Von KIRSTEN BOLDT, 22.11.07, 19:52h
„Nicht nur für unsere türkischen Schüler, auch für die deutschen wäre das ein tolles Angebot gewesen“, bedauert Schulleiter Alfred Weber die Wendung. „Das Beherrschen der türkischen Sprache ist in Deutschland künftig auch ein Wirtschaftsfaktor, der Deutschen in Berufen mit viel Personenkontakt Vorteile bringt. Doch die katholische Kirche hat Probleme mit muslimischen Lehrkräften.“
Seine Schule ist die St. Nikolaus Schule in Zollstock. Doch so katholisch sind dort viele der Schüler gar nicht. 340 Kinder betreut die vierzügige Schule, die Hälfte stammt aus Einwandererfamilien, 20 Prozent davon aus türkischen Elternhäusern. Gonca Mucuk-Edis, engagierte Mutter und Mitglied im Integrationsrat, hatte Weber und sein Kollegium während der vergangenen drei Jahre von der Idee des zweisprachigen Unterrichts überzeugt. Ein Klassenzug sollte das Angebot erhalten. Einige Lehrer fuhren nach Hamburg, sahen sich dort bilinguale Schulen an. Eine Sprachwissenschaftlerin informierte sie über die Vorzüge, die speziell das Erlernen der türkischen Sprache im Kindesalter hat. „Dann hat das Kollegium weitgehend mitgezogen“, erzählt Weber.
Überzeugungsarbeit hätte jedoch noch bei vielen Eltern geleistet werden müssen. „Die deutsche Elternschaft wollte das nicht“, sagt Ludwig Nothelle, Vorsitzender der Schulpflegschaft. Man wolle keine Türkenschule werden, so habe der abwehrende Tenor gelautet. „Da war die Angst, dass das noch mehr türkische Familien anzieht.“ Der Durchschnittszollstocker wolle, dass sein Kind Deutsch lernt.
Umso mehr Unterstützung habe die Schule vom Schulverwaltungsamt und der Bezirksregierung erhalten. „Wir hätten alles bekommen“, so Weber. Eine zusätzliche Lehrerin, die Deutsch und Türkisch perfekt beherrscht, fünf Stunden Unterricht mehr pro Woche, 15 Wochenstunden bilingualen Sprach- und Sachunterricht mit doppelter Lehrerbesetzung. Die Uni Köln wollte die Schule wissenschaftlich begleiten. „Jeder griff uns unter die Arme. Sogar der evangelische Pfarrer. Unser katholischer äußerte sich dagegen stark ablehnend.“
Das Erzbistum kam ins Spiel. In Gesprächen erbat Regierungspräsident Hans Peter Lindlar die Zustimmung zum Projekt vom Generalvikar, doch vergebens. Türkischer Unterricht von muslimischen Lehrern an einer katholischen Schule sei kontraproduktiv, man wolle keinen Präzedenzfall schaffen, so habe sich der Generalvikar gegenüber der Bezirksregierung klar geäußert, wie aus Bezirksregierungskreisen zu erfahren war.
Die Rechtslage sieht anders aus. „Wir können die Einstellung eines muslimischen Lehrers gar nicht ablehnen, denn wir sind nicht Träger der Schule“, erläutert der erzbischöfliche Schuldezernent Josef Albrecht die Regelung. „Wenn die Bezirksregierung wirklich so jemanden einstellen will, dann kann sie das tun. Wir haben nur unsere Bedenken geäußert.“ Und die seien, dass „ein muslimischer Lehrer über die türkische Sprache nicht nur den Inhalt eines Faches vermittelt, sondern auch die Mentalität eines muslimischen Menschen“.
Weber war daraufhin nahe gelegt worden, die Schule in eine Gemeinschaftsgrundschule umzuwandeln. „Aber wir sind ja bewusst eine katholische Schule. Das habe ich abgelehnt.“ Angesichts der Widerstände blieb ihm nur die Aufgabe. „Da ist ein tiefer Frust. Es geht doch um Chancen für Kinder. Ich kann so eine Haltung nicht verstehen.“ Für Gonca Mucuk-Edis ist der Eingriff „purer Rassismus. Wenn es Italienisch gewesen wäre, dann hätte es sicher kein Problem gegeben. Aber es geht ums Türkische.“
Kommentar
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Foto auf Leinwand günstig vom Testsieger
Werbeagentur Verzeichnis Köln Bonn
Werbeagentur / Internetagentur, Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt