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Viel Modenschau, wenig Musik

Von THORSTEN KELLER, 21.12.07, 20:43h, aktualisiert 21.12.07, 23:09h

Elf Jahre und sieben Schwangerschaften nach ihrem ersten Hit „Wannabe“ zehrt die englische Girlgroup „Spice Girls“ vom Image vergangener Tage. Die „Ü30-Truppe“ konnte nicht überzeugen.

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Die Spice Girls bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in Köln.
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Die Spice Girls bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in Köln.
Während die Spice Girls in der Kölnarena eine Dreiviertelstunde auf sich warten lassen, übernimmt ein junger Mann aus dem Publikum die Rolle des Anheizers. Nach Art des Topmodel-Ausbilders Bruce Darnell stöckelt er über einen imaginären Laufsteg im halb leeren Innenraum, angefeuert von den Fans. Einen besseren Prolog hätte sich die erste Ü-30-Girlgroup der Musikgeschichte gar nicht wünschen können, denn auch für die anschließenden 100 Minuten auf der Bühne gilt: viel Modenschau, wenig Musik.

Auf die Leinwand gebeamt

Zunächst werden die Spice Girls nur als flirrende Umrisse, weiß auf schwarz, auf die Leinwand gebeamt, die Anspielung auf „Star Trek“ ist offensichtlich. Dann materialisieren sich Emma Bunton, Mel B, Mel C, Geri Halliwell und Victoria Beckham auf fünf Podesten vor der Leinwand. In dieser Phase 1 der Show tragen sie goldglänzende Kostüme des Designers Roberto Cavalli, und der Auftakt mit „Spice Up Your Life“ - Disco-Sound, gut gewürzt mit Latin-Percussion - klingt vielversprechend. Doch schon eine Viertelstunde später, nach der müden neuen Single „Headlines (Friendship Never Ends“), fährt die Showtreppe abwärts.

Die Girls rauschen zum ersten Mal durch Luken im Bühnenboden ins Off (Kostümwechsel), kommen ganz in Schwarz zurück, spielen ein bisschen Las Vegas, singen gut abgehangenen Swing („Lady Is A Vamp“). In dieser Phase 2 gibt es zumindest eine kurze Kitsch-Explosion, als je zwei Tänzer die Spice Girls mit riesigem weißen Federschmuck umspielen.

Von hier bis zum unterirdischen „Viva Forever“ ist es nur ein kleiner Schritt. Das Madonna-Destillat - „La Isla Bonita“ für Arme - bringt die Tänzer in seltsamen Operettenkostümen auf die Bühne, die wohl „Spanische Hofreitschule“ darstellen sollen. Gerade bei diesem Song liegen die Stimmen der Spice Girls so weit neben der Spur, dass man sich bei einem Vorrunden-Casting für „Deutschland sucht den Superstar“ wähnt. Hier schließt sich ein Kreis, denn Simon Fuller, Erfinder und Manager der Spice Girls, steckt auch hinter dem international erfolgreichen TV-Format „Pop Idol“.

Ein Kostümwechsel später ist Leder angesagt, und die Mädchen gehen mit vier an die Kette gelegten Tänzern (ebenfalls in Leder) auf dem Laufsteg Gassi. Vor 25 Jahren hätte ein CSU-Hinterbänkler an dieser Stelle „Skandal!“ gerufen.

Signalroter Fummel

Geri Halliwell, die bei der kleinen Sadomaso-Performance nicht dabei ist, presst sich derweil in das schärfste Outfit des Abends, zu besichtigen bei ihrer Solo-Nummer „It's Raining Men“. Der knapp geschnittene, signalrote Gymnastik-Fummel harmoniert perfekt mit den weißen Nuttenstiefeln. Mel C entzieht sich als Einzige diesem Dreikampf kürzer / enger / tiefer ausgeschnitten. „Die Schwerkraft gewinnt immer“, heißt es in dem Radiohead-Song „Fake Plastic Trees“, und besonders das Styling von Victoria Beckham wirkt an diesem Abend wie ein tollkühner Versuch, die Zeile zu widerlegen.

Viel Modenschau, wenig Musik: Wie schlecht es um das Repertoire der Spice Girls bestellt ist, zeigt sich gegen Ende des regulären Sets, als sogar Kool & The Gang („Celebration“) und Sister Sledge („We Are Family“) bemüht werden, um überhaupt eine abendfüllende Show auf die Beine zu stellen. Kein Wunder, denn die drei Studioalben der Spice Girls sind jeweils mit drei markanten Hit-Singles und fragwürdigem Füllmaterial bestückt.

„Wannabe“, die grandios überdrehte erste Single, gibt es im Zugabenblock. Bei diesem Stück werden Erinnerungen wach an die große Spice-Zeit, als sie sogar Prince Charles ungestraft in den Hintern gekniffen haben. Elf Jahre und sieben Schwangerschaften danach zehren die fünf immer noch von dieser Inszenierung unbekümmerter „Girl Power“. Das Schlusswort auf der Leinwand legt allerdings nahe, dass dies im Jahr 2007 kein Spaß ist, sondern ein Knochenjob. Nach dem letzten Song blinkt dort in riesigen Lettern „Mission Accomplished“. Auftrag erfüllt, mehr nicht.



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