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Schäfer sind mit Nerven am Ende

Von HARALD KNOOP, 31.08.07, 07:18h

Oberbergischer Kreis - Die Blauzungenkrankheit zieht weiter: Inzwischen wurde die Seuche schon bei über 600 Tieren festgestellt. NRW-Minister Uhlenberg will sich nun in Wiehl ein Bild von der Lage machen.

Oberbergischer Kreis - Über 600 Tiere krank, 181 bereits verendet - die Blauzungenkrankheit grassiert vor allem in Oberbergs Schafherden. Neben dem Sauerland gehört Oberberg zu den am stärksten betroffenen Kreisen im Land. Für hauptberufliche Schafhalter geht es um wie Existenz. Am Samstag will sich NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg in Wiehl ein Bild von der Lage machen.

Die Zahl der erkrankten Tiere hat explosionsartig zugenommen. Bis gestern waren 476 Schafe 127 Rindern und eine Ziege infiziert. Regionale Schwerpunkte gibt es nicht mehr, „der ganze Kreis ist betroffen“, sagt Dr. Stefan Kohler, „die Lage ist dramatisch.“

Tränen in den Augen

Der Massenanfall erkrankter und verendeter Tier ist nur schwer zu bewältigen. „Die Schäfer sind mit den Nerven am Ende“, hat Harald Göring aus Wiehl, der selbst 30 Jahre Schafhalter war, an Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer geschrieben. Die Situation belaste die Familien enorm: „Mit Tränen in den Augen müssen sie täglich erleben, wie ihre geliebten Tiere verenden.“ Muttertiere seien nach der Geburt so geschwächt, dass sie ihre Lämmer nicht trockenlecken könnten, „die Lämmer müssen mit der Flasche aufgezogen werden“.

Um die nur von Mücken übertragene und für Menschen ungefährliche Krankheit festzustellen, muss den Verdachtstieren eine Blutprobe entnommen werden. Die Aufgabe hat der Kreis an Tierärzte übergeben. Für den Transport ins Labor sorgt der Kreis. Alle zwei bis drei Tage fährt ein Kurier zum Untersuchungsamt Krefeld.

Entschädigt werden die Schafhalter nur für tote Tiere. Den Schaden durch geschwächte, abgemagerte Tiere oder Fehlgeburten, müssen sie selber tragen. Überdies gelten in ganz NRW derzeit starke Handelsbeschränkungen. Die Krankheit gefährdet massiv die Zucht, die Herden sind in ihrem Bestand gefährdet.

Ein harter und möglichst langer Winter könnte die Infektionskette unterbrechen. Aber darauf hatten Schafhalter und Behörden schon im vergangenen Jahr vergeblich gehofft. „Nur Impfen würde wirklich helfen“, sagt Kreisdezernent Dr. Christian Dickschen. Aber bislang gibt es weder einen Impfstoff noch die Bereitschaft der nicht betroffenen Länder, sich einer bundesweiten Impfaktion anzuschließen.



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