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Wenn Musiker immer im Bilde sein müssen

Von VON SEBASTIAN ZÜGER, 14.11.07, 17:28h

Ein Duo produziert Soundtracks von Punk über Pop bis hin zu epischen Klängen. Joachim Dürbeck und Rene Dohmen machen Filmmusik und sind gerade dabei, sich in der Filmszene zu etablieren.

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Sie bringen den Bildern das Klingen bei: Dürbeck (links) und Dohmen machen Filmmusik.
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Sie bringen den Bildern das Klingen bei: Dürbeck (links) und Dohmen machen Filmmusik.
Rieferath im Bergischen Land - ein Ort wie gemalt. Umkränzt vom satten Grün tiefdunkler Wälder liegt es da wie ein wahr gewordener Einsiedlertraum. Es muss also eine überaus finstere Nacht gewesen sein damals in den sonst so neonhell erleuchteten Achtzigern, als René Dohmen, damals Anfang 20, geboren in Jülich, zum ersten Mal in Rieferath aus dem Auto stieg und den wenig idyllischen Gedanken hegte: „Junge, was hast du nur getan?“ Er hatte sein Studium geschmissen, um als Gitarrist seiner Band, den Pop-

punkern Bones, Karriere zu machen. Die Anfänge waren vielversprechend genug gewesen. „Wir waren so etwas wie das Best of Jülich unseres Jahrgangs“, erinnert sich Renés Kollege Joachim „Jumpel“ Dürbeck heute. „Wir wollten alle mit Musik unser Geld verdienen. Es war uns ernst.“ Die erste Platte der Bones, „Kalkstück 13“, sollte beim Indielabel Big Noize erscheinen. Für Album Nummer zwei scharrte bereits der Plattenmulti EMI mit den Hufen.

Jetzt aber stand René erst einmal in Rieferath. Um den ersten Schock der Einsamkeit zu besänftigen, machte er sich auf die Suche nach einem Zigarettenautomaten - allein: Er fand keinen. Alles, was es gab, waren ein öffentlicher Fernsprechautomat in der Wohnstube des ortsansässigen Landwirts - und die Anhänger einer naturalistischen Sekte, der Haidakhan Gesellschaft. „Eines ihrer Mitglieder war die Vermieterin unseres Bandhäuschens“, erzählt Jumpel, Keyboarder der Bones. „Aber da gab es überhaupt keine Probleme.“ Auch nicht wenn es, was häufig unvermeidbar war, bis in die tiefe Nacht laut herging. „Wir haben jeden Tag geprobt und jedes Wochenende gefeiert“, erzählt Jumpel und grinst. „Unsere Nachbarn animierten uns sogar dazu. Wir verströmten so eine positive Energie, sagten sie.“

Die allerdings reichte nur für ein Jahr. Dann zog es die Bones, mit einem Vertrag bei der EMI in der Tasche, wieder in die Großstadt. Der Kölner Trubel entsprach den ehrgeizigen Ambitionen von René, Jumpel und ihren Bandkollegen doch eher als die gnadenlose Romantik des Bergischen Landes. Drei Alben, neun Singles und drei Videos erschienen bis 1997 von den Bones. Danach war jedwede Energie flöten. „Wir waren leer. Wir hatten seit Ende der 80er Jahre quasi durchgearbeitet, auch eine England-Tour hinter uns“, sagt René, und Jumpel fügt hinzu: „Wenn du nach all den Jahren immer noch in Husum vor 40 Leuten spielst, hat es irgendwann keinen Sinn mehr.“

Es muss ein echter Nullpunkt gewesen sein. Live-Musik hatte es schwer in den ausklingenden neunziger Jahren, die DJ-Kultur war auf ihrem Höhepunkt und ließ den Bands jenseits der großen Arenen kaum noch Luft zum Atmen. Doch es fand sich ein Ausweg. Noch als Bones hatten René und Jumpel die Musik für den Werbespot eines großen Klamottenherstellers beigesteuert und waren in guter Erinnerung geblieben. „Unser erster bezahlter Job nach der Band war die Musik für eine Feier des Art-Directors-Clubs“, erzählt René. Jumpel wundert sich noch heute: „So Show-Musik, ich dachte nur: Das kannst du doch gar nicht.“ Doch die Auftraggeber waren zufrieden, und so lag der Schluss nahe: „Lass uns doch das versuchen.“

