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Lieblingslieder und Glücksgefühle

Von HANNAH SCHNEIDER, 23.11.07, 20:23h

„Wir haben so verdammt viel Geld, wir kaufen uns Köln-Ehrenfeld” stimmte die „beste Band der Welt” an und wickelte ihre Fans damit in der Kölnarena um den kleinen Finger.

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Visite in Köln: Bela B. und Farin Urlaub in der Kölnarena
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Visite in Köln: Bela B. und Farin Urlaub in der Kölnarena

Die Ärzte finden sich selber total sexy. Sie nennen sich „die beste Band der Welt“ und sind davon überzeugt, mit ihren Konzerten unbeschreibliche Glücksgefühle auszulösen. Und mit allem haben sie ein kleines bisschen Recht. Jeder einzelne der über 18 000 Besucher der Kölnarena liegt den drei Berlinern auf der Bühne am Donnerstagabend devot zu Füßen. Gut, dabei handelt es sich um eine klare Anweisung von Arzt Farin, die mit dem Stück „Unrockbar“ zu tun hat. Hinsetzen ist angesagt während der Strophen, und dann zum Refrain Arme hoch und aufspringen, alle 18 000 auf einmal. Und wehe, irgendwer macht nicht mit: Wer stehen bleibt und sich in der Nähe eines Ordners befindet, wird über die Schulter geworfen und aus der Menge entfernt.

Viele Komplimente

Anweisung hin oder her, ihre Fans wickeln die Ärzte voll um den Finger. Wer sich nicht verliebt, ist selber schuld. Mit lokalisierten Liedzeilen („Wir haben so verdammt viel Geld, wir kaufen uns Köln-Ehrenfeld“ oder „Du liebst ihn nur, weil er kein Auto hat, und nicht wie ich eine eigene Domstadt“) und vielen, vielen Komplimenten wird das Kölner Publikum gefügig gemacht. Die Mädchen bedanken sich mit BHs bei den Ärzten, die Jungs mit riesigen „Walls of Death“, freigeräumte Kreise im Moshpit, in denen die ganz Harten zur Freude der Band mit Anlauf gegeneinanderspringen und dabei meistens ihre Schuhe verlieren.

Groß sind sie geworden, die Ärzte. Rein altersmäßig schon, schließlich sind sie heute 25 Jahre älter als bei ihren ersten Auftritten. Und auch optisch: Irgendwie machen sie in ihren schwarzen Anzügen den Eindruck, als würden sie gleich zum Martini an die Hotelbar verschwinden. Vor allem groß sind aber die Hallen, die Farin, Bela und Rod rappelvoll spielen. Ihre „Es wird eng“-Tour 2007 / 2008 ist, abgesehen von wenigen Restkarten, bis in den Juni ausverkauft. Ein bisschen vernünftig sind sie dabei auch: Die Menge im Innenraum der Arena wird durch Gitter getrennt, um die schlimmste Quetscherei zu verhindern.

Party und Melancholie

Sind die Ärzte deshalb reiche und satte Altpunker geworden? Kritische Stimmen gab es im Vorfeld: Viel zu kommerziell seien die Ärzte mittlerweile doch, füllen die ganze Kölnarena, statt im kleineren Rahmen zu spielen, und nehmen für ein Band-Shirt am Merchandising-Stand ganze 20 Euro, eben wie alle anderen auch. Na und, will man sagen, wenn man das Konzert am Donnerstag durchlebt. Über drei Stunden steht die Band auf der Bühne und verbreitet ihre typische Stimmungsmischung aus Party, Albernheit und Melancholie, ohne auch nur einmal dabei nachzulassen. Das bedeutet gleichzeitig über drei Stunden Lieblingsliedgefühl; ohrwurmig sind die Melodien fast alle - besonders das lange indizierte „Claudia hat 'nen Schäferhund“, das natürlich erst recht jeder auswendig kann - und auch die neuen, vom Album „Jazz ist anders“. Es geht auf Mitternacht zu, als die Ärzte dann doch irgendwann nach zwei Zugaben endgültig die Bühne verlassen und nicht mehr wiederkommen. Normalerweise tun jetzt die Füße weh, die Ohren piepsen und das Bett ruft. Am Donnerstagabend ist das anders, so richtig will irgendwie keiner die Kölnarena verlassen. Auch, wenn Ärztefans die ja eigentlich gar nicht mögen.



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