Von KIRSTEN BOLDT, 09.10.07, 21:57h
„Das Problem in den Städten ist ja, dass Lehrer ausgebildet wurden für einen Unterricht mit muttersprachlichen Schülern, aber jetzt oft vor Klassen mit Kindern stehen, für die Deutsch Zweitsprache ist. Wir müssen deshalb noch einmal über sprachliches Lernen nachdenken und den Unterricht weiterentwickeln“, sagte Thomas Jaitner, Mitarbeiter der Abteilung Migration. „Die Buchpädagogik bringt uns nicht weiter. Wir suchten ein Konzept, das so interessant und motivierend ist, dass alle Kinder Lust zum Mitmachen bekommen“, berichtet Dezernent Manfred Höhne. „Das haben wir nach unseren bisherigen Erkenntnissen gefunden.“
Dass sich mit Sprache gut spielen lässt, mit Worten und Lauten jonglieren ein Vergnügen sein kann, darüber hat die Dortmunder Philologin Gerlind Belke Bücher geschrieben. Ihre Ideen zur Verknüpfung von Poesie und Grammatik als Unterrichtsform für Grundschüler hatten Thomas Jaitner überzeugt. Zusammen mit seiner Kollegin Rosella Benati, der Grundschullehrerin Monika Lüth und weiteren sieben Mitstreitern entwickelten sie auf dieser Basis ein Lehrkonzept, das auf Kinder wie ein amüsantes Spiel wirkt. „Es richtet sich jedoch streng nach Regeln“, so Höhne. „Der Inhalt ist selbstverständlich kompatibel mit den NRW-Lehrplänen.“
Ein Beispiel für die neue Methode: Die Lehrerin gibt ein Gedicht vor oder einen Satz wie „Wenn ich fröhlich bin, fühle ich mich wie ein Känguru, das in einem Beutel sitzt“. Das lernen die Kinder auswendig. Und unbewusst eine Regel für Relativsätze. Dann werden die Kinder aktiv, sie bauen bestimmte Teile um. So wird daraus: „Wenn du sauer bist, fühlst du dich wie ein Hund, der die Katze nicht fangen kann.“ „Dieses Neufinden und Vortragen macht den Schülern unglaublich Spaß“, erzählt Monika Lüth. „Damit lassen sich alle fangen. Jeder kann etwas damit machen. Die Schwächsten erleben Fortschritte beim Spracherwerb, muttersprachliche Schüler beflügelt es zu kreativen Leistungen.“ Und ganz unmerklich schleift sich die Regel ein. „Dieses Konzept macht Schluss mit dem Aussortieren von Migrantenkindern. Jedes Kind entwickelt ein Bewusstsein für seine eigene Biografie, alle erfahren sich als bereichernde Vielfalt“, freut sich Höhne. „Das macht Kinder stark.“ So werde auch der Forderung der Landesregierung nach individuellen Lernmöglichkeiten ebenfalls nachgekommen.
Unterstützung erhielten Schulen auch durch zusätzliche Integrationshilfestellen, so Höhne. Weiterführende Programme für die Sekundarstufe I seien bereits in Planung. Das Kölner Projekt errege mittlerweile landesweit Interesse. Höhne: „Wir haben mehrere Anfragen von anderen Bezirksregierungen.“
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