Von SUSANNE HENGESBACH, 13.09.07, 20:55h
Als erstes fällt das Zarte ins Auge. Ganz besonders bei dem Modell „Gespinst“, einem schlichten weißen Leinenhemd mit einer spinnwebartigen Applikation im Vorderbereich. Sie steht sinnbildlich für die Lebenslinien eines Menschen, sagt Afra Banach, die sich seit der Beendigung ihres Studiums an der Pforzheimer Fachhochschule für Modedesign mit dem Thema „Leichenhemden“ beschäftigt. Im Zuge ihrer Diplomarbeit beschäftigte sich die Designerin ausführlich mit Symbolik und Tradition von Totenkleidung und fand zudem heraus, dass sich Bestattungswäsche hierzulande seit den 50er Jahren praktisch nicht verändert hat. Nicht nur die im Rücken offenen, handelsüblichen Leichenhemden missfielen ihr; auch die Tatsache, dass man Verstorbene so wenig zeitgemäß kleidet - und vor allem so gar nicht individuell.
Daraufhin entwarf Afra Banach ganz bewusst „Lebendkleidung“ in schlichter Schönheit. Ihre Leichenhemden bestehen aus hochwertigen Naturmaterialien wie Seide, Wollfilz oder Leinen; vorschriftsmäßig sowohl verbrennungs- als auch verrottungsgeeignet. Auf ein weißes Leinenhemd hat sie ganz vorsichtig getrocknete Blütenblätter aufgenäht - Rosen, Tulpen und Lilien - und somit den alten Brauch, die Toten mit Blumen zu schmücken, wieder aufgegriffen. So verschieden die Entwürfe auch sein mögen, so sehr haben sie doch eines gemeinsam: Sie werden der Würde des Toten gerecht. Inzwischen, so die Künstlerin, häuft sich die Zahl derer, die sich bereits zu Lebzeiten Gedanken über eine individuelle Gestaltung ihres Totenkleides Gedanken machen und dieses nach ihren persönlichen Wünschen gestalten lassen.
Die Ausstellung „Das letzte Hemd“ ist am heutigen Freitag noch in der Kirche Maria Magdalena am Melatenfriedhof zu sehen. Samstagmorgen wird sie im Rahmen des 7. Tags des Friedhofs in den Rheinpark verlegt. Dort sind bis Sonntagabend auch außergewöhnliche Arbeiten des Floristikmeisters Thorsten Schiefer zu sehen sowie Beispiele innovativer Sarggestaltung aus der Werkstatt des Kölner Tischlermeisters Björn Ruland.
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