Von Ingmar Keller, 29.10.07, 22:01h
Hierzulande hingegen wird gerne der Untergang beschworen, wenn die Forderung nach einem Tempolimit laut wird. Dabei geht es schon gar nicht mehr um das einst als „einschläfernd“ geschmähte „Tempo 100“, sondern um das eher milde „Tempo 130“, das ohnehin als die Lieblingsgeschwindigkeit der meisten Autofahrer gilt.
Noch vor Jahren konnten sich die üblicherweise Empörten, der ADAC etwa oder die heimische Automobilindustrie, auf eine sichere Mehrheit der Limit-Gegner stützen. Inzwischen aber sind die Lobbyisten zu Anwälten einer Minderheit geworden: Mindestens 55 Prozent, nach einigen Umfragen sogar mehr als 60 Prozent der deutschen Autofahrer befürworten Tempo 130. Das liegt am gewachsenen Umweltbewusstsein und vielleicht auch an Erfahrungen im benachbarten Ausland: Manch ein Urlauber hat schon erlebt, dass es sich bei weitgehend harmonischem Verkehrsfluss wesentlich sicherer und entspannter fahren lässt.
Die Fakten sprechen ohnehin für ein Tempolimit: Schon der bundesweite Großversuch aus dem Jahr 1985, der zur Katalysator-Pflicht führte, hat bewiesen, dass geringere Geschwindigkeiten den Schadstoffausstoß mindern - streiten kann man allenfalls über das Ausmaß. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung bremst zudem die Schnellsten und führt so zu einer Harmonisierung des Verkehrsflusses. Bei geringerem Tempo steigt zudem die Aufnahmefähigkeit der Autobahnen, die Zahl der Staus sinkt, Auffahrunfälle werden seltener, ihre Folgen sind weniger schwerwiegend. Tempolimits, das weiß jeder Unfallforscher, erhöhen also auch die Verkehrssicherheit.
Schlechtere Wettbewerbschancen für die heimische Industrie sind kein überzeugendes Argument. Zu den schärfsten Konkurrenten der deutschen Autohersteller gehören die Japaner, obwohl auf deren Autobahnen „Tempo 110“ als Höchstgrenze gilt. Und nach der Ölkrise der 70er und den Umweltdiskussionen nach dem Waldsterben der 80er Jahre haben auch deutsche Autobauer bewiesen, dass sie mit den Argumenten „Sicherheit“ und „Umweltbewusstsein“ ebenfalls Exportschlager produzieren können.
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