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„Meinen Sie uns, Herr Giordano?“

Von HELMUT FRANGENBERG, 17.08.07, 21:08h, aktualisiert 19.08.07, 19:41h

Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben sich mehrere Jugendliche aus dem Umfeld der türkisch-islamischen Union, Ditib, gegen den „Fanatismus und die Diffa- mierung von Ralph Giordano“ gewehrt.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben sich Jugendliche aus dem Umfeld der türkisch-islamischen Union, Ditib, gegen den „Fanatismus und die Diffamierung von Ralph Giordano“ gewehrt. Sie trafen sich auf dem Gelände der Ditib in Ehrenfeld und entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Meinen Sie uns, Herr Giordano?“ Sie reagierten auf die öffentliche Absage des Publizisten auf eine Einladung, sich doch persönlich ein Bild von der Moschee, ihrer Besucher und vom Bauherrn zu machen. Giordano urteile „aus seinem Elfenbeinturm“ und verkenne völlig, dass Muslime „ein Teil dieser Stadt“ sind.

Giordano hatte mit seinen letzten Aussagen die Auseinandersetzung weiter verschärft. Er glaube, dass Integration überhaupt nicht möglich sei und deshalb „Mehrheitsgesellschaft und muslimische Minderheit“ auf Dauer „auch ohne Integration miteinander friedlich auskommen“ müssen.

„Ich bin Kölner und deutscher Staatsbürger, spreche fünf Sprachen und habe christliche und jüdische Freunde“, sagt der 29-jährige Jungunternehmer Ertun Tekbas. Die Frage nach Integration stelle sich für ihn persönlich überhaupt nicht mehr. Seine Verbindung zur Ditib-Moschee sei „der liebe Gott“. Er komme zum Beten. „Giordano hat Angst, weil er zu wenig weiß. Deshalb laden wir ihn ein.“ Der Moscheebau sei ein Zeichen der Integration. „Wir haben das Recht auf ein schönes Gebäude.“

Taner Gündüz versteht die Unterscheidung zwischen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft nicht. „Dass man nach so vielen Jahren immer noch von »ihr« und »wir« spricht, finde ich schade.“ Der 32-jährige Diplom-Designer ist vor einem Monat von Augsburg nach Köln gekommen und arbeitet nun für den Moscheebauherrn Ditib, dem Giordano fehlende Aufrichtigkeit vorwirft. „Er hat nicht recherchiert und hat Vorurteile“, sagt Gündüz. In Augsburg hat er bereits eine heftige Debatte um einen Moscheebau erlebt. Dort hatte eine klare politische Mehrheit schließlich den Bau verhindert. Von Parteien sei er undifferenzierte Pauschalurteile gewohnt. „Schade, dass so etwas auch von Intellektuellen kommt.“

Ilgin Kilic, 20-jährige Schülerin am Montessori-Gymnasium, ist es leid, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, weil sie Muslima sei. „Ich bin genauso Kölnerin wie andere auch.“ Natürlich gebe es auch im Islam extreme Positionen. „Doch die gibt es in jeder Religion. Ich muss nicht für solche Ausnahmen geradestehen.“ Giordano hatte den Islam grundsätzlich kritisiert und bezweifelt, ob jemand „dem der Koran, diese Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur, heilig ist, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen kann“. „Wie kann er mir so etwas sagen?“, fragt Unternehmer Tekbas. Der Islam sei eine friedliche Religion. „Christentum, Judentum und Islam haben gleiche Wurzeln.“



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