Erstellt 25.08.07, 16:27h, aktualisiert 26.08.07, 16:51h
Der in Köln lebende Gerhard Richter (75) ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Das von ihm gestaltete 113 Quadratmeter große Domfenster besteht aus vielen tausend kleinen, bunten Quadraten und schafft eine flirrende Farbigkeit. Richter hat dafür etwa 80 Farbtöne ausgewählt, die bereits in den bestehenden und teils aus dem Mittelalter stammenden Fenstern des Doms vorkommen. Der Künstler, dessen Gemälde weltweit Spitzenpreise erzielen, arbeitete kostenlos für den Dom.
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Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sagte vor der Enthüllung bei einer Pressekonferenz: "Das Fenster ist strahlend, hell-leuchtend und von fast überirdischem Glanz." Gleichzeitig sehe es so aus, als sei es immer schon da gewesen. Niemand habe es bislang als Fremdkörper empfunden.
Richter, der Ehrenbürger der Stadt ist, zeigte sich zufrieden mit der von viel Zustimmung begleiteten Arbeit. "Ich bin ein bisschen überwältigt - das passiert einem ja nicht immer."
Die Kosten für die Herstellung in Höhe von 370 000 Euro wurden vollständig durch Spenden aufgebracht. Die Geldgeber waren am Samstag zum Festgottesdienst eingeladen. Das bunte Fenster im südlichen Querhaus der größten gotischen Kathedrale Deutschlands ersetzt eine an der gleichen Stelle nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzte und als zu hell empfundene Verglasung. Ursprünglich waren als Thema für das neue Fenster Märtyrer des 20. Jahrhunderts vorgegeben, der Plan wurde jedoch fallengelassen.
Das in unmittelbarer Nähe zum Kölner Dom gelegene Museum Ludwig zeigt bis zum 13. Januar eine kleine Schau mit etwa 20 Studien von Gerhard Richter über das Fenster. Präsentiert werden auch sein Bild "4096 Farben" aus dem Jahr 1974, auf das die ersten Entwürfe für das neue Domfenster zurückgehen, sowie eine gerade fertiggestellte Arbeit zu dem Thema.
Gerhard Richter sorgte mit seiner Einschätzung für Gelächter unter den zahlreichen Journalisten. Er habe festgestellt, dass das Fenster, das er für den Dom entworfen hat, "zuerst einmal nicht misslungen" sei, sagte der Künstler. Und ließ sich dann doch das Eingeständnis entlocken, dass er "ein bisschen überwältigt" sei. Das ging den meisten der Besucher so, die am Samstagmorgen zur feierlichen Einweihung des Kunstwerks in den Dom gekommen waren. Die Sonne ließ die rund 11 200 Quadrate leuchten, für die Richter insgesamt 72 Farben ausgewählt und nach einem Zufallsprogramm angeordnet hatte. Das Fenster sei "strahlend, hell leuchtend und von fast überirdischem Glanz", zeigte sich Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner begeistert. Oberbürgermeister Fritz Schramma sprach von einem "Glanzstück für den Dom und die Stadt". Und Künstlerseelsorger Josef Sauerborn sagte in seiner Predigt: "In seiner überwältigenden Farbenfülle ist es selbst eine Symphonie des Lichts, in der alle Farben des Doms erklingen." Auch die Resonanz unter den mehreren tausend Gästen, darunter viele, die für das 370 000 Euro teure Fenster gespendet hatten, war überwiegend positiv.
"Wunderbar, schöner als ich es mir vorgestellt hatte", schwärmte Christoph Baum aus Köln. "Die Farbkomposition harmoniert sehr gut mit den anderen Fenstern im Dom", fand eine Besucherin. Und Designerin Eva Rusch begrüßte, "dass die Kirche den Mut hatte, solch ein modernes Fenster einbauen zu lassen". Stimmen wie die des Arztes Axel Braun, der das Fenster nur "bunt und banal" fand, waren die Ausnahme. Ein Höhepunkt der Feierstunde war für viele Teilnehmer die Orgelkomposition "Lux et Color" von Domorganist Winfried Bönig, die dieser eigens für die Einweihung komponiert hatte.
(eb/dpa)
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