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Umwelttechnik

Bayers Formel für Klimaschutz und Profit

Von Thomas Käding, 19.11.07, 17:55h, aktualisiert 23.06.08, 15:45h

Der Konzern formuliert ehrgeizige Ziele und will mit Umwelttechnik wachsen. Das erste Null-Emissionen-Haus entsteht in Indien, nicht im Bayerwerk.

BILD: BRITTA BERG
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BILD: BRITTA BERG
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Leverkusen - - 5, 15, 25 bis 2020 - das ist Bayers Klima-Formel. Sie bedeutet dies: Um fünf Prozent soll Bayers Pharmageschäft den Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 verringern. 15 Prozent weniger klimaschädlicher Gase soll die Agrochemie erzeugen. Und für die Kunststoff-Sparte Bayer Material Science (BMS) gab Vorstandschef Werner Wenning gestern sogar ein Einsparziel von 25 Prozent aus. Diese Zahl ist aber nicht mit den anderen vergleichbar, was gestern prompt von der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ kritisiert wurde. Klar ist: BMS soll den Ausstoß an Treibhausgasen um ein Viertel pro Tonne Verkaufsprodukt senken. Und das wird einiges ausmachen, weil jedes Jahr über 4 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt werden. Zudem ist die Kunststoff-Produktion „unser mit Abstand energieintensivster Bereich“, erläuterte Wenning: Allein 40 Prozent seines Stroms braucht Bayer zum Beispiel für die Herstellung des Vorproduktes Chlor. Da aber bis 2020 die Produktion im Schnitt um vier Prozent pro Jahr ausgeweitet werden soll, wird Bayer unterm Strich nicht so viel Treibhausgase einsparen wie es die Zahlen zunächst nahelegen. Schließlich will die Firma unter anderem mehr ihrer Dämmstoffe verkaufen und so vom Schutz vor dem Klimawandel profitieren.

Ein Grund mehr für den Vorstandschef, das Klimaprogramm als konzernweite Herausforderung zu proklamieren und weitere Ideen vorzustellen: „Das Bürohaus mit Null-Emissionen kann in allen Klimazonen eingesetzt werden“, nannte Wenning ein „Leuchtturm-Projekt“. Es decke seinen Energiebedarf selbst, indem es einerseits durch aufwändige Dämmung weniger verbraucht und andererseits - etwa mit Hilfe von Sonnenkollektoren - Strom erzeugt, der im Sommer ins Netz eingespeist werden kann.

Bayers Forschungsvorstand Wolfgang Plischke erklärte zwar, dass das Null-Emissionen-Haus überall südlich von Dänemark machbar ist. Das neue Bürogebäude für die Pharma-Vertriebsfirma Bayer-Vital, das bald im Werk gebaut wird, hat aber keine neutrale Energiebilanz. Den ersten Versuch startet Bayer vielmehr in der Nähe von Delhi in Indien. Dort wird für 15 Millionen Euro ein Bürohaus errichtet, das im Vergleich zur dort üblichen Bauweise mit gut 70 Prozent weniger Energie auskommen soll. Eine weitere Idee ist der Bayer-Klima-Check, den die Konstruktionsfirma Bayer Technology Services nächstes Jahr vom Tüv zertifizieren lassen will. Zunächst sollen rund 100 Anlagen untersucht werden - mit dem Ziel, in der laufenden Produktion die Emissionen um fünf bis zehn Prozent zu verringern. Vor allem aber soll die Klima-Bilanz eine Rolle spielen, wenn der Konzern demnächst neue Anlagen baut. Wenning sprach von einer „ökologischen Entscheidungsgrundlage“. Sie soll künftig ganz selbstverständlich dazu gehören.



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