Von ANNE BURGMER UND OLIVER GÖRTZ, 19.08.07, 20:38h
Angekündigt war die Band „Lili“, doch es kam erst einmal „Lala“: Drei Mädels und ein Typ, allesamt in schrillen Badeanzügen mit fiesen Blumenmustern, abenteuerlichen Gummikappen, ausladendenden Sonnenbrillen und fleischfarbenen Glitzerstrumpfhosen. Das knappe Outfit brachte echtes Strandgefühl ins Blue Shell, während sich draußen der Sommer 2007 doch hartnäckig weigert, Sommer zu sein. Die Musik, die „Lala“ dabei hatte, machte die Beach-Party komplett. Gute-Laune-Punk mit Melodien, die man noch Tage später mit sich herumträgt und Refrains, die Orgien waren aus „Schubidus“, „Na, na, nas“ und - natürlich - „lala“.
Nachdem „Lala“ ausgesummt hatte, kam dann tatsächlich „Lili“, die sich natürlich hinter „Lala“ verbargen und nach kurzem Garderobenwechsel ihr Alias im Backstage-Raum ließen. Da „Lala“ die Bühne schon mal warmgerockt hatten, konnte „Lili“ dankbar abstauben. Der Punk blieb derselbe. Weiß der Kuckuck, warum diese Band mit ihren adretten Pony-Fransen, die in den verschwitzen Gesichtern klebten, den gepflegten Zähnen, akkurat auf Neo-Punk gestylten Klamotten und dem Quoten-Mann an den Drums noch nicht in der „Bravo“ waren!
Die Stoner-Rock-Götter „Queens of the Stone Age“ geben die Kölner von „Sickboy“ als Referenzgröße an, und man kann sagen: Die Annäherung funktioniert. Zwar sind ihre Melodien nicht ganz so düster wie bei den amerikanischen Vorbildern. Aber in vielen der sägenden Riffs und beim Gesang waren auch im Blue Shell die Anleihen nicht zu überhören. Sänger Ralf Kerkeling erklärte, dass ihr Schlagzeuger nur eine Woche Zeit hatte, das komplette Set zu lernen. Diese sieben Tage jedoch muss der Drummer intensiv genutzt haben, jedenfalls vermöbelte er sein Instrument ziemlich fehlerfrei mit standesgemäßer Erbarmungslosigkeit.
Erbarmungslos war auch der Ex-Bassist von „Das Beste von heute“ (DBVH) mit seinen Stimmbändern. Als der für einen Song auf die Bühne kam, kramte er ein Gröhlen aus den Tiefen seiner Kehle, wie es sonst nur Death- und NuMetaller machen. Dieser wilde gutturale Exzess war aber die Ausnahme beim erdigen und etwas braven DBVH-Rock. Besonders bei Vokalist Daniel Quast warteten die Konzertgänger vergeblich, dass er sich selbst von der Leine lässt. Denn singen kann der Mann mit seiner klaren, sonoren Stimme zweifellos - nur stand er im permanenten Windschatten der wuchtig abgemischten Saiten-Fraktion.
Er wirkt ein bisschen wie ein Schülersprecher oder Zivildienstleistender, wenn er in Jeans und T-Shirt, mit halblangem Haar und jugendlichem Gesicht die Bühne betritt. Doch man sollte nicht den Fehler machen, Franz Kasper in die Schublade der Harmlosigkeit zu stecken, denn die musikalische Bandbreite des 30-Jährigen ist beeindruckend. Mit seiner irgendwo zwischen Jazz, Rock, Folk und Pop angesiedelten Musik, die der Multi-Instrumentalist mal auf dem Keyboard, dann mit der Gitarre und der Mundharmonika spielt, brachte er das Publikum schnell auf seine Seite. Eingängig sind seine Lieder, jedoch auf eine angenehme und keineswegs langweilige oder vorhersehbare Weise. In Kombination mit seiner ausdrucksvollen Stimme, die so gar nicht zu seiner schmalen Statur passt, und intelligenten Texten sorgten Kasper und seine Band für gute Laune und entspannte Stimmung.
Auf Umwegen von Schrammel-Pop nach Indie-Rock, von Post-Punk bis Off-Beat, so bezeichnet Friedemann Weise seine Musik. Und manchmal schien er sich zu fragen, ob das c / o pop-Publikum für diesen bunten Mix bereit war. „Hier gibt's keinen Drumcomputer, hier ist alles live, sorry“, sagte er denn auch gleich zu Beginn. Sich selbst attestiert Weise, wie Jack Johnson auf Hartz IV zu klingen. Auf der Bühne erinnert der Singer-Songwriter mit seinen fahrigen Bewegungen zuweilen an Adam Green, obwohl er mit seinen Dreadlocks rein äußerlich so gar nichts mit dem Amerikaner gemeinsam hat. Seine deutschen Songtexte schreibt er selbst, und er singt, wovon man eben singt: der Liebe, den Frauen und allem, was das Leben sonst noch so zu bieten hat.
Die Liste der Bands, von denen sich das Duo Coma musikalisch beeinflusst fühlt, ist lang und vereint höchst unterschiedliche Namen: Radiohead, Smashing Pumpkins, Blur, Franz Ferdinand und Moloko. Dennoch macht Coma sein ganz eigenes Ding. Georg Conrad und Marius Bubat mischen Synthiemusik, Hip-Hop-Beats und Gitarrenklänge - und überzeugen so ihre Zuhörer. Ihre Songs sind trotz Elektroklängen nicht futuristisch-kalt, ihre Melodien vermitteln Stimmungen zwischen alltagsgrau und sonntagsblau. Mit Koma hat das Ganze glücklicherweise am allerwenigsten zu tun.
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