Von ANJA KATZMARZIK, 23.09.07, 20:58h
Der Kunstraum aus Holz und Stahl des Vereins „Jack in the box e.V.“ gab 30 arbeitslosen Menschen ein Jahr Beschäftigung. Vereins-Vorsitzender Martin Schmittseifer nennt die Box zum Architektur-Festival „plan 07“ frech „Undu Hartz“. „Undu“, weil es im Fabrikat so heißt, „Hartz“ wegen der Arbeitslosigkeit. „Es liegt so viel Potenzial brach.“
In dem von der Arbeits-Gemeinschaft sowie der GAG unterstützten Kölner Projekt auf dem Gelände des Güterbahnhofs Ehrenfeld sind gelernte und ungelernte Handwerker, Ingenieure, Künstler und Menschen aus Kommunikations- und Sozialberufen kreativ, haben es mit ihren Ideen aber noch schwer: Container, in denen gelebt und gearbeitet wird und die dabei noch gut aussehen.
In London und Amsterdam sind sie selbstverständlicher Teil des Stadtbildes (und manchmal gar nicht mehr als Container zu erkennen), für Köln wird noch diskutiert: eine Jugendeinrichtung aus Stahl in Höhenberg, ein Mini-Appartement für Obdachlose oder stählerne, moderne Räume zur kurzfristigen Wohnnutzung während der Sanierung von Siedlungen. Schmittseifer: „Es gibt viele, die gerne in so einem innovativen Beschäftigungsförderungs-Projekt mitarbeiten würden.“
Vielleicht würde ein Trojanisches Pferd bei der Überzeugungsarbeit helfen. Daran erinnert zumindest die begehbare, abstrakte Skulptur am Kennedy-Ufer der Gruppe „St. Heribert trifft plan 07“. Neben einem echten Reiterstandbild gewährt der „Hingucker“ Ausblick auf die ehemalige Abtei St. Heribert. Hölzerne Steckenpferde erinnern an die Stallungen hier im 19. Jahrhundert und stehen Spalier für das Freiluft-Café „Kuchenplatte“ vor dem heutigen Caritas-Altenzentrum. Weiter führen sie in den römischen Gewölbekeller des ehemaligen Kastells. Die „Schatzkiste“ beleuchtet persönliche Erinnerungsstücke von Bewohnern und Erinnerungstexte dazu.
Agnes Schütz zeigt den Stuhl, in dem ihr Vater immer gesessen hat („Heute sitze ich jeden Tag darin.“); Margarete Inden die Madonna ihrer Großmutter; andere ein Stofftier, an dem sie hängen. Zwei Hochzeitsbilder von 1949 zeigen eine Trauung just in dem heutigen Altenheim, als es Notkapelle war. Dann das einzige Foto eines im Krieg verstorbenen Vaters. Merkwürdig vertrauliche Einblicke in fremde Leben.
Bekannter sind die Töne in den Spichernhöfen. Nervige Handytöne, Vogelgezwitscher, Kindergeschrei. In fünf Projekten haben Studierende der Köln International School of Design mit dem Projekt „klang raum garten“ von Frank Schulte den Stadtgarten gegenüber „vertont“. Eine „Klangkarte“ bringt bei einem Spaziergang mit der Computermaus über den Bildschirm die laute Eisenbahntrasse ebenso wie Jogger zu Gehör. Ein weiterer Vorschlag ist ein „Schwebender Audiograph“, der Ballons über den Bäumen je nach Lautstärkepegel leuchten lässt. Im „Synästhesia Park“ musizieren Bäume, „Corporate birds“ trällern Werbe-Melodien oder nehmen persönliche Botschaften auf, um sie dem nächsten Besucher vorzuspielen. - Schöne neue Stadtwelt? Das neueste Vogelgezwitscher aus dem Park als Klingelton ist technisch möglich. Doch die letzte Station zeigt, was der Mensch auch aus Umwelt macht. Steine, Gräser und Büsche unter einer Kuppel sind steril weiß getüncht. Mit synthetischem Vogelgesang und elektronischem Grillenzirpen. Und das ist zum Glück noch keine Realität.
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