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Vorstände: Wir verdienen nicht zu viel

Erstellt 02.12.07, 20:13h, aktualisiert 11.12.07, 20:53h

Fast 3,5 Millionen Euro pro Jahr zahlen Dax-Konzerne ihren Chefs im Schnitt. Auf Horst Köhlers scharfer Kritik antworteten nun Peter Löscher, René Obermann und Hartmut Mehdorn: Sie verteidigten ihre hohen Bezüge.

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Peter Löscher (Siemens): "Mein Gehalt ist angemessen, weil ich mich im Vergleich zu anderen Dax-Unternehmen nicht in der Spitzengruppe befinde."
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Peter Löscher (Siemens): "Mein Gehalt ist angemessen, weil ich mich im Vergleich zu anderen Dax-Unternehmen nicht in der Spitzengruppe befinde."
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René Obermann (Deutsche Telekom): "Eine 90-Stunden-Woche, die Verantwortung für Mitarbeiter und Aktionäre rechtfertigen die Höhe meines Einkommens."
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Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn): "Als die Bahn noch kein Geld verdient hat, waren die Bezüge des Vorstands auch deutlich geringer. Jetzt brummt das Geschäft."
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Hamburg / Frankfurt - Nach der Kritik von Bundespräsident Horst Köhler haben mehrere deutsche Konzernchefs die Höhe ihrer Gehälter verteidigt. Die Chefs von Siemens, Deutscher Bahn und Telekom bezeichneten ihre jeweils mehrere Millionen Euro hohen Jahresbezüge als angemessen. Auch Conti-Chef Manfred Wennemer verteidigte sein Gehalt, räumte aber ein, dass die Bezüge einzelner Manager nicht mehr nachvollziehbar seien. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geschätzte 60 Millionen Euro Jahresgehalt einstreichen konnte. Im Durchschnitt kamen die Chefs der 30 Dax-Konzerne laut Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz 2006 auf 3,417 (Vorjahr: 3,185) Millionen Euro in bar. Spitzenreiter war Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Gesamtbezügen von 13,2 Millionen Euro.

Politiker von CDU und SPD mahnten das deutsche Topmanagement zur Zurückhaltung bei ihren Gehältern. Staatliche Zwangsmaßnahmen lehnten sie aber ab. Köhler hatte sich besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende „Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft“ geäußert. Die Manager dürften „in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren“, sagte Köhler.

Telekom-Chef René Obermann, der rund 2,6 Millionen Euro pro Jahr verdient, sagte, eine 90-Stunden-Woche und die Verantwortung für Mitarbeiter und Aktionäre rechtfertige die Höhe seines Einkommens. Siemens-Chef Peter Löscher sagte, sein Gehalt sei angemessen, „weil ich mich im Vergleich zu anderen Dax-Unternehmen und im internationalen Wettbewerb nicht in der Spitzengruppe befinde“. Er fügte hinzu: „Hier ist Augenmaß angesagt, und das haben wir auch so gestaltet.“ Löscher verdient in diesem Jahr mindestens 4,4 Millionen Euro. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der im vergangenen Jahr rund 3,2 Millionen Euro verdiente, erklärte, drei Viertel seines Gehalts seien vom Erfolg abhängig. „Als die DB noch kein Geld verdient hat, waren die Bezüge des Vorstands auch deutlich geringer“, sagte Mehdorn. „Jetzt brummt das Geschäft.“ Conti-Chef Wennemer erklärte, er halte sein Gehalt von zuletzt rund vier Millionen Euro für angemessen. Zugleich sagte Wennemer, bei manchen Summen bekomme auch er Zweifel. „Manche Beträge, von denen ich lese, verstehe ich nicht mehr.“ Verwerflich finde er die Zahlungen speziell dann, wenn das Salär in keinem Verhältnis zu der Leistung des Managers stehe. „Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig“, sagte er.

Gegen Gehaltsgrenzen per Gesetz

Der Conti-Chef verwahrte sich allerdings gegen Forderungen aus der Politik nach gesetzlichen Gehalts-Obergrenzen. „Das wäre grundfalsch. Der Markt muss sich da selbst regulieren.“ Auch SPD-Chef Kurt Beck rief zur Mäßigung auf. „Wir können die Löhne gesetzlich nicht beschränken“, erklärte er. „Aber ich appelliere an Manager, es auch nicht zu übertreiben.“ Beck sagte, er würde sich mehr Transparenz wünschen, etwa eine detailliertere Ausweisung der Bezüge. „Wenn ein Manager meint, er sei soundso viel wert, dann soll er auch dazu stehen“, sagte Beck. „Das könnte man notfalls auch gesetzlich regeln.“

Auch CDU-Vize Jürgen Rüttgers unterstützte die Forderung von Köhler nach mehr Bescheidenheit. Unternehmer machten einen Fehler, „wenn es riesige Steigerungen bei den Vorstandsgehältern gibt, weil Arbeitsplätze abgebaut werden und sich jahrelang bei den Löhnen der Arbeitnehmer nichts tut“, sagte Rüttgers. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff warnte dagegen vor einer „Neiddebatte“. „Wir dürfen unsere Besten nicht vertreiben“, sagte der CDU-Politiker. „Wenn wir mehr Reiche als Steuerzahler in Deutschland hätten, die heute in Monaco oder der Schweiz leben, wäre das gut für uns alle.“ (afp)



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