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„Mir liegt an Koexistenz“

Von MARIANNE KOLARIK, 12.10.07, 22:16h

Die WDR-Intendantin Monika Piel lenkt ein und spricht sich für eine Kooperation von Verlagen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern aus. Der Verband der Zeitungsverleger sieht den Dissens dadurch aber noch nicht ausgeräumt.

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WDR-Intendantin Monika Piel
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WDR-Intendantin Monika Piel
Der Verband der Zeitungsverleger sieht den Dissens dadurch aber noch nicht ausgeräumt.

Die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Monika Piel, hat sich für Kooperationen zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ausgesprochen. „Die Qualitätspresse und die Verlage sind mir sehr viel näher als unsere stärksten kommerziellen Konkurrenten auf dem Fernsehmarkt“, sagte Piel in einem Agentur-Interview. Der Qualitätspresse gehe es wie den öffentlich-rechtlichen Sendern um publizistische Inhalte, auch in der digitalen Welt. „Mir wäre deshalb sehr daran gelegen, dass wir zu einer friedlichen Koexistenz oder vielleicht sogar Kooperation im Sinne der publizistischen Inhalte kommen“, sagte Piel. Sie sei bereit, die anstehenden Probleme mit den Verlagen an einem runden Tisch zu besprechen: „Wir könnten ausloten, ob es nicht doch mehr Gemeinsamkeiten gibt als gedacht.“

Die Verlage werfen den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, mit dem gebührenfinanzierten Ausbau ihrer Internetportale eigene Geschäftsmodelle im Internet zu behindern. Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), bestätigt, dass es durchaus Gemeinsamkeiten gebe. So handle es sich bei beiden Institutionen um Qualitätsmedien. Dennoch gäbe es einen starken Dissens im Hinblick auf die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender und deren Internet-Präsenz. Die Frage, ob es nicht längst eine ausreichendes Online-Angebot gebe, sei legitim. Natürlich könne man darüber nachdenken, wie und wo eine Kooperation mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten möglich wäre. Das sei nur konsequent und vernünftig, verdecke aber keineswegs die nach wie vor vorhandene Meinungsverschiedenheit in der Frage, inwieweit der Auftritt von ARD und ZDF ihrem Auftrag entspreche.

Piel, die den WDR seit April leitet, verteidigt den Online-Auftritt der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Worten: „Unsere Digitalstrategie bedeutet doch im Kern nicht mehr, als dass wir die einmal produzierten Inhalte aus Radio und Fernsehen unseren Gebührenzahlern noch einmal, dann aber zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung stellen wollen.“ Sie könne die Aufregung nicht nachvollziehen, „obwohl ich sonst für den Unterschied zwischen den Wettbewerbern - garantierte Gebührenfinanzierung hier, konjunkturell schwankende Werbefinanzierung dort - sehr viel Verständnis habe“. Das Internet sei für sie „eine Medienplattform von historischer Qualität“, weil dort alle Medien verschiedenen Typs aufeinanderstießen, sagte Piel. Dass diese Plattform heiß umkämpft sei, sei nicht verwunderlich. Die Öffentlich-Rechtlichen wollten aber keine Zeitungen publizieren, auch nicht elektronisch im Internet. Piel begrüßte das jüngste Gebührenurteil des Bundesverfassungsgerichts. „Ganz entscheidend ist für mich, dass wir ein hohes Maß an Rechtssicherheit für die Zukunft haben“, sagte sie. Eine stärkere Gebührenerhöhung für ausgebliebene Investitionsvorhaben in der vergangenen Gebührenperiode, wie es das Gericht den Sendern mit der Entscheidung ermöglicht, wolle sie nicht beantragen. „Wie alle anderen ARD-Sender wird auch der WDR von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen“, versicherte Piel.

Wolff wiederum betonte, dass das Karlsruher Gebührenurteil nicht isoliert von den Vorgaben der EU gesehen werden könne, die besagten, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Telemedien machen könnten, aber nicht müssten.

An den Ländern läge es nun, mit politischen Entscheidungen Klarheit über den Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender zu schaffen, nachdem man versucht habe, den Gebührenzahler zu entlasten und die privaten Konkurrenzsender zu schützen. (mit epd)



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