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Schlechte Nacht, schlechter Tag

Von STEPHAN KLEMM, 13.07.07, 20:30h, aktualisiert 13.07.07, 20:42h

Die Astana-Fahrer Andreas Klöden und Alexander Winokurow quälen sich nach ihren Stürzen ins Ziel. Sie wollen ihren Traum von einem Tour-Sieg unter keinen Umständen aufgeben, auch wenn es schmerzhaft ist.

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Vernetzt und bandagiert konsultiert Alexander Winokurow einen medizinischen Begleiter.
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Vernetzt und bandagiert konsultiert Alexander Winokurow einen medizinischen Begleiter.
Bourg-en-Bresse - Andreas Klöden steuert auf einem Umweg seinen Team-Bus an, sein Fahrrad verlässt er mit großer Mühe, aber der Abschwung gelingt ihm ganz alleine. Doch gut geht es dem Astana-Radprofi nicht, er verzieht sein Gesicht, als er das Innere des großen Fahrzeugs betritt. Während der gesamten sechsten Etappe am Freitag ist ihm das Fahren sichtbar schwergefallen, seine Sturzverletzung vom Donnerstag hat ihm offenbar sehr schwer zugesetzt. Offiziell tendieren die Angaben über seine Blessur von Steißbein-Prellung bis Steißbein-Haarriss, wobei man sich beides als gleich schmerzhaft vorstellen sollte.

Das Ziel in Bourg-en-Bresse erreichte Klöden (32) am Freitag auf Rang 94, zeitgleich mit dem Sieger Tom Boonen. In der Gesamtwertung wird er einstweilen noch auf Rang zwei geführt, er rangiert 33 Sekunden hinter dem Schweizer Fabian Cancellara.

Schon beim Start hinterlässt Klöden einen schlechten Eindruck. Aber immerhin sagt er einmal etwas über sich: „Ich hatte eine schlechte Nacht.“ Das wird auch für seinen Kapitän Alexander Winokurow gegolten haben, der nach einer vierstündigen Behandlung im Krankenhaus von Beaune erst nach Mitternacht wieder sein Teamhotel betrat. Er wurde an beiden Knien mit 15 Stichen genäht, seine Ellbogen sind geschwollen, am Freitag hielt er sich immer in der Nähe des Arztwagens auf. Am Ende rollte er als 160. über die Ziellinie, verlor aber keine Zeit.

Klöden und Winokurow stilisieren sich nun als Leidende, die ihren Traum vom Tour-Sieg unter keinen Umständen aufgeben wollen. Sie bleiben also wider alle medizinische Vernunft im Rennen.

Klar ist aber auch: Sollte etwa Winokurow aufgeben müssen, hätte sich für Tour-Direktor Christian Prudhomme ein Problem sehr elegant gelöst. Vor dem Prolog in London schien er nicht glücklich über einen potenziellen Sieger Winokurow zu sein, eine Einsicht, die UCI-Präsident Pat McQuaid noch stützte, als er sagte: „Wenn Winokurow dieses Rennen gewinnen wird, liegt ein Schatten über ihm und dem Ereignis.“ Es geht um die Zusammenarbeit des Kasachen mit dem zwielichtigen italienischen Arzt und Epo-Befürworter Michele Ferrari.

Astana wird von dem Schweizer Marc Biver (49) als General-Manager dirigiert; er unterstützt Winokurows Verlangen, mit Ferrari zu kooperieren, ausdrücklich. Und auch sonst ist Biver nicht gerade als engagierter Anti-Doping-Agitator aufgefallen. Einst betreute er als Berater die Schweizer Festina-Profis Alex Zülle, Laurent Dufaux und Armin Meier, die 1998 alle Epo-Doping eingestanden haben. In dieser Zeit sagte er auch, nicht zuletzt, um dieses Trio zu entlasten: „Die ersten 500 Fahrer des UCI-Klassements sind gedopt.“ Was heißen sollte: Was meine Jungs machen, ist doch nicht so schlimm.

Jetzt betreut Biver erstmals ein Radteam, und es ist sein größter Wunsch, mit Astana die Tour zu gewinnen. Doch in Frankreich wird sein Unternehmen sehr kritisch betrachtet. Die Fakten reichen von einer positiven Doping-Probe des nun entlassenen Matthias Kessler über die Suspendierung eines dringend Verdächtigen (Eddy Mazzoleni) bis hin zu sehr seltsamem Verhalten wie etwa Training in konspirativen schwarzen Trikots, um - so der Vorwurf der UCI - Dopingfahnder abzulenken; ergänzt wird dieses Bild von Winokurows Kollaboration mit Ferrari und Klödens auffälliger Unlust, über Dopingthemen zu reden.

Sollte es so kommen, dass Klöden und Winokurow das Rennen an diesem Wochenende in den Alpen vorzeitig beenden müssen, würde aber längst noch nicht alles gut für Prudhomme. Als Tour-Favoriten gelten dann die Spanier Alejandro Valverde und mit Abstrichen auch Alberto Contador; beide sollen Kunden von Fuentes gewesen sein. Auch der Australier Cadel Evans lässt sich wiederum von Ferrari trainieren. Und so geht es immer weiter.



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