Von CHRISTIAN HÜMMELER, 15.08.07, 21:15h, aktualisiert 15.08.07, 22:07h
Es war eines der ersten Beispiele für „Corporate Design“: Ab 1907 baute der Architekt Peter Behrens für das Elektrounternehmen AEG nicht nur wegweisende Fabrikgebäude, er gestaltete auch, so sein Auftrag, alles, was zur AEG gehörte. „Ihre Läden, ihre Reklame, ihr Firmenzeichen, ihre Bogenlampen und elektrischen Teekessel, ihren Ruderclub“ - so erinnert sich der Architekturhistoriker Julius Posener. Behrens gehörte (wie Posener) dem ebenfalls 1907 gegründeten „Deutschen Werkbund“ an, dessen Ziel die „Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“ war - und eine Steigerung der Qualität vor allem des deutschen Kunstgewerbes.
Eine Reformbewegung also, wie so viele am Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch hier handelte es sich nicht, wie sonst in diesen Jahren so oft, um eine „Nischenkultur der Lebensverbesserer, Nudisten oder Vegetarier“, so der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt: „Wer hier mitmachte, der wusste zu organisieren.“ Der AEG-Auftrag an Behrens zeigt, dass selbst die Industrie den Reformansätzen des Werkbundes nicht abgeneigt war. Kein Wunder, hatten sich doch die Werkbündler selbst das Ziel gesetzt, die Konkurrenzfähigkeit deutscher Wertarbeit auf dem Weltmarkt zu steigern.
Zu den zentralen Aufgaben des Werkbundes gehörte es, mustergültige Projekte aus Industrie, Werbung und Design sowie Architektur und Städtebau öffentlich zu präsentieren. Das geschah am nachdrücklichsten in Köln-Deutz, wo der Werkbund 1914 auf rund 350 000 Quadratmetern (heute stehen hier Messe und Rheinpark) eine erste Bilanz zog. Vermittelt worden war die Schau vom damals 36 Jahre alten Konrad Adenauer, dem Ersten Beigeordneten der Stadt, der sich von einer solchen Schau vor allem Zuwachsraten im Tourismus erhoffte, aber auch neue Anstöße für Stadtplanung und Gewerbeförderung sowie Pluspunkte im kommunalen Konkurrenzkampf.
Zwar verzeichnete der Werkbund bis dahin in Köln gerade mal zwölf seiner insgesamt 1000 Mitglieder. Dennoch war die Stadt nun der Mittelpunkt der Werkbund-Welt, das Spektrum des Gezeigten reichte „vom Sofakissen bis zum Städtebau“, vor allem aber drehte es sich um die Architektur. Drei der temporär errichteten Großbauten sind noch heute Bestandteil der Architekturkompendien: Henry van der Veldes Theaterbau, Bruno Tauts Glashaus und die von Walter Gropius entworfene Musterfabrik. Eingang in die Geschichtsbücher fand aber auch der „Werkbundstreit“, der sich auf der Kölner Ausstellung über Normung und Individualität entzündete.
Das Bauen blieb ein zentraler Bestandteil der Arbeit des Werkbundes. 1927 etwa organisierte man die Internationale Werkbundausstellung in Stuttgart-Weißenhof, aus der die gleichnamige Siedlung, ein Vorzeigeprojekt des Neuen Bauens, hervorging. 1934 faktisch verboten, fand sich der Werkbund bald nach Kriegsende wieder zusammen und blieb, so Wolfgang Pehnt, „als Ideenspender und Gesprächspartner in Sachen Umwelt, Architektur und Design ein wichtiger Faktor der deutschen Szene“. Das ist er bis heute, wobei zunehmend die theoretische Auseinandersetzung im Mittelpunkt steht: „Vermittler, Katalysator und Verstärker gesellschaftlicher Debatten um Partizipation, Wohnungsreform und um ein neues ökologisches Bewusstsein“ will man sein, bundesweit, vor allem aber auf regionaler Ebene.
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