Von RÜDIGER HEIMLICH, 09.09.07, 22:00h, aktualisiert 10.09.07, 10:21h
Dass eine Talkshow-Moderatorin Gefahr läuft, über dummes Geschwätz zu stolpern - das gehört gleichsam zum Berufsrisiko. Eva Herman verplaudert sich nicht mal eben. Die langjährige „Tagesschau“-Sprecherin kennt das Gewicht des gesprochenen Worts, und so können ihre jüngsten Äußerungen wohl kaum als Ausrutscher gewertet werden.
Bei der Vorstellung ihres neuen Buchs „Das Prinzip Arche Noah - warum wir die Familie retten müssen“ hatte Herman in der vergangenen Woche den Umgang der Nationalsozialisten mit Werten wie „Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt“ als „das, was gut war“ bezeichnet. „Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden“, so Herman, seien „anschließend durch die 68er abgeschafft worden“.
Da die nationalsozialistische „Familienförderung“ einige Millionen Familien - Väter, Mütter, Kinder - in Gasöfen, Bombenhagel und unendliches Leid geführt hat, fehlt den Rundfunkgremien jedes Verständnis für Hermans Äußerungen. Der NDR trennte sich gestern „mit sofortiger Wirkung“ von ihr. NDR-Programmdirektor Volker Herres erklärte, Hermans schriftstellerische Tätigkeit sei „nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als TV-Moderatorin und Talk-Gastgeberin“.
Die freie Mitarbeiterin protestierte ihrerseits. Es sei „völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen“. Der NDR ließ allerdings wissen, dass ihre Äußerungen „nicht der erste Vorfall dieser Art“ sei. Herman habe einen Auftritt bei einer Unterorganisation der rechtspopulistischen FPÖ erst nach Intervention des Senders abgesagt. Die Journalistin erklärte, sie habe nicht gewusst, wer hinter der Einladung steckte.
Eva Herman (48) arbeitete seit 1988 als „Tagesschau“-Sprecherin und Moderatorin von Talkshows, Quiz- oder Musiksendungen für den NDR. Nach einer Emnid-Umfrage war sie 2003 die beliebteste Nachrichten-Moderatorin Deutschlands. „Meine Leidenschaft ist das Talken“, erklärt die gelernte Hotelkauffrau, die beim Bayerischen Rundfunk eine journalistische Ausbildung erhielt.
Im August 2006 hielt es die ARD allerdings für angemessen, dass Frau Herman ihre Arbeit als „Tagesschau“-Sprecherin ruhen lasse. Inzwischen hatte sie sich mit ihren Büchern selbst zum Mittelpunkt der Debatte gemacht und gefährdete als Meinungsmacherin die Neutralität der Nachrichtensendung. In Büchern wie „Das Eva Prinzip“ erklärte sie die Emanzipation für gescheitert; Frauen seien mit Beruf und Karriere überfordert, sie sollten sich auf ihre traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen. Viele Fehlentwicklungen der Gesellschaft rührten daher, dass berufstätige Frauen ihre Kinder entweder sich selbst oder Kinderkrippen überließen.
Dass ihr Plädoyer „für eine neue Weiblichkeit“ den Widerspruch der Feuilletons mobilisierte, kam dem Absatz ihrer Bücher zugute. Herman weiß sich in Szene zu setzen und die Medien mit kühl kalkulierter Provokation zu bedienen. Dass ihr eigener Lebenslauf - die Mutter eines Sohns ist zum vierten Mal verheiratet und berufstätig - nur schwer in Einklang mit ihren Empfehlungen zu bringen ist, nutzt sie in ihrer Rolle als Geläuterte. Ein Platz in den Talkshows bleibt ihr sicher.
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