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Der Schattenmann

Von TILMANN P. GANGLOFF, 12.12.07, 20:18h

Thomas Gottschalk steht im Rampenlicht, im Hintergrund zieht Bruder Christoph die Fäden. Christoph Gottschalk promovierte über „Product- Placement“ und führte es erfolgreich im deutschen Fernsehen ein.

Bild: Grönert
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Christoph Gottschalk stempelt im Jahr 2005 im Werbeeinsatz für die deutsche Post.
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Christoph Gottschalk stempelt im Jahr 2005 im Werbeeinsatz für die deutsche Post.
Er ist drei Jahre jünger als sein Bruder und bei weitem nicht so bekannt. Doch die Rolle gefällt ihm gut: Christoph Gottschalk (54) mag im Schatten seines Bruders stehen, aber dafür zieht er die Fäden. Im Gegensatz zu Entertainer Thomas strahlt er Seriosität aus, Zuverlässigkeit und Geschäftssinn. All das braucht er auch: Christoph Gottschalk ist einer der Strippenzieher im deutschen Showbusiness; und das keineswegs erst, seit er die Lizenzrechte für „Wetten, dass..?“ mit großem Erfolg nach China exportiert hat.

Schon seine Doktorarbeit war ein erster Hinweis darauf, wohin den gebürtigen Bamberger sein Weg einst führen würde. Gottschalk hat Jura mit Schwerpunkt Medienrecht studiert. Seine (allerdings nie vollendete) Doktorarbeit galt dem Thema „Verbotenes und erlaubtes Product-Placement im TV“, und auch in dieser Hinsicht bewies Gottschalk Weitblick.

Kommissar mit neuem Auto

Als einer der Ersten erkannte er eine Lücke im Medienrecht: Es war den Sendern zwar schon immer verboten, bestimmte Produkte zu platzieren und dafür Geld zu kassieren. Andererseits muss beispielsweise ein Kommissar ja irgendwie an seinen Tatort kommen. Das tut er in der Regel mit dem Wagen. Gottschalk machte den Automobilherstellern klar, welch enormer Werbeeffekt es doch wäre, wenn die Ermittler nicht irgendeine, sondern eine ganz bestimmte Marke fahren würden; und deshalb sind die „Tatort“-Kommissare seither in schmucken neuen Autos unterwegs.

Sein nächster Coup war für deutsche Verhältnisse ebenfalls etwas Neues. Heutzutage ist es völlig normal, dass Moderatoren wie Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner oder Anne Will ihre Sendungen selbst produzieren und dem Sender gewissermaßen ein „All-inclusive“-Paket verkaufen. 1992 war das in Deutschland völlig unüblich. Die erste geschäftliche Zusammenarbeit der Brüder, die „Late Night Show“ bei RTL, war zunächst auch erfolgreich, aber dann wollte RTL mehr und änderte das Konzept; die Show wurde zum Flop, Thomas Gottschalk kehrte reumütig zum ZDF zurück und übernahm wieder die Moderation von „Wetten, dass..?“.

Bruder Christoph aber blieb seiner Philosophie treu und baute weiter Brücken zwischen den Medien und der Wirtschaft. Er vermittelte beispielsweise Werbeverträge für Show-Größen wie Verona Pooth (damals noch Feldbusch), Günther Jauch, Harald Schmidt und Stefan Raab, blieb selbst aber lieber im Hintergrund.

Seit er vor sieben Jahren gemeinsam mit dem Bruder in einem witzigen Werbespot für die Deutsche Post AG auftauchte, ist jedoch auch er eine Person des öffentlichen Lebens. Die Post, erzählte er der „Welt am Sonntag“, „suchte eine Werbefigur, ich schlug Thomas vor. Eine Marktforschung ergab dann, dass er zwar bei Bekanntheit und Sympathie Spitzenwerte hatte, aber trotzdem niemand Aktien von ihm kaufen würde“; und deshalb musste Christoph mit vor die Kamera.

Das war vor sieben Jahren. 1999 zuvor hatte er die Firma Dolce Media gegründet, nach eigenen Angaben mittlerweile führend in Fragen der Produktplatzierung. Erster Teilhaber war Bruder Thomas, dessen Geschäfte Christoph schon seit vielen Jahren führt; später stießen noch die Deutsche Post sowie ZDF-Tochter ZDF-Enterprises dazu.

Sein größter Coup

Dies war der Grundstein für Christophs bislang wohl größten Coup: Das ZDF überließ dem umtriebigen Medienmanager nicht nur die Vermarktungsrechte an „Wetten, dass..?“, sondern gestattete ihm auch, die Sendelizenz ans chinesische Staatsfernsehen zu verkaufen. Das aber gestaltete sich schwieriger als gedacht: Sendungen aus dem Westen hätten die Chinesen zwar gern genommen, aber zahlen wollten sie nicht. Die Konkurrenten aus Hollywood zogen beleidigt wieder ab, Gottschalk aber blieb: Er tauschte das Konzept gegen Werbezeiten. Selbstredend war die Deutsche Post einer der ersten Werbepartner. Mittlerweile erreicht die chinesische Version von „Wetten, dass..?“ regelmäßig mindestens 50 Millionen Zuschauer.

Es ist fast beruhigend, dass nicht alles automatisch ein Erfolg wird, was die Gebrüder Gottschalk sich so ausdenken. Ein geplanter Internet-Auftritt rund um Thomas Gottschalk (Arbeitstitel: „Gottschalks Welt“) zum Beispiel hat nie den Weg ins Netz gefunden. Dabei hört sich die Idee gut an: Das Portal sollte die Möglichkeit bieten, ähnlich wie bei „YouTube“ eigene Filme ins Web zu stellen, und regelmäßig über „Wetten, dass..?“ zu informieren. Aber zu tun gibt's immer noch genug, denn der Erfolg in China hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt; Dolce Media arbeitet an Konzepten für Nordafrika, den Mittleren Osten und Indien. Denn eins ist klar: Wenn Bruder Thomas dereinst längst nicht mehr im Rampenlicht steht, wird Christoph immer noch die Fäden ziehen.



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