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„Der FC ist ein Weltverein“

Erstellt 14.09.07, 20:31h, aktualisiert 14.09.07, 22:52h

Am Sonntag kehrt Bruno Labbadia nach Köln zurück, als Trainer von Greuther Fürth. Der Ex-Stürmer über seine aktive Zeit, die schwierige Arbeit in der Zweiten Liga und seinen damaligen Abgang beim 1.FC Köln.

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Der Ex-Stürmer spricht im Interview mit Frank Nägele über den 1. FC Köln.
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Der Ex-Stürmer spricht im Interview mit Frank Nägele über den 1. FC Köln.
Der Ex-Stürmer über seine aktive Zeit, die schwierige Arbeit in der Zweiten Liga und seinen damaligen Abgang beim 1. FC Köln. KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Labbadia, den Spieler Bruno Labbadia kennen fast alle. Wie können wir uns den Trainer vorstellen?

BRUNO LABBADIA: Wenige Interessierte nehmen mich als Trainer erst jetzt wahr, weil ich in der Zweiten Liga arbeite. Aber in Darmstadt war es ja schon so, dass ich quasi unter Profibedingungen trainiert habe. Dass ich ein bekannter Profi war, ist ein kleiner Vorteil. Man hat erst mal eine gewisse Akzeptanz bei den Spielern. Allerdings merken sie sehr schnell: Hat er was als Trainer drauf oder hat er es nicht.

Als Spieler waren Sie sehr emotional. Sind Sie deshalb ein „moderner“ Trainer, der auf Disziplin und Taktik achtet ?

LABBADIA: Das ist ein Thema, zu dem ich selbst schwer etwas sagen kann. Ich bin Trainer geworden, um meine Erfahrungen im Fußball auf eine Mannschaft zu übertragen. Das ist mein Antrieb. Natürlich ist es wichtig, dass man seine persönliche Philosophie des Spiels lehren kann. Aber ich möchte mich nicht festlegen, ob ich modern oder unmodern bin. Das müssen andere entscheiden.

Können Sie dann etwas zu Ihrer Philosophie sagen?

LABBADIA: Mein Bild vom Fußball ist durch eine offensive und aggressive Ausrichtung geprägt. Wir wollen agieren. Die Menschen, die bei uns ins Stadion kommen, sollen merken, dass es der Mannschaft Spaß macht, Fußball zu spielen.

Wir würden Sie mit einem impulsiven Profi wie dem ehemaligen Spieler Labbadia umgehen ?

LABBADIA: Die Kunst ist doch, dass ich als Trainer auf viele verschiedene Charaktere eingehen muss, um Erfolg zu haben. Willige und ehrgeizige Spieler hat man aber immer gerne im Kader. (lacht)

Sie sind in Fürth in die Fußstapfen von Benno Möhlmann getreten, der den Klub mehrere Jahre lang in der Spitzengruppe der Zweiten Liga hielt. Empfinden Sie das als schweres Erbe?

LABBADIA: Das war kein Problem. Die Übergabe war nahezu reibungslos. Benno und ich haben oft miteinander telefoniert. Da wir beide grundverschieden sind, gab es im Umfeld keine Probleme. Ich hatte ja auch gar keine Zeit, mir Gedanken zu machen. Wir haben 13 neue Spieler geholt, die ich vorher sichten musste. Gemeinsam mit Kaiserslautern haben wir die jüngste Mannschaft der Liga. Von daher habe ich weder nach links noch nach rechts geschaut, um mich auf meinen Job zu konzentrieren.

Die Spielvereinigung stand oft an der Schwelle zum Aufstieg und hat ihn dann doch verpasst. Würden Sie diese Enttäuschungen über Jahre mitmachen?

LABBADIA: Ich sehe das völlig anders. Was Fürth in den letzten Jahren abgeliefert hat, war keine Enttäuschung, sondern eher ein Wunder. Schauen Sie doch nur mal auf die Etats. Es gibt Klubs, die haben vier Mal so viel Geld wie wir. Wir haben mit Aue den niedrigsten Etat der Zweiten Liga. Vor dieser Saison haben wir 15 Spieler verloren, darunter eine gesamte Achse mit Kleine, Mijatovic, Timm und Fuchs. Diese vier haben alleine 32 Tore in der letzten Saison geschossen. Und das Schlimmste war, dass wir null Ablöse bekommen haben für diese Spieler. Jetzt stehen wir vor einem großen Umbruch, denn eine Spielvereinigung Greuther Fürth bekommt keine gestanden Spieler. Das heißt, dass wir verstärkt auf junge Spieler zurückgreifen müssen.

Am Sonntag kehren Sie nach Köln zurück, wo sie einst Kapitän waren. Welche Erinnerungen und Gedanken begleiten Sie dabei?

LABBADIA: Es ist ganz klar: Der 1. FC Köln ist einer der intensivsten und einer der schwierigsten Vereine, die es in Deutschland gibt. Hier verbinden sich unglaubliche Emotionen mit einem ungeheuren Druck. Man kann dort sehr schnell auf Händen getragen, aber auch genauso schnell wieder fallen gelassen werden.

Viele Fans am Geißbockheim sprechen heute noch in positiver Erinnerung vom Stürmer Labbadia. Allerdings ist der Abgang in schlechter Erinnerung geblieben . . .

LABBADIA: Warum das so gekommen ist, weiß ich bis heute nicht. Wir haben damals eine gute Saison gespielt, und ich bin Nationalspieler geworden. Alles hat aber damit begonnen, dass Borussia Dortmund mich haben wollte. Das wurde mir anscheinend übel genommen. Das Schlimme war, dass ich das Angebot abgelehnt habe. Nach meiner Verletzung bin ich dann aber doch gewechselt, nach Bremen.

Sie sprechen nicht gern darüber . . .

LABBADIA: Das stimmt. Um die Geschichte in Gänze zu erklären, bräuchte ich Tage. Und jetzt bin ich eben Trainer. Meine Spielerkarriere ist abgehakt.

Kommen Sie durch den guten Start als Favorit nach Köln?

LABBADIA: Ganz klar nein. Der FC ist ein Weltverein und hat ganz andere Ambitionen. Wenn man die Fakten miteinender vergleicht, dann sind wir der David, der gegen Goliath antritt.

Wie muss man spielen gegen den Goliath Köln?

LABBADIA: Der FC hat sehr gute Einzelspieler, die sollte man gar nicht erst ins Spiel kommen lassen. Aber in erster Linie kümmern wir uns um uns selbst, denn wir wissen, was wir können und haben noch kein Spiel verloren.

Was für ein Ziel kann ein Klub wie Ihrer haben?

LABBADIA: Für uns hat es überhaupt keinen Sinn, ein Ziel auszugeben, deshalb haben wir auch keines benannt. Andere jammern schon, wenn sie vier oder fünf Spieler integrieren müssen. Bei uns stehen acht Neuzugänge in der Startformation. Andererseits machen wir uns nicht kleiner, als wir sind. Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Wir kommen auch nicht nach Köln mit dem Ziel, einen Punkt zu holen, sondern zu siegen.

Mit Bruno Labbadia sprachen Bastian Ebel und Frank Nägele



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