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Friedensdienst für Millionen

Von ANDREAS POULAKOS, 07.08.07, 23:13h

Claus Schrowange versucht mit kleinen Schritten, in Ibadan im Süden Nigerias demokratisches Denken anzustoßen. Der Sozialpädagoge ist im Zivilen Friedensdienst tätig, der seine Mitarbeiter in Kriegsgebiete entsendet.

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Der Sozialpädagoge Claus Schrowange lebt seit drei Jahren in Ibadan im Süden Nigerias.
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Der Sozialpädagoge Claus Schrowange lebt seit drei Jahren in Ibadan im Süden Nigerias.
Ibadan im Süden von Nigeria ist keine Stadt, die Touristen magisch anzieht. Wer hier wohnt, der hat gewöhnlich keine andere Wahl. Fünf Millionen Menschen leben in Ibadan, drei Viertel davon in extremer Armut. Seit drei Jahren ist Ibadan auch das Zuhause von Claus Schrowange (37), seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern. Der aus dem Sauerland stammende Sozialpädagoge ist im Zivilen Friedensdienst tätig, der seine Mitarbeiter üblicherweise in Kriegsgebiete entsendet. „In Ibadan herrscht kein offener Krieg“, erklärt Schrowange seinen Einsatz, „aber die Menschenrechte werden trotzdem jeden Tag mit Füßen getreten.“ Demokratie sei - wie überall in Nigeria - nicht viel mehr als eine Fassade. „Die wahre Macht haben reiche und einflussreiche Personen inne, die politische Ämter nach Belieben besetzen können.“ Vor den Wahlen zögen bewaffnete Schlägertrupps durch die Stadt, die Stimmberechtigten würden massiv eingeschüchtert.

Schrowanges Auftrag besteht darin, der jungen Generation zu zeigen, dass es Auswege aus diesem gesellschaftlichen Dilemma gibt. Zusammen mit seinen Mitarbeitern von der „Justice Development and Peace Commission“ in der Erzdiözese Ibadan hat er an den örtlichen Gymnasien ein Programm zur Friedenserziehung gestartet. Gemeinsam mit moslemischen wie christlichen Schülern diskutiert er über Frauen- und Menschenrechte und über die Rechte und Pflichten eines demokratischen Bürgers. „Wir animieren die Schüler dazu, einen Friedensclub zu gründen. Wir hoffen, dass wir so einen Prozess in Gang setzen.“

Weitere Projekte, die Schrowange organisiert oder denen er beratend zur Seite steht, sollen den Graben zwischen den Religionen überwinden. „Wir veranstalten Konferenzen für christliche und moslemische Geistliche, die zur Konfliktbewältigung zwischen den Religionen beitragen sollen.“ Weiter unterstützt er die unabhängige Presse und tritt selbst als Journalist in Erscheinung.

Für Menschen, deren Angehörige im Gefängnis sitzen, ist Schrowange Ansprechpartner. „Mehr als 70 Prozent der Häftlinge in Ibadan sitzen in U-Haft. Zum Teil schon seit Jahren.“ Für diese Fälle kann Schrowange auf die Hilfe von Anwälten zurückgreifen. Doch vor allem in der Bildung von Netzwerken sieht Schrowange eine Chance für den Frieden. „Einige bleiben erhalten, auch wenn ich nicht mehr im Land bin.“

„Ein einzelner Sozialarbeiter ändert kein System“, sagt Schrowange selbstkritisch. „Aber wir können kleine Prozesse in Gang setzen, die vielleicht eines Tages große Wirkung haben.“



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