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Palästinensertuch, nein danke!

Von Steffi Gartzke, 19.10.07, 21:07h

Das meist schwarz-weiß gemusterte Palästinensertuch ist nach ungefähr 25 Jahren wieder Modetrend. Ich frage mich nur, aus welchem Grund? Zuletzt thronte dieser Stoff nur auf dem alternden Haupt des inzwischen verstorbenen Jassir Arafat.

Wenn ich durch Kölns Einkaufsstraßen gehe, frage ich mich oft: Seid ihr denn alle erkältet? Warum sind plötzlich um die Hälse der 13- bis 16-Jährigen dicke Stoffe gewickelt? Das meist schwarz-weiß gemusterte Palästinensertuch ist nach ungefähr 25 Jahren wieder Modetrend. Ich frage mich nur, aus welchem Grund? Zuletzt thronte dieser Stoff nur auf dem alternden Haupt des inzwischen verstorbenen Jassir Arafat. Und plötzlich soll das Tuch der letzte Schrei aus Hollywood sein? Das passende Zubehör zu Röhrenjeans und gesteppter Ledertasche?

Ich habe für meine Person ziemlich schnell beschlossen, mir dieses auffällige Kleidungsstück nicht um den Hals zu wickeln - egal, ob es vor Erkältung schützt, warm hält oder nicht. Und auch egal, ob Schmetterlinge oder Micky Mäuse aufgestickt sind und es das Tuch in den unterschiedlichsten Farbtönen gibt.

Ich kann mich weder mit der modischen Optik von Baumwolle mit Bömmeln anfreunden noch mit dem politischen Hintergrund identifizieren. Ich finde es gewagt, ein politisches Symbol als „hippes Accessoire“ zu vermarkten. Unter Jugendlichen interessiert die politische Bedeutung wohl nur die wenigsten - Hauptsache, die MTV-Moderatoren tragen es. Und die müssen ja schließlich wissen, was politisch korrekt ist.

Weil niemand so genau Bescheid weiß, kursieren viele verschiedene Beweggründe - meist zusammengesetzt aus Pseudowissen und Halbwahrheiten. Das politische Spektrum ist groß, doch es steht nicht nur als Zeichen für eine Sympathie mit Palästinensern im Kampf um einen eigenen Staat, es dient auch als Symbol für allgemeinen Widerstand, für „dagegen sein“. Gegen was genau, bleibt dabei jedem selbst überlassen. Ich bin auch dagegen - und zwar gegen dieses Palituch. Und vor allem gegen jene, die meinen, dass dieser Lappen einfach „hübsch aussieht“, lässig wirkt oder den Träger in einen „Großstadt-Rebell“ verwandelt. Wo diese Äußerungen herkommen? Wahrscheinlich stand dies in Modezeitschriften, die wiederum amerikanische Schauspieler zitieren. Aus dem Nachrichtentext zum Nahost-Konflikt stammen sie jedenfalls nicht.

Ich wünsche mir, dass Jugendliche dubiose Modetrends deutlicher hinterfragen und nicht einfach alles mittragen, nur weil es in angesagten Geschäften auf der Stange hängt.

Das bringt mich übrigens auf die Idee für einen neuen Trend: Buttons mit dem Spruch: „Palituch? Nein danke!“

Der Autor / Die Autorin (23)gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Rhein-Sieg. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.

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