Erstellt 16.09.07, 19:56h
Pulheim - Sozialdemokratie und Großunternehmertum - das passt auf den ersten Blick kaum zusammen. Wenn jedoch Götz W. Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, an das Rednerpult tritt, ist ihm der Applaus von links gewiss. So auch in der Abtei Brauweiler, wohin die Rhein-Erft-SPD Werner lud, um seinen Ansichten über das bedingungslose Grundeinkommen zu lauschen. Werners Ideen von einer staatlichen Grundversorgung in Höhe von bis zu 1200 Euro sind die Sozialdemokraten schon seit längerem aufgeschlossen: Als erster von 350 Kreisverbänden wollen sie ein eigenes, sozialdemokratisches Modell dieser Zuwendung ohne jegliche Voraussetzungen entwickeln.
Die Grundversorgung mache nicht nur direkte und indirekte Sozialausgaben des Staats sowie Subventionen überflüssig, sondern schaffe auch eine größere Freiheit, so Werner: Das soziale Klima wird sich dramatisch ändern, wenn die Menschen nicht mehr arbeiten müssen, sondern wollen. Dass dann keiner mehr wolle, glaubt Werner nicht. Schließlich sei endlich jeder in der Lage, das zu tun, was seinem Leben Sinn gebe. Außerdem könne auch die Arbeit erledigt werden, die der Gesellschaft diene und die heute kaum bezahlt werden könne: Kinder aufziehen etwa oder alte Menschen pflegen. Wir werden in Zukunft immer mehr Sozialbehinderte haben - Menschen, die sich nicht in die Gesellschaft einbringen können, um die müssen wir uns kümmern.
Zur Finanzierung des flächendeckenden Geldsegens schlägt der Unternehmer die Einführung einer stark erhöhten Mehrwertsteuer vor, die in Werners Jargon Konsumsteuer heißt. Die Einkommenssteuer, die die Investition in Maschinen und damit den Abbau von Jobs fördere, gehöre abgeschafft.
Werner sieht aber auch Vorteile für seinesgleichen. Arbeitgeber brauchten ihren Mitarbeitern weder einen sicheren Arbeitsplatz noch das Einkommen in bisheriger Höhe zahlen. Eine erhebliche Dynamisierung des Menschen sei die Folge. Werner: Mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens kann ich meinen neoliberalen Verstand mit meinem sozialistischen Herz versöhnen. (cht)
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