Erstellt 10.11.07, 20:04h
MON863 wurde in den Gentechniklabors des US-Agromultis Monsanto entwickelt. Sie Sorte ist ausgestattet mit Abwehrkräften gegen knabbernde Maiswurzelbohrer, sie wird auf Millionen von Hektar kultiviert - und von unzähligen Menschen und Tieren verspeist. Warum auch nicht? Sie ist genau so sicher wie die gelben Kolben auf unseren heimischen Maisfeldern. Dies hat am vergangenen Donnerstag jedenfalls zum wiederholten Mal die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt.
Dass die Behörde dies noch einmal klarstellen musste, liegt an einer Meldung der Umweltschutzorganisation Greenpeace vom März 2007. Der Hamburger Verein hatte über eine neue „Studie unabhängiger französischer Wissenschaftler“ berichtet, die belege, dass der „Gen-Mais“ ein „potenzielles Gesundheitsrisiko“ mit sich bringt. In Fütterungsversuch mit Ratten hätten die Tiere „Vergiftungssymptome und Schädigungen von Leber und Nieren“ gezeigt. Erstmals sei „ein Gesundheitsrisiko für eine bereits zugelassene Gen-Pflanze nachgewiesen“ worden.
In Wirklichkeit gab es aber keine neuen sensationellen Tierversuche. Greenpeace hatte lediglich alte Fütterungsstudien, die schon vor einigen Jahren hinlänglich geprüft und bewertet wurden, neu interpretieren lassen. Alles Schall und Rauch, befanden dann auch sogleich mehrere Wissenschaftsinstitutionen.
Ende März resümierte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass die „erneute statistische Analyse der Daten auch bei sorgfältiger Überprüfung keine neuen Belege“ liefere, die frühere Erkenntnisse in Frage stellten. Einen Monat später wurde dasselbe von der Französischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (AFSSA) zu Protokoll gegeben. Die EFSA-Experten hatten mittlerweile auch damit begonnen, die neuen Greenpeace-Interpretationen der Tierversuche zu bewerten. Es würden sich daraus „keine neuen Sicherheitsbedenken“ ergeben, lautet das nun präsentierte Ergebnis.
Die Nation hatte mal wieder wegen einer Meldung der „deutschen Angstindustrie“ gezittert. Für die Anti-Gentechnik-Front sind solche Erkenntnisse aber unerheblich. Die Rattengeschichte wird seit 2004 immer wieder aufgewärmt. So wie die Mär von den Monarchfalter-Schmetterlingen, die von den Stängeln fallen; die Geschichte von Allergie auslösenden transgenen Paranüssen und die Legende von „Killer-Kartoffeln“. Mitte Juni wartete Greenpeace schon mit dem nächsten „Skandal“ auf: Diesmal geht es um die transgene Maissorte NK603, die „möglicherweise gesundheitsschädlich“ sei. Nach Fütterungsversuchen mit Ratten seien deren „Funktionen von Nieren, Gehirn, Herz und Leber betroffen“ gewesen. Mal sehen, wie viel Geld und Nerven diesmal verschwendet werden, um Angstfantasien von Greenpeace zu überprüfen.
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