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Ein strahlender Hauptgewinn für die Architektur

Von CHRISTIAN HÜMMELER, 13.09.07, 22:20h

Peter Zumthor stellt sein Bauwerk ganz in den Dienst der Kunst.

BILD: MAX GRÖNERT
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Die neubaufrische Fassade des Museums Kolumba mit den integrierten Bauspuren aus Mittelalter und Nachkriegszeit.
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Die neubaufrische Fassade des Museums Kolumba mit den integrierten Bauspuren aus Mittelalter und Nachkriegszeit.
Peter Zumthor stellt sein Bauwerk ganz in den Dienst der Kunst.

Manchmal entsteht Großes gerade dann, wenn sich starke Kräfte reiben. Dass ein anderer Bauherr, ein anderer Geldgeber, ein anderer Architekt die Arbeit an einem in jeder Hinsicht hochkomplexen Projekt wie Kolumba längst hingeworfen hätte, ist so unwahrscheinlich nicht. Mindestens aber mit jenen Kompromissen hätte man rechnen müssen, die normalerweise die Aussage eines Baus in die eine oder andere Richtung entscheidend schmälern. Natürlich ist es nicht so, dass sich das Erzbistum Köln, der so renommierte wie für seinen Dickkopf bekannte Schweizer Architekt Peter Zumthor und das ebenfalls mit sehr festen Vorstellungen ausgestattete Team des Kunstmuseums im Verlauf der mehr als zehnjährigen Planungs- und Bauzeit nicht auch intensiv gestritten hätten. Doch fanden sie immer wieder zusammen - zum Glück, denn das Ergebnis dieses so langwierigen wie konstruktiven Ringens ist ein weit über Köln hinaus strahlender, architektonischer Hauptgewinn. Und ein Schatzhaus, dessen Baumeister das Kunststück gelungen ist, seine durchaus auf Wirkung bedachte Architektursprache ganz in den Dienst der gezeigten Werke zu stellen.

Und dennoch spürt und fühlt der Besucher des Hauses, dass hier ein Architekt am Werk war, der es wie kaum ein anderer versteht, Stimmungen zu erzeugen und Raumwirkungen zu inszenieren. Das gelingt auf ganz unterschiedliche Weise: Einmal durch extreme Hingabe für das Detail, im Ergebnis zu bewundern etwa an den hölzernen, auf filigranen Stützen gelagerten Handläufen in den Treppenhäusern. Aber auch durch Reduktion der verwandten Formen - so gibt es etwa in den Ausstellungsräumen nur drei verschiedene Lampentypen, alle in jahrelangen Studien eigens für das Haus entwickelt. Zum anderen aber, und hier zeigt Zumthor seine ganze Meisterschaft, durch die Führung der Besucher durch die Raumfolge des Hauses, dessen Außenansicht mit den wenigen großformatigen, wie Bilder auf die Backsteinhaut aufgesetzten Fenstern, kaum Rückschlüsse auf die innere Organisation zulässt.

Und so steht man, kaum sind der schmale Eingang und der kleine Empfangsraum passiert, im Foyer - und ganz schnell wieder draußen. Das Foyer nämlich öffnet sich mit weiter Glasfront zu einem hochgradig anziehenden Innenhof: Baumbestanden, kiesbedeckt und mit wenigen Stühlen versehen, zieht er den Besucher fast automatisch ins Freie. Am Ort des einstigen Kolumbakirchhofs ist ein Kleinod entstanden, umgeben von einer Mauer aus geschichteten Stampfbeton - ein schöner Verweis auf die parallel zum Museumsbau entstandene Feldkapelle, die Zumthor in eben jener Bauweise im Eifelort Mechernich errichtete.

Ist dieser Hof noch eindeutig ein Außenraum, fällt wenige Schritte weiter die klare Zuordnung schwer: Mit mehr als großzügiger Geste hat Zumthor die Überreste der einstigen Kirche Sankt Kolumba überdacht - und gleichzeitig dem achteckigen Kapellenbau Gottfried Böhms eine höchst würdige Bühne gegeben. 13 wunderbar schlanke Betonsäulen, sorgsam in die archäologischen Ausgrabungen platziert, tragen das Dach - die Wände bestehen oberhalb der integrierten historischen Außenmauern des Kirchenbaus zu großen Teilen aus sogenanntem Filtermauerwerk: Hier lassen regelmäßige Löcher in der aus dem eigens für Kolumba entwickelten und hergestellten hellen Backstein Licht und Luftzug in den Bau. Was, in Zusammenklang mit den ebenfalls gefilterten, aber doch deutlichen Außengeräuschen die Trennung zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen lässt.

In strengem Kontrast zu dieser Raumschöpfung, die immerhin den allergrößten Teil des einstigen Kirchenraums umfasst und ihn, sieht man von einer akustischen Installation ab, bewusst nicht museal nutzt, stehen die intimen Räume der ersten Etage - darunter ein schmales, äußerlich schon durch äußerst niedrige Türen als solches gekennzeichnetes Kabinett. Tageslicht gibt es hier nicht - schon gar nicht in der dunklen „Schatzkammer“ im ersten Obergeschoss des einstigen Kolumba-Kirchturms. Hier ist strenges Schwarz die vorherrschende Farbe an Wand, Decke, Boden - nichts soll von der Betrachtung der in diesem Raum gezeigten, zumeist liturgischen Kunstwerke ablenken.

Umso wirkungsvoller dann der Paukenschlag, mit dem sich im zweiten Obergeschoss das erste Fenster deckenhoch öffnet - augenscheinlich rahmenlos, nur eine vertikale Querstrebe erinnert an den außen vorgesetzten Rahmen. Wie die Abfolge der Räume, so ist auch die Fensterfolge wirkungsvoll gestaffelt: Erst das zweite Fenster ermöglicht den Blick auf den Dom, ein weiteres zeigt die Oper, schließlich das benachbarte Dischhaus. Das Obergeschoss will sich, anders als die Zwischenetage, keineswegs abschotten - Zumthor spielt hier ganz bewusst mit dem Tageslicht. Und verleiht etwa drei besonders hohen Räumen, in denen das Licht nur durch Milchglas gefiltert eintritt, schon dadurch eine ganz spezielle, sakrale Atmosphäre.

Etwas aus der Raumabfolge fällt das „Lesezimmer“ auf gleicher Etage, dennoch ist es einer der schönsten Plätze im neuen Haus: Wandhoch mit Mahagoni getäfelt, das Mobiliar vom Architekten entworfen, bietet der Raum den Luxus einer speziellen Ruhezone in einem sowieso schon ruhigen Haus. Das, ganz gegen den Trend im Museumswesen, auf Gastronomie verzichtet - und auch der sonst unverzichtbare „Museumsshop“ fehlt. Auch hier gilt also wieder: keine Kompromisse, auf keinen Fall. Schließlich will man, so Peter Zumthor gestern, „der Gegenentwurf zum Bilbao-Effekt“ sein. Nicht, dass man keine Besucher will - nur solle das Haus kein Selbstzweck sein und schon gar kein Stadtmarketing sein. „Hier geht es ausschließlich um die Kunst.“



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