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Die letzte große Blondine im Streichelzoo

Erstellt 07.10.07, 11:27h, aktualisiert 07.10.07, 11:53h

Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber schaut sich „Wetten, dass…?“ an. Und ist erstaunt, dass sogar einem solch alten Unterhaltungs-Schlachtross am Zaumzeug geflickt wird.

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Fernsehmoderator Thomas Gottschalk unterhält sich mit dem Filmemacher Michael "Bully" Herbig.
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Fernsehmoderator Thomas Gottschalk unterhält sich mit dem Filmemacher Michael "Bully" Herbig.
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SPECIAL: Martin Weber sieht fern

Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber guckt „Wetten, dass…?“. Und ist erstaunt, dass sogar einem solch alten Unterhaltungs-Schlachtross am Zaumzeug geflickt wird. Die 170. Ausgabe von „Wetten, dass…?“ wartet am Samstagabend mit gleich zwei Neuerungen auf: Statt wie bisher fünf Wetten gibt’s nunmehr sechs. Was unmittelbar zur Folge hat, dass die Show-Einlagen – man kann auch sagen: die Reklamemaßnahmen von Künstlern innerhalb der Sendung – gnadenlos runtergekürzt werden. Vier waren es, fortan sollen es drei sein; man kann nur ungefähr erahnen, wie viele Sitzungen beim ZDF vonnöten waren, bis die Änderung durch war. Aber Showeinlagen hin, Wetten her: Eins bleibt bei „Wetten, dass…?“ auf absehbare Zeit so, wie es seit September 1987 ist: der Präsentator der Samtagabend-Sause heißt Thomas Gottschalk, und Thomas Gottschalk ist und bleibt der semmelblonde Herrenwitz-Reiter, der den ZDF-Zossen auch weiterhin zuverlässig mit seinen Zoten füttern wird. Warum auch nicht, mit seinen 57 Jahren liegt Gottschalk noch locker unter dem Altersdurchschnitt des handelsüblichen ZDF-Zuschauers. Gleich geht’s los, diesmal aus Basel. Grüezi allerseits!

20.13 Uhr Eine der Neuerungen kommt uns noch mal in den Sinn. Nur noch drei Show-Acts, das bedeutet: weniger Auftrittsmöglichkeiten für die singende Wanderwarze Peter Maffay (bisher 12 WD-Auftritte), Onkel Herbert (Grönemeyer; 10 Auftritte), Rod Stewart, Joe Cocker (je 8), Chris de Burgh und Phil Collins (je 7). Harte Zeiten für alte Recken.

20.16 Uhr „Mehr Wetten, mehr Weltstars, mehr Thomas Gottschalk“, behauptet der Off-Ton keck. Vor allem bei Letzterem gilt: auch das noch.

20.18 Uhr Gottschalks Textiltapete: sieht aus wie ein Bademantel, den der englische Landadel trägt, wenn ihm der Butler das Frühstück serviert. Nebenan knurren die ersten Blindenhunde. Das erste Witzchen: „Sabine Christiansen ist zurückgetreten, Eva Herman wurde zurückgetreten – seien Sie nett zu mir, ich bin die letzte große Blondine im Fernsehen“.

20.21 Uhr Marco Rima präsentiert die Stadtwette in Basel. Wenn wir das richtig verstanden haben, sollen möglichst viele als Tiere verkleidete Menschen mit echten wilden Topfpflanzen und echten zahmen Tieren irgendwann irgendwo erscheinen. „Mach mir den Tarzan“, analysiert Gottschalk die Aufgabenstellung.

20.23 Uhr Erste Reklamerunde auf dem „Wetten, dass…?“-Sofa: Michael „Bully“ Herbig bewirbt seinen neuen Film „Lissi und der wilde Kaiser“. „Franz!“ „Sissi!“ „Mir is so faaad!!!“.

