Von ANIKA FIEBICH, 06.12.07, 17:23h
„Es ist faszinierend, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Das ist ganz anders, als sie im Zoo oder im Zirkus zu sehen!“ Waltraud Moll und Doris Hause-Deilmann haben in Thailand den „Elefantenführerschein“ erworben. Mit leuchtenden Augen berichten sie davon.
Am Anfang hatte die 68-jährige Waltraud Moll Angst vor den Dickhäutern. Als es dann jedoch bei ihrem ersten Ritt durch den Dschungel einen steilen Fluss hinunterging, entschied sie sich, dem Tier zu vertrauen - und verlor ihre Angst. Hause-Deilmann ging es ähnlich: „Es flößt Achtung und Respekt ein, neben einem Elefanten zu stehen. Später wandelt sich die Ehrfurcht in Freundschaft.“ Für die gleichaltrigen Schulfreundinnen war es die erste hautnahe Begegnung mit den Dickhäutern. Elefantenliebhaberinnen waren sie schon als Kinder. Dafür hatte das Dschungel-Buch gesorgt
Immer weniger Tiere
In dem thailändischen Camp leben fünf Elefantenkühe und zwei Elefantenkinder. „Bestens betreut von acht einheimischen Elefantenführern, den Mahouts, zwei Praktikanten und unserem Elefantenführer Bodo Förster“, beteuert Moll. Förster ist ein 45-jährige Deutscher, der diese besondere „Fahrschule“ vor sechs Jahren gegründet hat. Er arbeitete als Elefantenpfleger in verschiedenen Zoos in Europa. Als er 1990 in Thailand eine Ausbildung zum Elefantentrainer machte, kam ihm die Idee, selbst ein Camp zu gründen. „Mir liegen der Schutz und die Erhaltung der asiatischen Elefanten am Herzen“, sagt er. Die Zahl der Elefanten in Thailand verringere sich von Jahr zu Jahr. Nach seinen Angaben leben dort noch rund 3000 ausgebildete Arbeitselefanten und 1800 wilde Elefanten.
Die beiden Freundinnen waren nicht die einzigen, die wissen wollten, wie sich Elefanten steuern lassen. Zwei weitere Frauen nahmen an dem Kursus teil. Gleich zu Beginn bekamen sie die „passenden“ Kühe zugeteilt. „Ich hatte die älteste Kuh, sagt Moll und lächelt „die Leitkuh Mae Moe.“
Vorsichtig Kontakt aufnehmen, das ist der erste Schritt zum Führerschein mit den Rüsseltieren. „Es war überwältigend“, sagt Hause-Deilmann. Alle Teilnehmer hätten eine halbe Stunde lang auf der Erde in Tuchfühlung mit den Dickhäutern gesessen. „Wir berührten ihre Rüssel und sprachen zu ihnen.“ Haarcremes und Parfums waren verboten - um die Tiere nicht zu irritieren. Vertrauen sollte aufgebaut werden. Ohne künstliche Duftstoffe. Der erste Dschungelritt stand bevor: Doch wie erklimmt man einen Elefantenrücken? Schwierig, schwierig - auch wenn es ganz leicht aussieht, denn es gibt ein Zauberwort. „Melodi!“, heißt es. Daraufhin beugt der Elefant den Kopf und schlingt seinen Rüssel nach innen. An der „Schleife am Bauch“ halten sich die Führerscheinanwärterinnen fest und springen dann mit gegrätschten Beinen über den Elefantenkopf auf dessen Rücken. „Das war ein Spaß!“ Waltraud Moll lacht. Aber anstrengend sei auch gewesen: „Noch 20 Minuten später fühlte ich meine Beine nicht mehr!“ Denn oben angekommen, mussten sie lernen, sich mit angewinkelten Beinen hinter den Ohren zu halten.
Vier Stunden verbrachten die Teilnehmerinnen jeden zweiten Tag bei den Elefanten. Mittags gab es eine Pause für Mensch und Tier. Nach und nach lernten die Freundinnen die Kommandos: „Hui“ heißt „Gehen“; „Kwé“ bedeutet „Zurück“. Auch eine Art von Fremdsprache, wie „Hü“ und „Hott“ im Pferdelatein.
Während der Abschlussprüfung mussten sie die Kommandos während eines knapp zweistündigem Dschungelritts ohne Hilfe anwenden. Anschließend badeten sie die Elefanten im Fluss. Auch das Auf- und Abschnallen des Sitzkorbs gehörte zu den Aufgaben. „Es ist wichtig, dass der Korb richtig auf dem Elefanten sitzt, damit das Tier merkt, wenn der Korb rutscht und dagegen wirken kann“, erklärt Hause-Deilmann.
Höhepunkt der Prüfung war das Sammeln und Stapeln von Holzstämmen. „Seit die Elefanten nicht mehr zum Holzschichten eingesetzt werden, sind viele der Elefantenführer arbeitslos“, erklärt Moll. „Die Elefanten-Camps geben den Menschen wieder Lohn und Brot.“ Und wohin die Reise das nächste Mal geht, wissen die beiden auch schon: nach Südafrika.
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