Von SIMON BALZERT, 12.08.07, 19:56h
Wie integriert man Senioren dauerhaft ins soziale Leben eines Stadtteils? Und wer gibt Schulabbrechern eine langfristige berufliche Perspektive? Um solche und ähnliche Probleme zu lösen, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln im April 2006 sechs so genannte Sozialraumkoordinatoren engagiert. Gabriele Busmann ist eine von ihnen und seit mehr als einem Jahr für das Gebiet Bickendorf / Westend / Ossendorf zuständig: „Wir sprechen unter anderem mit Schulen, Sportvereinen und dem Arbeitsamt, damit wir Probleme vor Ort umfassend verstehen und dementsprechend bekämpfen können.“
Sozialraumgebiete - das sind Bereiche der Stadt, in denen jeweils etwa 30 000 Menschen leben - ihre Grenzen stimmen nicht mit denen der Stadtteile überein. Im Frühjahr dieses Jahres kamen vier weitere Gebiete dazu. Das Problem von sozialen Hilfsangeboten war bis dahin laut Busmann die mangelnde Weitsicht: „Schulabbrecher werden zum Beispiel kurzfristig in speziellen Hilfsprojekten unterstützt, aber diese dauern oft nur einige Monate. Danach landen die jungen Leute doch auf dem Arbeitsamt. Wir begleiten sie längerfristig und schauen gleichzeitig, wie es bei den jüngeren Geschwistern aussieht.“
Finanziert wird das Projekt zunächst bis 2009 mit jährlich einer Million Euro aus kommunaler Kasse. Das Geld ist laut Ulrich Bergmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband gut investiert: „Wenn die sozialen Institutionen vor Ort zusammenarbeiten, kann viel Geld gespart werden. Wir holen die meiste Wirkung aus dem einzelnen Euro.“ Die zehn Sozialraumgebiete sind aber keinesfalls nur soziale Brennpunkte. Köln ist mit dieser Form der Hilfskoordination Vorreiter: „In anderen Städten werden zwar auch die Angebote im Jugendbereich aufeinander abgestimmt, aber wir integrieren wirklich alle Bewohner. So gewinnen wir Senioren dafür, in Kindertagesstätten Geschichten vorzulesen oder mit den Mädchen und Jungen Kuchen zu backen“, sagt die Dezernentin für Soziales, Integration und Umwelt, Marlis Bredehorst.
Die Koordinatoren gehen auf spezielle Bedürfnisse in den Gebieten ein. So werden Deutschkurse für Migranten vor Ort angeboten, wenn viele von ihnen zwar Deutsch lernen wollen, aber nicht mobil genug sind, um für die Kurse in die Innenstadt zu fahren. Ein weiteres Beispiel: „Wenn es ein Jugendzentrum gibt, dass dienstags vormittags nicht genutzt wird und gleichzeitig der Veranstalter eines Sprachkurses noch einen Raum benötigt, so bringen wir beide zusammen“, sagt Busmann.
Falls das dreijährige Projekt erfolgreich ist, soll auf lange Sicht ganz Köln in Sozialraumgebiete aufgeteilt und von Koordinatoren betreut werden. Die Bilanz nach mehr als einem Jahr ist aber positiv: „Wir sind uns sicher, dass 2009 weitere Gebiete hinzukommen“, so Bredehorst.
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