Von AXEL HÖPNER, 30.09.07, 23:06h, aktualisiert 01.10.07, 08:27h
Das erkennen inzwischen auch immer mehr Firmen. Tausende Betriebe machen die Verlagerung von Produktion ins Ausland rückgängig und holen Beschäftigung nach Deutschland zurück. Nach Beobachtung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), das die Entwicklung seit Jahren beobachtet, macht jede vierte bis fünfte Firma die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland meist innerhalb der ersten beiden Jahre desillusioniert wieder rückgängig. Dabei geht es also nicht nur um Einzelfälle: Binnen zweier Jahren kehrten allein in der Metall- und Elektroindustrie 1200 Firmen zurück.
Unstrittig ist unter Experten, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen im Ausland weitergehen wird - und dass dadurch auch Jobs in Deutschland gesichert werden. Zum einen folgt die Produktion den Märkten. Wenn zum Beispiel China ein immer größerer Absatzmarkt wird, ist es irgendwann auch sinnvoll, dort eine eigene Produktion aufzubauen. Zudem rechnet es sich bei Fertigung mit einem hohen Lohnkostenanteil oft, anderswo zu produzieren. „Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ist global gesehen etwas ganz Selbstverständliches und wird in den nächsten Jahren auch dauerhaft weitergehen“, sagt Christian Veith, Geschäftsführer bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting. Die Lohnkosten-Differenz zwischen Deutschland und den Niedriglohnländern werde sich so schnell auch nicht signifikant verringern. Und doch hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich die Verlagerung von Produktion ins Ausland eben nicht für jedes Unternehmen lohnt. „Das Verhältnis von Qualität zu Lohnkosten entwickelt sich oft negativ“, sagt Veith. Während die Löhne auch in den Niedriglohnländern nach oben gehen, gibt es nach wie vor oft Klagen zum Beispiel über schlechte Qualität, niedrige Produktivität und fehlende Rechtssicherheit. „Es gibt Beispiele, dass Leute mit Begeisterung nach Osteuropa gegangen sind und jetzt zurückkommen, weil sie feststellen, dass die Produktivität dort geringer ist“, sagt der frühere Bundespräsident Roman Herzog, der mit seinem Institut die bayerischen Arbeitgeber kritisch begleitet.
Bei Kosten verschätztHinzu kommt, dass der Standort Deutschland in den vergangenen Jahren - wohl auch angesichts des Drucks durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland - Fortschritte gemacht hat. Auch dank der Lohnzurückhaltung sowie der Reformen in den vergangenen Jahren seien die Lohnstückkosten rückläufig, sagt IW-Direktor Hüther. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht eine Rückbesinnung auf den Standort Deutschland, weil Faktoren wie hohe Qualität geschätzt würden. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) räumt mittlerweile ein, dass sich manche Firmen bei der Verlagerung mit der Kostenrechnung verschätzt hätten. (dpa)
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