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Wie aus Opfern Täter wurden

Erstellt 03.08.07, 22:59h

Junge Strafgefangene sprechen in dem Buch „Pop Shop“ über Haftbedingungen und ihre Kindheit. Die Protokolle einer Erzählwerkstatt geben Einblick in das Leben junger Menschen im Gefängnis und in ihre Vorgeschichte.

Bild: Hauenstein
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Einer der Jugendlichen, die an der Erzählwerkstatt der JVA Ossendorf teilnahmen.
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Einer der Jugendlichen, die an der Erzählwerkstatt der JVA Ossendorf teilnahmen.
Protokolle einer Erzählwerkstatt geben Einblick in das Leben junger Menschen im Gefängnis - und ihre Vorgeschichte.

Köln - Der Foltermord in der Siegburger Haftanstalt, der nun verhandelt wird, hat die Auseinandersetzung um Jugendkriminalität und Strafvollzug neu entfacht. In Grundsatzdiskussionen kommen junge Straftäter kaum zu Wort. Das Buch „Pop Shop“, hervorgegangen aus der „Erzählwerkstatt“ des „Kölner Appell“ in der JVA Köln-Ossendorf, füllt diese Lücke. Es enthält Streitstoff und auch Vorschläge zur Reform des Vollzugs.

Zum Titel: Wenn die Inhaftierten „Pop Shop“ sagen, meinen sie Freizeitsperre. Abgeleitet ist der Begriff aus der in den 70er Jahren beliebten Musiksendung, die immer dann lief, wenn in den Haftanstalten die Zellen verschlossen wurden. Gefördert wurde das Projekt aus einer früheren „wir helfen“-Aktion.

Die Veröffentlichung, so Klaus Jünschke vom „Kölner Appell“, soll dazu beitragen, das die Erwachsenen ihre Mitverantwortung für die Lebensverhältnisse und die Entwicklung dieser Jugendlichen erkennen. Für viele der jungen Männer gilt, was einer sagt: „Meine Kindheit ist ein Totalschaden.“ Eher schleichend kann der Weg in die Kriminalität beginnen: „Man fängt mit 'ner Wasserpistole an, dann ist es 'ne Gaswaffe, und nachher hat man schon 'ne scharfe Waffe in der Hand. So steigert sich das immer weiter. Man bricht 'nen Kaugummiautomaten auf, dann klaut man ein Fahrrad, dann bricht man in einen Kiosk ein. Man merkt das selber gar nicht. Wir haben zum Beispiel Autos aufgebrochen und Radios rausgenommen, das geht alles so schnell, das hat man selber gar nicht gerafft.“

Prägend ist die Gewalt auf der Straße: „Das war schon in der Grundschule. Als wir klein waren, wurden wir von den Großen abgezogen und verprügelt. Immer, wenn ich rausging, wurde ich geschlagen. Und als wir dann ein bisschen größer wurden, haben wir das Abziehen für normal gehalten. Das ging mir nicht durch den Kopf, dass das verboten ist.“ - „Wenn man sich was gefallen lässt, hacken die erst recht auf einem herum, weil sie wissen, dass man es mit dem machen kann.“ Die jungen Männer reden auch über Lehrer: „Die müssen zeigen, dass sie keine Angst vor den Schülern haben. Sie müssen denen zeigen, dass sie unterlegen sind.“

Viele sind durch Handyschulden und Drogenkonsum abgestürzt. „Man hat halt gekifft und sich gedacht, warum nicht Geld damit machen?“ Einige hoffen auf einen neuen Anfang, sagen Sätze wie: „Ich bin das erste Mal in meinem Leben im Knast, und das soll auch dabei bleiben.“ Andere sind sicher: „Wenn du hier rauskommst, bist du kein normaler Mensch mehr.“ (wa)

„Pop Shop“ (Konkret

Literatur Verlag) gibt es im Buchhandel und beim „Kölner Appell“, Körnerstraße, 77-79, 50823 Köln

koelner.appell@t-online.de



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Hedwig Neven DuMontHedwig Neven DuMont

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