20.27 Uhr Keine 15 Minuten rum und schon die erste Wette. Rekordverdächtig. Ob sie das auch in den ZDF-Gremien durchdiskutiert haben: mehr Biss, mehr Beef, mehr Geschwindigkeit?!

20.31 Uhr Die erste Wette hat mit einem Trecker zu tun. „Schöne alte Zugmaschine“ – Gottschalk tätschelt das Gefährt. Dann ein Anflug von Selbstironie: „Alte Zugmaschine, so nennt man mich auch beim ZDF“.

20.33 Uhr Mit dem Luftdruck der Trecker-Auspuffgase will der Schweizer Wettkandidat ein paar Bälle in einen Basketballkorb befördern. Der erste Ball tänzelt über dem Trecker-Schornstein, Treffer!

20.35 Uhr Dritter Treffer, erster richtig doofer Gottschalk-Witz: „So ziehen sie in Albanien übrigens die Lottozahlen!“

20.36 Uhr Fünf Treffer, erste Wette gewonnen. Was bedeutet: „Bully“ Herbig sitzt gleich im Sissi-Kostüm auf der Couch. Weil er nicht an das Gelingen der Wette geglaubt hat.

20.39 Uhr Hollywood in Basel. Als Wettpaten treten auf: Jennifer Garner und Jamie Foxx. Wahnsinn, die High Heels von Frau Garner. Zwölf Zentimeter sind das mindestens. Geht trotzdem unfallfrei, die Lady.

20.43 Uhr Gottschalk ist ganz er selbst. Oberflächliches Geplauder, ein bisschen Koketterie, dann wieder: oberflächliches Geplauder. Dann: Reklamerunde Nummer zwei. Bemerkenswert: Noch hat Gottschalk Jennifer Garner nicht am Knie herumgenestelt.

20.47 Uhr Die Kinderwette: Die elfjährige Hanna behauptet keck, jede Menge Holzpuppen an der Nase zu erkennen. Und zwar mit ihrer süüüßen Stupsnase, also: echte Nase reibt sich an künstlichen Nasen.

20.51 Uhr Für die eher wenig dezenten Brillis, die Jamie Foxx in den Ohren trägt, kann man bestimmt einen schnieken Mittelklassewagen ordern. Wetten, dass…?

20.55 Uhr Selbst die Begeisterung und das artige Klatschen sieht bei Hollywood-Stars professioneller als bei so manchem deutschen Schauspieler respektive so mancher deutscher Schauspielerin; man stelle sich vor, Veronica Ferres hätte über das Kind – Wette gewonnen, übrigens – begeistert sein müssen.

20.59 Uhr Erster Showact: Melissa Etheridge mit „Message To Myself“. Extrem biedere Rockmusik. Passt also perfekt zu Gottschalks Musikgeschmack. Immerhin: Frau Etheridge singt live. Das aber kann aus dem Liedchen auch keinen gescheiten Song machen.

21.04 Uhr Jamie Foxx hat die Wette verloren, zur Strafe muss er jodeln. Frau Etheridge hat nix mit der Sache zu tun, wird aber trotzdem von Herrn Gottschalk dazu verdonnert, Herrn Foxx auf der Gitarre zu begleiten. Keine Frage: Die Amis haben das Talent, aus dem letzten Mumpf noch eine Show zu machen. Extrem-Jodeling bei „Wetten, dass…“

21.06 Uhr Das Publikum im Saal ist außer Rand und Band. Gottschalk auch. Sagt andauernd, „Mein Lieber“. Und seine Hand parkt schon mal ausdauernd auf dem Handgelenk von Frau Garner; da ist der Weg zu deren Knie nicht mehr weit.

21.07 Uhr Kurze Schalte zu Marco Rima: „Mach mir den Streichelzoo“, wünscht sich Gottschalk.

21.08 Uhr Auftritt der boxenden Milchschnitten, die Doktoren Wladimir und Vitali Klitschko. Es ist und bleibt ein Rätsel, warum die Brüder notorisch in Unterhaltungssendungen eingeladen werden. Denn wenn die Klitschkos eins nicht sind, dann das: unterhaltsam.

