Von ANA OSTRI´C, 24.09.07, 17:07h
„Motte“ lief außer Konkurrenz. Motte ist nicht etwa der Spitzname eines leichtfüßigen Langstreckenläufers. Nein, es handelt sich um eine Dackeldame, eine mit besonders kurzen Beinen dazu. Dennoch ging „Motte“ beim Kurtekottenlauf an den Start und bewältigte die Zehn-Kilometer-Strecke in 69 Minuten. In die Wertung kam damit aber nur Frauchen Donata Luncz; denn auch bei der vierten Auflage des Kurtekottentags, gemeinschaftlich organisiert vom Ski-Club und dem Ruder-, Tennis-, Hockeyclub (RTHC) Bayer Leverkusen, waren offiziell nur Zweibeiner zugelassen.
38. Woche
Donata Luncz, 32-jähriges Bayer-04-Mitglied, feierte am Sonntag indes doppelte Premiere. Nicht nur den Dackel ihrer Eltern nahm sie mit ins Rennen. Auch ihr noch ungeborenes Baby bestritt den Lauf in Mamas Bauch mit. Obwohl in der 38. Schwangerschaftswoche, fühlte sich die werdende Mutter pudelwohl: „Es war ein entspannter, schöner Lauf.“ 20 Minuten länger als sonst sei sie unterwegs gewesen, „und der Hund ist eine Sekunde vor mir durchs Ziel.“ Weil sie seit vielen Jahren an dem Lauf teilnimmt, habe sie auch dieses Mal nicht verzichten wollen. Ein Lob gab es deshalb an die Organisatoren, die nichts gegen die tierische Begleitung einzuwenden und für das Trio extra die Startnummer 300 besorgt hatten.
Seit 2004 findet der Lauf des Ski-Clubs am Kurtekotten statt. Zuvor gab es 40 Jahre lang den Scherfenbrandlauf. Viele Läufer sind der Veranstaltung treu geblieben und messen sich nun Jahr für Jahr an der Stadtgrenze zwischen Köln und Leverkusen. Dennoch ist der Kurtekottentag weit mehr als ein Sportwettkampf. Die Läufe starten früh am Morgen, so dass am Nachmittag noch reichlich Zeit für gemütliches Beisammensein am Kuchenbüfett bleibt.
Kinderprogramm
2,2 Kilometer für Schüler, fünf Kilometer für Jung und Alt sowie zehn Kilometer für Männer und Frauen - so sah das Laufprogramm aus. Aber auch Walker und Wanderer konnten auf die Strecke gehen, die vorbei an Reithof, Golfplatz und Segelfluganlage führte. 160 Teilnehmer haben am Sonntag mitgemacht, wesentlich weniger als im Vorjahr. „Das hängt mit dem Ferienbeginn zusammen“, vermutete Gunther Reissinger vom Ski-Club; außerdem habe am Vorabend der Citylauf in Wiesdorf stattgefunden. „Unser Lauf muss sich erst noch etablieren“, sagte der Mitorganisator - und das, obwohl er doch die Fortsetzung des bekannten Scherfenbrandlaufs ist. „Der war aber sehr läuferorientiert“, erklärte Reissinger. Am Kurtekotten sei man nun eher auf das Publikum ausgerichtet. Es boten sich in der Tat jede Menge Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder. Auf dem Bungee-Trampolin ging es hoch hinaus, beim Kindertennis zeigte ein Trainer den Kleinen den richtigen Umgang mit Filzball und Schläger, und beim Schminken kam ordentlich Farbe ins Gesicht. So verwandelte sich Maike Pilgram in einen Zombie. Die Zehnjährige, Mitglied des Ski-Clubs, war am Morgen schon beim Schülerlauf angetreten und 2,2 Kilometer gerannt. Das sei recht anstrengend gewesen, aber das Laufen ist sie gewohnt: „ Wir joggen montags immer im Verein“.
Außerhalb der Skisaison halten sich die Skifahrer mit Laufen, Inlineskaten oder Radfahren fit. Letzteres sei schonender für die Gelenke, erklärte Wulf Schwerdtfeger. Der Mann muss es wissen. Denn mit seinen 80 Lenzen scheut er weder Zehn-Kilometer-Lauf noch den Leverkusener Halbmarathon. „Eine Stunde, 26 Minuten und ein bisschen“ brauchte er am Sonntag für den „Zehner“. 40 Kilometer weit tragen ihn seine Füße Woche für Woche, wenn er seine Joggingschuhe schnürt. „So lange es noch geht“, will er auch weitermachen. Und wenn die Pause zwischen den Starts zu 5000 und 10 000 Meter nicht so kurz gewesen wäre, hätte er auch beide Rennen mitgenommen. So wie früher am Scherfenbrand. Den kennt Donata Luncz auch noch. Für die werdende Mutter und passionierte Läuferin steht die Veranstaltung des Ski-Clubs fest in ihrem Terminplan. „Die Atmosphäre ist hier besonders schön“, erklärt sie den Reiz. Es gehe eben nicht nur um Zeiten und Siege. Deswegen will sie nächstes Jahr auch wiederkommen. Mit Nachwuchs. Einen Babyjogger hat sie schon.
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