Von CLAUDIA HAUSER, 09.08.07, 21:59h
Die Seelöwen üben das Wachbleiben schon seit einigen Tagen mit ihren Pflegern. Den Raubkatzen ist es egal, da sie in der Natur sowieso nachts jagen, und die Schimpansen brauchen immer zehn Stunden Schönheitsschlaf und liegen spätestens um 20 Uhr flach - im Affenhaus interessiert es nicht, ob der Zoo die „Sommernacht“ feiert. „Um 22 Uhr wird das Haus am Samstag abgeschlossen, sonst fühlen sich die Menschenaffen gestört“, sagt Zoodirektor Theo Pagel. „Die Elefanten können dafür bis 1 Uhr in der Nacht beobachtet werden - die schlafen immer nur wenige Stunden und nehmen auch gerne mal ein nächtliches Bad.“
Zum zehnten Mal findet die lange Sommernacht in Zoo und Flora in diesem Jahr statt. Vor allem nachtaktive Tiere wie Flughunde oder Eulen stehen bei der jährlichen Veranstaltung im Mittelpunkt. 75 Techniker arbeiten seit Dienstag zwölf Stunden täglich daran, dass die erwarteten 15 000 Besucher am Samstag bei stimmungsvoller Beleuchtung durch den Zoo und den Botanischen Garten rund um die Flora spazieren können. Sie schaffen 70 Lkw-Ladungen Material heran, verlegen 45 Kilometer Kabel und schrauben 30 000 Glühbirnen fest. Wenn die Gehege und Wege in der Nacht in unterschiedlichen Farben erstrahlen, fließen 1,5 Millionen Watt durch die Stromkabel.
„Gerade bei einer Veranstaltung, die nur ein paar Stunden dauert, muss alles zu 100 Prozent stimmen“, sagt Elektriker Erwin Klein. „Wenn die Steckverbindungen zwischen den Kabeln nicht ordentlich sind und es draufregnet, stehen die Leute im Dunkeln - das geht natürlich nicht.“ Ist aber auch noch nie passiert. Und Erwin Klein arbeitet schon seit acht Jahren bei der Sommernacht mit. Vor allem der Botanische Garten stellt die Elektriker vor logistische Herausforderungen - allein, weil der Garten keine technische Infrastruktur hat.
So gut es geht, werden die Kabel um die Wiesen herumgelegt und durch die Büsche gezogen. „Wir können außerdem nicht mit dem Lkw auf die schmalen Kieswege fahren“, erläutert der technische Leiter Stephan Weisbarth. „Auch auf die Blumenbeete müssen wir aufpassen: Es wächst vieles im Verborgenen, zum Beispiel sind die japanischen Frühlingsblüher-Zwiebeln schon in der Erde.“ Deshalb wird alles, was die Techniker tun, mit den Gärtnern und Tierpflegern abgesprochen. „Die Tiere und die Pflanzen sind Sensibelchen, manche leben Tag und Nacht im Dunkeln“, sagt Weisbarth. „Die dürfen nicht einfach so angestrahlt werden.“
Auf dem Alpinum-Felsen entsteht eine Lichtinstallation. Am Samstagabend können die Besucher dort Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in „Casablanca“ erleben, während die Seerosen im Teich von Unterwasserscheinwerfern angeleuchtet werden. Der Teich bei der Flora wird in eine Seebühne verwandelt, auf der das Klavier der Pianistin Stefanie Hoevel schwimmt. „Am schönsten ist die Stimmung in der Dämmerung - wenn das Tageslicht ins künstliche Licht übergeht, das in vielen wechselnden Farben scheint“, sagt Weisbarth.
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