21.12 Uhr Frau Garner muss das Sofa verlassen. Termine. Hollywood ruft. Die drögen Klitschkos bleiben. Bisschen schade, dass sie justament keinen anderen Termin haben.

21.19 Uhr Wette Nummer drei: Ein Bergbauer drückt locker aufeinander gestapelte Backsteine nur mit dem Daumen gegen eine Wand. Er schafft die geforderten 20 Sekunden. Trotzdem eine extrem unspektakuläre Wette.

21.23 Uhr Zweiter Showact, diesmal für die Generation Clearasil: Schmusigster Schmuse-Pop von Sunrise Avenue aus Finnland. Okay, der Titel „Fairytale Gone Bad“ ist hat schon ein Jährchen auf dem Buckel. Dürfte aber für die ZDF-Kundschaft brandneu sein. Die Mädchen in Basel machen, was Mädchen überall auf der Welt machen: sie quiiieeetschen. „Samu, take me to wonderland“, steht auf einem der Plakate.

21.30 Uhr Da wird man nun Frauen-Fußball-Weltmeister – und schon darf man auf die „Wetten, dass…?“-Couch. Zu Gast sind die fabelhafte Torfrau Nadine Angerer und Stürmerin und Mannschaftskapitänin Birgit Prinz. Birgit Prinz geht wie ein Bauarbeiter – diese Analyse stammt nicht vom Autor dieser Zeilen, sie stammt von seiner charmanten Co-Guckerin.

21.36 Uhr Schalte aus der Halle in Basel ins Sendezentrum nach Mainz, dort sitzt der Rest der Weltmeistermannschaft. Die Kickerinnen singen ein Liedchen, das fraglos zu Gottschalk passt: „Du hast die Haare schön“.

21.43 Uhr Wette Nummer vier. Zwei fesche Burschen lassens’ krachen. Beziehungsweise: Einer zerschneidet Glas, der andere will Glas-Art und Glas-Stärke erkennen. Am Geräusch des Zerschneidens. Wie kommt man auf so etwas? Die Burschen gewinnen die Wette.

21.49 Uhr Hollywood ruft schon wieder; Jamie Foxx hat seine Zeit auf dem Sofa abgesessen und verlässt die Sendung. Dafür entert „Bully“ Herbig wieder die Show. Im Sissi-Lissi-Kostüm. „Kann ich jetzt bei euch mitmachen?!“, fragt Herr Herbig die Fußballerinnen. Über diese Frage kann man zweimal hin und hersinnieren. Mindestens.

21.52 Uhr Bullys Beine sind nicht rasiert. Nadine Angerer hat falsch gewettet und soll aus Sahne Butter machen. Sie bekommt ein Holzfässchen nebst Holzstößel, die Bedienungsanleitung liefert Gottschalk. „Ist wie das alte Rein-Raus-Spiel“, sagt er. Wir sagen: das ist Herrenwitzreiterei in Perfektion.

21.58 Uhr Showact Nummer drei, Avril Lavigne. Wie immer: Waschbär-artig geschminkte Augen. Galt am Beginn ihrer Karriere aus unerfindlichen Gründen mal als echt und authentisch und als weiß-ich-was. War aber schon immer so wenig echt und authentisch wie Britney Spears eine Singer-/Songwriterin ist. „When You’re Gone“ heißt der Titel, und er ist: schreckliches Gequäke.

22.01 Uhr Gruppenbild: kanadische Rockgöre mit ukrainischen Milchschnitten. Die beiden Klitschkos sind ungefähr viermal so groß wie Frollein Lavigne. Sieht ulkig aus.

