Mit Mühe hat sie den Hauptschulabschluss geschafft, ihre Lehre als Frisörin abgebrochen - für eine steile Karriere beim ehemals größten deutschen Geldtransporteur Heros hat es dennoch gereicht. Nach nur wenigen Jahren steigt die Frau aus dem schleswig-holsteinischen Rendsburg zur Prokuristin und Niederlassungsleiterin auf und jongliert mit Millionensummen. Bis sie der Verlockung nicht mehr widersteht, mehr als zwei Millionen zur Seite schafft und mit einer Kollegin teilt. Seit Freitag muss sich die 38-Jährige gemeinsam mit ihrer 61 Jahre alten Komplizin vor dem Landgericht Hildesheim wegen Untreue verantworten. Dies ist nur ein weiteres juristisches Kapitel der schier unendlichen Geschichte des beispiellosen Betrugsskandals.

„Nach der Euro-Umstellung ging es bei uns drunter und drüber. Plötzlich hatten wir zu viel Geld im Tresor, das keinem Kunden zugeordnet werden konnte“, sagte die 38-Jährige zum Prozessauftakt. Mit dem Geld, das sie vor ihrem Lebensgefährten zwischen der Weihnachtsdeko in einer Abstellkammer versteckt, finanziert sie einen exklusiven Lebensstil. Sie kauft Autos und baut ein Haus. Die mitangeklagte 61-Jährige hat dagegen ein Faible für Wohnmobile und Luxuskarossen. Auch für eine Eigentumswohnung war plötzlich Geld da.

Kriminelles Verhalten als Vorbild

Die beiden Frauen haben sich das kriminelle Verhalten ihrer Vorgesetzten zum Vorbild genommen. Firmengründer Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager waren erst im Mai zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ihnen wurden 157 Untreue-Taten nachgewiesen - die Schadenssumme beläuft sich auf 240 Millionen Euro. Auch diese Spitzenkräfte hatten Millionen in die eigene Tasche gesteckt und den damaligen Branchenprimus Heros in die Pleite getrieben. Die Summe der ausstehenden Forderungen beläuft sich auf insgesamt 469 Millionen Euro. Der Prozess gegen die zwei Frauen wirft ein weiteres Schlaglicht auf die katastrophale Unternehmensführung und die mangelhaften Kontrollmechanismen. „Unregelmäßigkeiten waren seit Jahren an der Tagesordnung, und Kontrollen gab es eigentlich nie“, sagt die 61-Jährige, die 1990 bei Heros einstieg und wenig später eine leitende Funktion innehatte. Die Begründung für den schnellen Aufstieg: Sie sei die Älteste gewesen und habe von allem gewusst. „Immer wieder mussten wir Gelder zu anderen Filialen überweisen, weil dort etwas in der Buchführung nicht stimmte.“ Und als dann im Tresor der eigenen Niederlassung mehr als zwei Millionen Euro „übrig“ waren, griffen die Frauen zu. „Das Geld fehlte nirgendwo, niemand hat etwas vermisst.“ Die Scheine packte das Duo in eine Kiste und verstaute sie im Kofferraum. Nach Feierabend wurde in der Garage der Kollegin geteilt. „Ich habe noch zu ihr gesagt, dass ich auch kleine Scheine haben möchte, nicht nur Hunderter.“ Mit einem Urteil gegen die Frauen wird für August gerechnet. Die Aufarbeitung des Skandals ist damit nicht abgeschlossen: Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen Untreue gegen einen anderen Filialleiter. Gegen die Ehefrau und die Töchter von Weis läuft noch ein Verfahren wegen Geldwäsche. (dpa)



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