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Preis für Sprachschrott geht an KVB

Von KATJA DECHER, 09.09.07, 22:47h, aktualisiert 11.09.07, 16:44h

Von „News & Service“ bis zu „Fahrplan & More“: Die KVB darf sich über einen ganz besonderen Negativpreis freuen. Der „Sprach-Tünnes“ will auf unsinnige Verwendungen von Anglizismen hinweisen.

Der „Sprach-Tünnes“ will auf unsinnige Verwendungen von Anglizismen hinweisen.

„Undertaker loves overtaker“ - dieser Spruch, der wohl so viel heißen sollte wie: „Leichenbestatter lieben Übersteiger“ war im Jahr 2003 auf Warnschildern der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zu lesen. Nach dem Unfalltod einer jungen Frau, die am Rudolfplatz über die Kupplung zwischen zwei Straßenbahnwaggons steigen wollte und von der anfahrenden Bahn zerquetscht worden war, sollte dieser Hinweis weitere Vorfälle dieser Art verhindern.

Da er aber nicht nur makaber, sondern auch unverständlich war - das Wort „overtaker“ existiert im Englischen gar nicht -, distanzierten sich die KVB schnell wieder davon. Trotzdem ist diese Meisterleistung in der Aneignung der englischen Sprache mit ein Grund für den Ehrentitel, den der „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) den KVB am Wochenende verliehen hat. „Sprach-Tünnes des Jahres“ darf sich das Unternehmen nun nennen - wegen der Produktion von „extraordinärem Cologne Sprach-Schrott“, wie es auf der Urkunde des VDS zu lesen ist. Der „Sprach-Tünnes“ ist ein Negativpreis, mit dessen Vergabe der VDS seit Jahren gegen die Vermischung von deutscher und englischer Sprache protestiert. „Dabei kommen oft Ausdrücke heraus, die es im Englischen gar nicht gibt“, erklärte VDS-Regionalleiter Dietmar Kinder. „Die KVB haben wir schon mehrmals auf ihre unsinnige Verwendung von Anglizismen hingewiesen.“

So biete das Unternehmen seinen Kunden „News & Service“ für den „Fahrplan & More“, weise auf ihr „Park & Ride-Home“, das „Köln Event“ und die „Walking Days 2007“ hin und verkünde Fahrgästen an der Endstation, dass sie nun an der „Final destination“ angekommen sind. Mitgeehrt fühlen soll sich aber auch der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), Partnerbetrieb der KVB, da er maßgeblich zur Entstehung des Werbespruchs „Ferien-fun durchs ganze VRS-country am weekend“ beigetragen hat. Der VDS plädiere für den Erhalt verschiedener Sprachen, sagte Kinder. Aber die unkritische Übernahme von oft falschen, englischen Ausdrücken ins Deutsche, „dünne die deutsche Sprache aus“. Verkündet hatte der VDS den Preisträger am Samstag an einem Info-Stand auf der Schildergasse. Das fand nicht nur bei deutschen Muttersprachlern, sondern auch bei Migranten Interesse, berichtete Kinder: „Ein aus Armenien stammender Mann beschwerte sich, dass seine Kinder hier wegen des Sprachmischmasches kein gutes Deutsch lernen könnten.“

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