Von TOBIAS CHRIST, 04.09.07, 18:53h, aktualisiert 04.09.07, 18:56h
LEUTE AN
RHEIN UND ERFT
Wänden steht, steigt der gelernte Koch in seinen Wagen und fährt zur Arbeit in fremde Wohnungen.
Schon lange habe er sich selbstständig machen wollen, sagt Gerharts. Ein eigenes Restaurant war ihm allerdings eine Nummer zu groß: „Das kostet einen Batzen Geld und ist mit großer Verantwortung verbunden.“ Schließlich kam der gebürtige Wesselinger auf die Idee, seine Brötchen als Mietkoch zu verdienen. Die Vorteile: Die Investitionskosten halten sich in Grenzen, und die Konkurrenz ist noch überschaubar. „Denn das ist ein relativ neuer Trend“, erklärt Gerharts. Allerdings steigen auch im Rhein-Erft-Kreis immer mehr Köche auf den Zug auf: Mietköche gibt es mittlerweile auch in Erftstadt, Hürth oder Frechen. Dennoch ist Gerharts zunehmend gefragt: Derzeit steht er im Schnitt achtmal pro Monat in fremden Küchen. „Die Leute schätzen es, zu Gast bei sich zu Hause zu sein“, sagt Gerharts, der sich mittlerweile einen Namen unter seinen Mietern gemacht hat: Von den Nutzern des Internet-Verzeichnisses mietkoch.tv wurde er sowohl im August als auch im September zum „beliebtesten Mietkoch“ gewählt. Auf dem Portal sind immerhin 135 Mietköche registriert.
Romantische Candlelight-Dinner hat er ebenso im Repertoire wie große Geschäftsessen oder Geburtstagsfeiern. Die kulinarische Bandbreite reicht von Fingerfood bis zur französischen Haute Cuisine. Wenn es gewünscht wird, sorgt Gerharts auch für die passenden Getränke und Geschirr. Selbst einen Pianisten und einen Barkeeper kann er auf Wunsch organisieren. Soll auch der Service gehobenerem Niveau entsprechen, bringt Gerharts einfach seine Frau Miriam mit zur Arbeit: Die gelernte Hotelfachfrau sorgt dann dafür, dass Getränke und Essen zur Stelle sind. Ansonsten übernimmt der Mietkoch diese Aufgabe eben selbst: „Stress bringt auch dieser Job mit sich“, stellt er klar.
Zum Kochen bringt Gerharts, der selbst am liebsten mediterran isst, allerdings immer sein eigenes Arbeitsgerät mit. Was er vor Ort benutzt, ist nur der Herd. Gerharts liebt es, „ganz nah mit den Gästen zu arbeiten.“ Nicht selten stehen viele Gäste um ihn herum und lassen sich die Kniffe des gehobenen Kochens zeigen.
Die neue Nähe zum Gast fordert dem Koch aber auch viel Menschenkenntnis ab. Immer wieder muss er sich auf neue Gegebenheiten einstellen: „Man hat ständig andere Räume und andere Gäste.“ Aus der Bahn werfen dürfte den werdenden Vater allerdings so schnell nichts mehr. Als er 1999 als Angestellter des Kölner Renaissance-Hotels für Boris Jelzin den Kochlöffel schwang, stand Gerharts unter strenger Beobachtung der düsteren Entourage des G-8-Gipfel-Gasts: „Da standen ständig fünf bis sieben Sicherheitsleute mit Maschinengewehren und Hunden in der Küche“, erinnert sich Gerharts: „Das war schon ein bisschen unheimlich.“ Dafür war der Gast aus Moskau recht anspruchslos: Jelzin bestellte Bockwurst und belegte Baguettes und war offenbar zufrieden. Vom Maschinengewehr wurde jedenfalls kein Gebrauch gemacht.
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