Von TIM STINAUER, 27.12.07, 20:48h, aktualisiert 27.12.07, 20:54h
Allein die Kölner Anklagebehörde prüft für ihren Zuständigkeitsbereich seit Anfang September etwa 500 Verdachtsfälle des Verfahrens mit dem Decknamen „Himmel“. Viele Fälle seien schon abgearbeitet, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Wolf dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Verdächtigen leben in Köln, im Bergischen und in Leverkusen. Überwiegend seien die Ermittlungen eingestellt worden, weil sich der Verdacht nicht erhärten ließ, berichtete Wolf. Wohl nur in Einzelfällen müssten Verdächtige aus dem Kölner Raum mit einer Anklage rechnen. Ob dieser Trend auch für andere Regionen in NRW gilt, wollte die LKA-Sprecherin mit dem Verweis auf das „schwebende Verfahren“ nicht bestätigen. „Wir wissen es auch noch nicht endgültig, weil wir noch nicht von jeder einzelnen Staatsanwaltschaft im Land eine Rückmeldung bekommen haben.“
Bei der bundesweiten Aktion geht die Kripo bereits seit mehreren Monaten gegen Hersteller, Anbieter und Nutzer kinderpornografischer Filme und Bilder vor. Federführend ist die Staatsanwaltschaft Berlin. Dort soll der Internet-Provider sitzen, der auf seinen Servern einen ungewöhnlich intensiven Datenverkehr registriert hatte. Die Firma soll die Daten analysiert und dabei festgestellt haben, dass es sich um kinderpornografisches Material handelt. Bei bundesweit 12 000 Verdächtigen könne man von einem international weit größerem Ausmaß ausgehen, sagte ein Sprecher des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (Eco). Beim letzten großen Schlag gegen Kinderpornografie im Netz seien 2002 weltweit rund 26 400 Verdächtige ermittelt worden, sagte Sven Karge, Leiter für den Bereich Illegale Inhalte bei Eco.
850 Ermittlungsverfahren in KölnDie Kölner Staatsanwaltschaft hat nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Wolf dieses Jahr insgesamt etwa 850 Ermittlungsverfahren wegen des Verbreitens von Kinderpornografie geführt, die 500 „Himmel“-Verfahren eingeschlossen. „Diese Fälle erreichen uns immer wieder in Wellenbewegungen“, sagte Wolf. In den nächsten Wochen etwa rechnet die Kölner Polizei mit umfangreichen Ermittlungsaufträgen einer ostdeutschen Staatsanwaltschaft. Die Behörde soll in den vergangenen Monaten die Namen mehrerer Tausend mutmaßlicher Pädophiler zusammengetragen haben. Die Verdächtigen sollen kinderpornografisches Material quer durch die Bundesrepublik verbreitet haben. Einige könnten auch aus Köln und Umgebung stammen. (mit dpa)
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