Von DENNIS VLAMINCK, 03.09.07, 22:35h
Elsdorf - Er ist etwa handtellergroß und sieht aus wie ein kleiner Hummer: Astacus astacus, so der lateinische Name des Tieres, ist ein Edelkrebs, der früher als Arme-Leute-Essen galt, weil er in heimischen Seen und Flüssen in großen Mengen vorkam. Doch im Jahr 1890 kam das Unheil über die Flusskrebse. Ein Sportfischer setzte den deutlich kleineren amerikanischen Kamberkrebs versuchsweise in die Oder ein, ohne zu wissen, dass der Krebs eine Pilzerkrankung übertrug, die für heimische Krebse tödlich ist. Noch vor Ende des 19. Jahrhunderts waren fast alle Edelkrebsbestände in Mitteleuropa ausgelöscht.
Ideale Bedingungen
An der Sophienhöhe bei Elsdorf soll nun ein Versuch gestartet werden, den Edelkrebs wieder anzusiedeln. „Hier gibt es ideale Bedingungen“, sagt Ulf Dworschak, der als Biologe in der Forschungsstelle Rekultivierung bei RWE Power arbeitet. Während es als unmöglich gilt, Edelkrebse in mit der Krebspest verseuchten Flüssen anzusiedeln, biete das Rekultivierungsgebiet isolierte Biotope, weit weg von Wanderwegen. „Hier können wir Populationen erhalten, ohne Sorge zu haben, dass Leute ihre nicht mehr erwünschten Aquarientiere in das Wasser entsorgen.“
Begleitet wird die Wiederansiedlung vom „Edelkrebsprojekt NRW“ mit Sitz in Bad Münstereifel. Im Auftrag des Landesprojektes untersuchte Ralph Persé, Tauchlehrer aus Rommerskirchen, mehrere Gewässer an der Sophienhöhe. Ausgewählt wurde schließlich nur ein See. „Er bietet gute Verstecke“, sagte Persé. Eventuell müssten noch ein paar Steine im See versenkt werden. Wichtig sei auch, dass keine Kamberkrebse im Wasser zu finden waren. „Dann wäre der See sofort als Standort ausgeschieden.“ Ob noch weitere Gewässer an der Sophienhöhe hinzukommen, ist laut Dworschak noch unklar. „Wir müssen ja auch eine Art Nachsorge betreiben und kontrollieren, wie es um den Bestand steht“, sagt Dworschak. Die größte Gefahr für die Krebse sieht der Biologe in Menschen, die ihre Tiere in freier Wildbahn aussetzen. „Zu viele Leute glauben, dass sie ihren Tieren etwas Gutes tun und pfuschen dabei in der Natur herum.“
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