Anfangs waren Dürbeck & Dohmen, wie sie sich heute nennen, echte Schlafzimmer-Produzenten. Ein Harddisk-Rekorder war vorhanden, und für die erste Gage wurde ein Mischpult angeschafft, später kam eine Soundkarte mit Stereo-Eingang für den Apple-Computer hinzu. Dann sorgte der Auftrag eines finnischen Mobilfunk-Ausrüsters für echte Aufbruchstimmung: „Ich konnte nur staunen, als das Honorar kam“, sagt Jumpel.

Mittlerweile ist ein weiteres Jahrzehnt vergangenen, die Ereignisse von Rieferath liegen gar fast doppelt so lang zurück. Das Ziel von ehedem, ein Leben von der Musik, haben René und Jumpel verwirklicht. Doch das Grundgefühl, irgendwie am Anfang zu stehen, ist geblieben. Denn es gibt neue Ziele: „Wir wollen uns auf Filmmusik konzentrieren“, sagt Jumpel. „Es ist halt ein Unterschied, ob man Musik für 30 Sekunden oder für 90 Minuten herstellt.“

Die Qualität der Vorgaben ist für den spezifischen Stil des Soundtracks dabei von entscheidender Bedeutung. Zwischen Klassik und Pop ist alles erlaubt, wenn es dem Film dient. Allerdings wird ein gut ausgestatteter Film mit einer klaren inhaltlichen Dramaturgie eher über ein sinnvolles musikalisches Konzept verfügen als eine lieblos abgedrehte TV-Produktion. „Gute Filme mit gutem Drehbuch - davon bitte mehr“, wünscht sich René. Dem klanglichen Zusammenhang der Bilder spüren er und Jumpel mit einem reichhaltigen Instrumentarium nach. So steht fast ein Dutzend Gitarren griffbereit neben dem von vier Flachbildschirmen dominierten Arbeitsplatz Renés. Streicher- und Synthesizerflächen kommen größtenteils aus dem Rechner. „Die Qualität von virtuellen Samplern und Synthesizern ist so gut geworden, dass ich die Hardware weitgehend abgeschafft habe“, sagt René. Kein Laie kann heutzutage hören, ob die sanften Pizzicatos oder das weich schwingende Glockenspiel in der Musik zum Kurzfilm „37 ohne Zwiebeln“ wirklich eingespielt oder vom digitalen Sampler beigesteuert wurden. Und auch die elegischen Streicher, mit denen die Dokumentation „Abenteuer Glück“ unterlegt ist, stammen nicht von einem eigens engagierten Sinfonieorchester. Das wäre unbezahlbar.

Derzeit arbeiten die beiden unter anderem an Soundtracks für die Produktionen „Up, up to the Sky“ und „Selbstgespräche“, zwei Spielfilme, die 2008 in die Kinos kommen sollen. Für derlei Projekte, die sich mit Namen wie August Zirner, Katja Riemann und Armin Rohde schmücken, müssen sich René und Jumpel noch ziemlich strecken. „Wir müssen manchmal auf Geld verzichten oder TV-Aufträge dazwischen- schieben, um solche Soundtracks annehmen zu können“, sagt René. „Für uns sind diese beiden Kinofilme die Chance, uns einen Namen zu machen.“ Um auf Dauer in diesem hart umkämpften Markt überleben zu können, zählt mehr noch als kompositorisches Talent Geschäftssinn. „Musiker lassen sich leicht über den Tisch ziehen“, weiß René. „Sie machen ihren Job so gerne.“

Musiker, die vorgestellt werden möchten, wenden sich an den „Kölner Stadt-Anzeiger“, Telefonnummer: 224-23 23 /22 97, E-Mail: KSTA-Stadtteile@mds.de, Anschrift: Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln. Bewerber sollten aktuelle Musikproben zusenden.

 www.ddmusik.de

 www.ksta.de/klangprobe



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