Erstellt 27.06.07, 14:23h, aktualisiert 27.06.07, 15:58h
"Apple dreht den Markt um"
Die vier deutschen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 sprechen derzeit lieber nicht über Verhandlungen mit Apple. Doch in der Branche rumort es: Von den Betreibern sei zu hören, dass Apple "unglaublich arrogant" in den Verhandlungen auftrete, erklärt Avi Greengart, Telekom-Analyst des Marktforschers Current Analysis vor kurzem. "Apple dreht den Markt um", sagt Markus Eckstein, Handy-Experte von der Fachzeitschrift "Connect". "Sonst picken sich die Netzbetreiber die Handys raus, jetzt ist es umgekehrt." Aber fügt er hinzu: "Was wir gehört haben, will es trotzdem jeder der Anbieter haben."
Denn wer das iPhone hat, das mit schörkellosem Design und neuartigem Berühr-Bildschirm überzeugen soll, dürfte auf einen Schlag neue Kundschaft haben. "Die Apple-Verrückten werden das Ding vom Fleck weg kaufen", sagt Neil Strother, Branchenanalyst von Jupiter Research, mit Blick auf die treue Schar der Apple-Fangemeinde, die jedes der Produkte des kalifornischen Kult-Konzerns haben will. Und auch, wem das iPhone, das in den USA für umgerechnet rund 400 Euro auf den Markt kommt, schließlich zu teuer ist, könnte durch den Werbeeffekt sich für ein anderes Gerät des Anbieters entscheiden.
Kleinere Anbieter fürchten ein iPhone-Monopol
Vor allem bei den kleineren Anbietern in Deutschland ist die Furcht groß, dass die Apple-Taktik die Stellung eines etablierten Mobilfunkriesen stärker machen könnte - und die Freiheit der Verbraucher auf der Strecke bleibt. "Apple spielt hier ein sehr böses Spiel auf dem Rücken der Verbraucher", sagt Jürgen Rützner, Geschäftsführer des VATM, des Verbands von über 50 kleineren Mobilfunkfirmen. Auch Patrick von Braunmühl vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sagt: "Sollte Apple diesen Weg in Europa gehen, ist das für die Kunden sehr ärgerlich". Es müsse überlegt werden, ob gegen solch ein Vorgehen juristische Schritte möglich seien. Handy-Nutzer, die unbedingt ein iPhone haben wollen, sollten jedenfalls im Moment nicht überstürzt handeln. "Man kann derzeit nur abwarten, wer es bekommt", sagt Bettina Seute vom Telefonverbraucher-Portal Teltarif. "In einem Jahr hat das iPhone dann auch die Kinderkrankheiten nicht mehr, die es vielleicht am Anfang gibt", sagt Connect-Experte Eckstein. Außerdem sei grundsätzlich nicht klar, wie gut das iPhone sei. "Ob das Produkt wirklich etwas taugt, steht in den Sternen." Und wenn es nicht unbedingt Apple sein muss, gebe es auch andere Lösungen: "Auch andere Hersteller haben schon Geräte, die das, was das iPhone kann, auch können."
Schlangestehen bis Freitag
In den USA ist das iPhone-Fieber nicht zu bremsen: Vor dem Apple-Laden in New York versammelten sich bereits am Dienstag die ersten Interessenten. Sie wollen bis zum Freitag ausharren und lassen sich beim Schlangestehen im Freien auch von Temperaturen von mehr als 32 Grad nicht abschrecken. "Ich liebe alles, was mit Apple zu tun hat, und dies wird in die Geschichte des Mobiltelefons eingehen", sagte die Nummer vier in der Schlange, Jessica Rodriguez. "Mein Vater sagte, ich würde spinnen, aber dann hat er die Werbung gesehen und gesagt: 'Das will ich haben'." Ihr Vater sei 76 Jahre alt, ergänzte sie. (afp/rtr)
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