Von STEFAN SAUER, 01.01.70, 00:53h, aktualisiert 13.07.07, 13:56h
Neben dem Problem eines atomaren Endlagers und einer Sicherheitsanalyse deutscher Kernkraftwerke (siehe unten stehenden Bericht) konzentriert sich das Bundesamt auf unterschiedliche Strahlenbelastungen im Alltag. Beispiel: Röntgenstrahlen. „In Deutschland wird zu viel geröntgt“, lautet Gabriels knapper Befund. Nach einer Erhebung des BfS wurden im Jahr 2004 135 Millionen radiologische Untersuchungen vorgenommen. Ein erheblicher Anteil hiervon sei unnötig, weil es sich um Doppeluntersuchungen handelte oder aber gesundheitsschonende Alternativen wie Sonographie oder Resonanztomographie zumindest ebenso genaue Ergebnisse zeitigen könnten.
Besondere Sorge bereitet dem Minister aber ein Trend, der aus den USA kommend auf Europa überzugreifen droht: Die Computer-Tomographie (CT) als „Wellness-Angebot“ für eine zahlungskräftige Kundschaft. „Diese so genannten Manager-Check-ups sind mehr als problematisch, weil sie mit einer hohen Strahlenbelastung einhergehen - ohne messbaren medizinischen Nutzen. Dabei kommt das Gegenteil von Wellness heraus“, so Gabriel. Derzeit werde die zweifelhafte Anwendung in Deutschland zunehmend beworben.
Hersteller als auch durchführende Mediziner erweckten den Eindruck, es handele sich um sinnvolle Gesundheitsvorsorge, sich ohne jeden Vorbefund „mal gründlich durchleuchten“ zu lassen. In den USA rollten bereits mobile CT-Geräte durchs Land und böten die Ganzkörperbestrahlung zum Preis von 90 Dollar feil. Dabei seien gerade CT-Untersuchungen besonders belastend: Der CT-Anteil an allen Röntgenuntersuchungen in Deutschland betrug 2004 zwar nur sieben Prozent. Dabei wurde aber mehr als 50 Prozent der Strahlendosis frei, die durch sämtliche radiologischen Untersuchungen verursacht wurde.
Gabriel appelliert an die Ärzteschaft, nur medizinisch notwendige Untersuchungen durchzuführen. Für die Patienten empfehle sich ein Röntgen-Pass, in dem radiologische Untersuchungen vermerkt und so Doppeluntersuchungen vermieden werden.
Sorglosigkeit im Umgang mit UV-StrahlenNoch sorgloser gehen viele Menschen mit der Gefährdung durch UV-Strahlen im Sonnenlicht um, berichtet BfS-Präsident König. Als Folge der UV-Strahlung erkrankten in Deutschland jährlich 120 000 Menschen an Hautkrebs. Für 3000 von ihnen bedeute das den Tod. Insbesondere Kinder und Heranwachsende seien gefährdet. Durchschnittlich 80 Prozent der Gesamtlebensdosis an UV-Strahlung treffen bis zum 18. Lebensjahr auf die Haut, „und die vergisst nichts“, so König. Soll heißen: Ein heftiger Sonnenbrand vor 20 Jahren kann heute zur Entstehung von Hautkrebs maßgeblich beitragen. In dem Zusammenhang rückt ein Solarium-Verbot für Kinder und Jugendliche wegen der erhöhten Strahlenrisiken näher. „Wir sind dabei, an der Umsetzung des Verbots zu arbeiten“, so König.
Während das UV-Risiko also trotz eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnislage weithin sträflich unterschätzt wird, verhält es sich bei den „Handy-Strahlen“ genau umgekehrt. „Es gibt eine sehr große Verunsicherung der Bevölkerung, besonders hinsichtlich der elektromagnetischen Strahlung von UMTS-Sendemasten“, so Gabriel.
Daher initiierte das Bundesumweltministerium bereits 2002 ein Mobilfunkforschungsprogramm unter Federführung des BfS. Je 8,5 Millionen Euro steuerten Bund und Mobilfunknetzbetreiber bei. „Die Firmen sind aber von der Durchführung der Untersuchungen und der Bewertung der Ergebnisse ausgeschlossen“, betont König. Zwar wird die Studie erst Ende kommenden Jahres veröffentlicht, „doch nach allem was uns derzeit vorliegt, haben wir keinerlei Erkenntnisse über gesundheitliche Risiken, wenn die vorgeschriebenen Abstände der UMTS-Anlagen zu Wohnbereichen eingehalten werden“, sagt Gabriel. König ergänzt, die Sendemasten erzeugten lediglich „ein Tausendstel der Feldstärken, die Handys beim Telefonieren emittieren“.
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