Von LIOBA LEPPING, 10.08.07, 18:44h
„Meine Schwester Fatma und ich haben im Kindergarten Deutsch gelernt. Wir haben dann auch meiner Mutter geholfen, die Sprache zu erlernen - zusätzlich zu den Sprachkursen, die sie gemacht hat“, erinnert sich die 22-Jährige an die Anfangszeiten in Königswinter, wo die Familie zunächst lebte.
AUS EINEM
ANDEREN LAND
Schneller als ihre Eltern fanden sich die beiden Mädchen in ihrer neuen Heimat zurecht. Zwar waren sie damals in Rauschendorf die einzigen türkischen Mädchen, doch wurden sie im Kindergarten oder in der Grundschule nie schräg angesehen. „Wir waren ja auch fast wie Zwillinge, meine Schwester und ich. Mit zweien auf einmal legt man sich nicht so leicht an“, spekuliert Yeter augenzwinkernd. Erleichtert hat ihnen den Einstieg in Deutschland möglicherweise auch ihr liberales Elternhaus. „Meine Eltern stammen aus einem alevitischen Dorf in Gaziantep im mittleren Süden der Türkei. Die Aleviten sind Muslime, haben aber nicht so strenge Regeln“, erklärt Yeter, die ihren Namen von der Mutter ihres Vaters geerbt hat. Yeter heißt übersetzt so viel wie „genug, es reicht“.
Fakt ist, dass Yeters Mutter kein Kopftuch trägt und auch die Töchter brauchen ihre schwarzen Locken nicht zu verstecken. Yeter ist froh darüber. Früher in der Schule kannte sie auch viele junge Türkinnen, die ihr Kopftuch abnahmen, sobald sie m Schulgebäude angekommen waren. Genauso kennt sie Mädchen, die sich freiwillig für das Kopftuch entscheiden. „Es gibt alle möglichen Richtungen“, weiß die junge Frau, die nach der Höheren Handelsschule eine Ausbildung in der Kreisverwaltung begonnen hat. Auch dort hat sie Kolleginnen, die das Kopftuch tragen. „Alles eine Glaubensfrage.“
Für Yeter ist Deutschland ihre Heimat. Als sie 18 wurde, hat sie sich für den deutschen Pass entschieden. „Mir ist es nicht schwer gefallen, den türkischen Pass abzugeben“, verrät die Kreissekretärin zur Anstellung. Dennoch fühlt sie sich ihrer türkischen Herkunft verpflichtet. „Ich spreche die Sprache und sehe auch türkische Sender im Fernsehen. Außerdem fahren wir alle zwei Jahre zu den Großeltern in die Türkei.“ Das Dorf ihrer Großeltern wurde gerade erst ans Stromnetz angeschlossen. „Es gibt dort enorme Entwicklungsunterschiede zwischen Stadt und Land“, sagt Yeter. Dass ihr Vater den Entschluss fasste, die Heimat zu verlassen, damit seine Kinder es einmal besser haben, dafür ist sie dankbar.
„Ich gehe gerne shoppen“
Selbstverständlich darf sich Yeter auch den Mann ihres Herzens selbst aussuchen. Doch so lange der nicht in Sicht ist, wohnt sie zu Hause, das mittlerweile in Sankt Augustin-Hangelar ist. Dort lebt sie zusammen mit Schwester Fatma und dem 17-jährigen Bruder Halil. „Das würde meiner Mutter das Herz brechen, wenn wir vor der Heirat ausziehen würden, aber da ich ein sehr offenes Verhältnis habe zu meinen Eltern, ist das auch in Ordnung. Außerdem ist meine ältere Schwester eigentlich vor mir dran mit Heiraten.“ Besonders eilig hat sie es jedenfalls nicht mit der lebenslangen Bindung. Yeter Aslan tut das, was alle jungen Frauen in ihrem Alter gern machen: „Ich gehe shoppen, ins Café und ins Kino. Nur in die Disko gehe ich ungern. Das Imponiergehabe der Jungs dort mag ich nicht.“ Prince Charming müsste schon etwas subtiler auf sich aufmerksam machen, aber ob er aus der Türkei oder Deutschland kommt, ist Yeter Aslan eigentlich wurscht: „Hauptsache er lässt mir meine Freiheit und nimmt mich so, wie ich bin.“
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