Von DETLEF SCHMALENBERG UND MATTHIAS NIEWELS, 24.07.07, 20:16h, aktualisiert 25.07.07, 09:38h
Bergisch Gladbach - Es ist der Alptraum für alle Eltern, die ihre Kinder alleine in Ferien schicken: Ein Mann schleicht sich nachts auf das Zimmer, um vor den Minderjährigen zu onanieren. Gegen den Geschäftsführer eines Jugend-Reiseunternehmens aus Bergisch Gladbach wurde wegen dieses Vorwurfs vor wenigen Tagen Anzeige erstattet (wir berichteten in der Ausgabe vom Samstag, 21. Juli). Er soll sich bei einer Ferienfreizeit in Spanien vor Jugendlichen befriedigt haben.
Da ein begründeter Anfangsverdacht bestehe, sei nach Abschluss einiger polizeilicher Vorermittlungen „ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden“, bestätigte gestern Günter Feld von der Staatsanwaltschaft Köln. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll der Mann zudem wegen des Straftatbestandes des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen im Jahr 2000 vom Amtsgericht Bergisch Gladbach zu einer Geldstrafe verurteilt worden sein.
„Mit Ihnen rede ich nicht mehr“, entgegnete der Beschuldigte, als der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ihn gestern um eine Stellungnahme zu der Gerichtsentscheidung bat. Sein Anwalt teilte mit, dass es damals „nach meinem derzeitigen Informationsstand eventuell kein Gerichtsurteil, sondern einen Strafbefehl“ gegeben habe. Im Gegensatz zu einem Urteil wird dem Beschuldigten durch einen Strafbefehl eine Strafe auferlegt, ohne dass es vorher zu einer Gerichtsverhandlung kommen muss.
Zu den aktuellen Anschuldigungen, die ein Polizeisprecher als „exhibitionistisch geprägt“ bezeichnet, hatte sich der beschuldigte Geschäftsmann jedoch in der vergangenen Woche geäußert. Er wolle die Vorwürfe nicht bestätigen, „aber auch nicht bestreiten“, sagte der Reisegeschäftsführer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Unter anderem gegenüber einem besorgten Vater, der ihn wegen der Anschuldigungen angerufen hatte, soll er jedoch Klartext geredet haben. „Es tut mir leid. Ich weiß genau, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich weiß, dass ich krank bin. Ich werde eine Therapie machen“, habe er gesagt.
In seinem vor 14 Jahren gegründeten Unternehmen, mit dem jährlich etwa 20 000 Kinder und Jugendliche Urlaub machen, betreut der Mann zahlreiche Ferienfreizeiten auch als Teamleiter. In Bergisch Gladbach haben sich die Vorwürfe mittlerweile herumgesprochen. Jugendliche, die vom 1. bis 14. Juli auf der Ferienfreizeit an der spanischen Mittelmeerküste waren, berichteten ihren Eltern von den Vorfällen. Die besorgten Väter und Mütter tauschten sich untereinander aus.
Der beschuldigte Geschäftsmann arbeitete in der Vergangenheit auch mit Schulen zusammen. Gerd Josmann, Direktor des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Bergisch Gladbach: „Eine Vielzahl unserer Klassenfahrten wird von der Firma organisiert. Nie hat es da Klagen gegeben - im Gegenteil, die Kinder und Jugendlichen waren begeistert.“ Von „Vorwürfen sexueller Art“ habe er „absolut nichts gewusst“.
Zumindest bei der Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung indes war die Entscheidung des Amtsgerichts aus dem Jahr 2000 bekannt - denn dort laufen routinemäßig alle Gerichtsentscheidungen ein, die die geschäftliche Eignung von Unternehmern betreffen. Dies sind höchst sensible Informationen, die das Rathaus nicht verlassen dürfen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll dennoch ein Veranstalter von Festen von dem Vorgang Kenntnis erlangt haben. Dieser brach daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ab. Schulen und Sportvereine indes, mit denen der Beschuldigte im ganzen Stadtgebiet zusammenarbeitete, wurden nicht informiert.
„Wir hätten ihn niemals als Gruppenleiter eingestellt, wenn wir von den Vorgängen gewusst hätten“,sagte der 2. Vorsitzende des örtlichen Turnvereins. Ab sofort werde der Mann „bei uns keine Kinder mehr betreuen“. Eine Einsicht, die bei dem Beschuldigten zumindest in der vergangenen Woche so noch nicht angekommen war. Nach seiner Abreise in Spanien erreichte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ihn in Italien, wo er nach eigenen Angaben eine weitere Jugendgruppe leitete. Angeblich, weil er keinen Ersatz für sich gefunden habe. Für die nächtliche Betreuung der 13 bis 16 Jahre alten Reiseteilnehmer seien andere Teammitgliedern zuständig gewesen, betonte der Mann.
Am Wochenende habe er jedoch zugestimmt, „sich aus dem gesamten operativen Geschäft seines Unternehmens, inklusive der Betreuung von Kindern und Jugendlichen, herauszuhalten“, teilte gestern ein leitender Mitarbeiter der Firma mit. „Es ist auch in unserem Interesse, dass die Vorwürfe lückenlos aufgeklärt werden.“ Man werde versuchen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. „Ich hoffe sehr, dass durch das mögliche Fehlverhalten eines Einzelnen nicht die Firma und die daran hängenden Existenzen zugrunde gerichtet werden“, so der Mitarbeiter.
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