22.04 Uhr Auftritt Paola und Kurt Felix. Hat Beine bis obenhin, die Paola. „Act your age“, möchte man ihr trotzdem zurufen. Würdevoll sieht auf alle Fälle anders aus als dieser schwarze Fummel. Kleid kann man das ja eher nicht nennen.

22.07 Uhr Reden von den Mühen und Freuden der Ehe, der Herr Felix und seine Gattin. Erspart auf alle Fälle eine Klinikpackung Schlaftabletten, das Gerede. Gottschalk blättert in einem Modekatalog, für den Paola modelt. „Das ist die Paola-Welle“, sagt Gottschalk. Woraufhin wir uns tüchtig fremdschämen. Ist der Besuch der Schweizer Sedativa ein Zugeständnis an das Basler Publikum???

22.14 Uhr Wette Nummer fünf: Ein Mann namens Milan will einen zwölf Meter langen Bus auf einer acht Meter breiten Brücke wenden. Unterhalb des Busses rauscht ein Wildbach, ach was: ein reißendes Fließgewässer. Sissi, Franz!!!

22.18 Uhr Milan schaffts’, allerdings nicht in der vorgegeben Zeit. Wette verloren. „Knapp verloren heißt beinahe gewonnen“, sortiert Gottschalk das Geschehen ein.

22.22 Uhr Die nächsten Sofasitzer: Suzanne von Borsody und Michael Mendl. Gut, dass die Hollywood-Schauspieler schon weg sind; es würde sonst sehr eng auf der Couch. Die bedauernswerte Nadine Angerer ist immer noch mit der Butter-Herstellung beschäftigt.

22.26 Uhr Das x-te Promotion-Gespräch. Ermüdend ist das, sehr ermüdend. Um nicht zu schreiben: wahnsinnig ermüdend.

22.29 Uhr Gottschalk macht mit einem Abfluss-Pömpel auf „Fluch-der-Karibik“-Pirat. Frau von Borsody bewundert Gottschalks spontane Einbeinigkeit, der feuert eine klitzekleine Spitze ab: „Das kriegt jeder hin, sogar der Raab“. Es wird höchste Zeit, dass die anderen Sender am Samstagabend mal ihr spannendstes Programm gegen „Wetten, dass…?“ platzieren. Raab wird Gottschalk in absoluten Zahlen nicht schlagen, aber ein paar Millionen Zuschauer würde er „Wetten, dass…?“ schon stibitzen.

22.33 Uhr Die letzte Wette des Abends: zehn „Pömpel-Freunde“ lassen sich von einem „Pömpel“-Werfer Pömpel auf die nackten Rücken werfen. Vielleicht mal eine schöne Idee für demnächst; späteres Nachmachen an langen Winterabenden nicht ausgeschlossen. Ohne Frage die lustigste Wette des Abends – Deutschland im Pömpel-Rausch, die Wette wird gewonnen.

22.43 Uhr Nach schätzungsweise 23 Fehlwürfen hält der Pömpel. Mittenmang auf dem Bauchnabel von Wladimir Klitschko.

22.47 Uhr Die Stadtwette. Großstadtdschungel auf dem Münsterplatz in Basel. Ob’s geklappt hat? Ja, und wie: Kamele, Hunde, Äffchen, Heuschrecken, Schlangen, jede Menge Ausführungen von Tarzan und Jane. Stadtwette gewonnen.

22.54 Uhr Überraschenderweise ist Deutschland nicht im Pömpel-Rausch, Wettkönig wird der Busfahrer Milan: Wenden in 23 Zügen.

22.56 Uhr Die Blumensträuße sind verteilt, Frau von Borsody und Herr Mendl mühen sich, die „Wetten, dass…?“-Melodie auf Kuhglocken zu bimmeln. Kann ein Abend schöner enden? Und was ist überhaupt mit der Sahne, die Nadine Angerer weiterverarbeiten musste? Alles in Butter??? Na dann: Bis dann.



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