Von ROLF SCHRAA, 24.09.07, 14:13h
Essen - Die katholische Kirche macht sich nach Meinung der Kirchenkritikerin Prof. Uta Ranke-Heinemann durch die strikte Geheimhaltung von Missbrauchsfällen in ihren Reihen mitschuldig. "Wer an die Öffentlichkeit geht, wird mit Lügenvorwürfen konfrontiert und exkommuniziert", sagte Ranke-Heinemann am Montag in Essen zu der öffentlichen Diskussion über den Missbrauchsskandal in Bayern der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Den Kindern hilft nie jemand."
Grundlage der Geheimhaltungspolitik sei ein Schreiben aus dem Jahr 2001 des damaligen Kardinals Ratzinger und heutigen Papstes Benedikt XVI. an alle Bischöfe. Die Kirche beanspruche darin die "exklusive Kompetenz" für die Aufklärung solcher Fälle. Schriftstücke staatlicher Behörden würden ungeöffnet zurückgeschickt. "Das behindert die Aufklärung auf Kosten der Opfer."
Den kirchlichen Zusicherungen, dass wegen Missbrauchs vorbestrafte Priester nur noch an Stellen ohne Kontakt zu Kindern eingesetzt würden, sei schon wegen das eklatanten Priestermangels wenig Glauben zu schenken, sagte Ranke-Heinemann. "Da findet sich immer ein Gutachter, der den Mann nach einiger Zeit für geheilt erklärt", sagte sie. Dann würden sie versetzt und machten genauso weiter - wie ja auch im bayrischen Fall. "Die Täter müssen viel konsequenter und in enger Zusammenarbeit mit dem Staat aus dem Verkehr gezogen werden."
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