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Wichtigste Fragen zur Jugendkriminalität in Köln

Von TIM STINAUER, 09.01.08, 22:23h, aktualisiert 10.01.08, 11:17h

Wissenschaftler glauben, dass lediglich das „Dunkelfeld“ aufgehellt wird.

1.Nehmen Straftaten durch Jugendliche und Heranwachsende zu?

Im bundesweiten Vergleich sind die Zahlen gesunken, in Köln dagegen leicht gestiegen. Für 2001 vermerkt die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) bundesweit knapp 690 000 Tatverdächtige, die jünger sind als 21 Jahre. Seitdem sanken die Zahlen kontinuierlich bis auf 620 000 im Jahr 2006. In Köln stiegen die Zahlen dagegen von 36 000 im Jahr 2002 bis auf 38 000 im Jahr 2006. Die genaue Zahl für 2007 liegt noch nicht vor, sie ist allerdings erneut gestiegen.

2.Sind Jugendliche heute gewalttätiger als früher?

Die Kriminalstatistiken legen diese Vermutung nahe, da die Zahl der Körperverletzungen Jahr für Jahr steigt. Polizisten und Kriminologen betonen jedoch, dass dies auch an der gestiegenen Anzeigebereitschaft liegt. In Köln trauten sich Opfer und Zeugen nicht zuletzt wegen des verstärkten Engagements von Bezirkspolizisten an Schulen häufiger als früher, Gewalttaten zur Sprache zu bringen, sagt ein Polizeisprecher. Wissenschaftler sprechen von einer „Aufhellung des Dunkelfelds“.

3.Werden nichtdeutsche Jugendliche eher straffällig als deutsche?

Ja. In Köln haben 30 Prozent aller tatverdächtigen Jugendlichen einen Migrationshintergrund - eine vergleichsweise hohe Zahl, denn sie repräsentieren nur 23 Prozent der Bevölkerung. Allerdings wachsen ausländische Jugendliche häufig in eher sozial schwachen Gegenden deutscher Großstädte auf - ein Umstand, der auch kriminelle Karrieren deutscher Jugendlicher begünstigt.

4.Sind ausländische Jugendliche gewaltbereiter als gleichaltrige Deutsche?

Soziologen verweisen häufig auf Gewalterfahrungen, die ausländische Jugendliche in ihren Familien eher machen als deutsche. Einige übernehmen diese Muster und begegnen Gleichaltrigen ebenfalls mit Gewalt. Manche ausländischen Jugendlichen fühlen sich zudem wissenschaftlichen Studien zufolge eher bestimmten Männlichkeitsvorstellungen oder kruden Ehrenkodizes verbunden.

5.Was lässt sich über die Opfer jugendlicher Gewalttaten sagen?

Als Opfer wählen die Täter in aller Regel Gleichaltrige aus. Menschen über 60 Jahre zum Beispiel stellen in Köln fast ein Viertel der Bevölkerung, aber nur jeder zwanzigste Senior wird auf der Straße Opfer einer Straftat. Dagegen tauchen vor allem Jugendliche und Heranwachsende (also Kölner zwischen 14 und 21 Jahren) überproportional häufig als Opfer in den Statistiken auf. „Ältere Menschen fühlen sich subjektiv viel stärker in ihrer Sicherheit bedroht, als sie es in Wirklichkeit sind“, fasst ein Polizeisprecher zusammen.

6.Verhindern härtere Strafen, zum Beispiel längere Gefängnisaufenthalte, eher, dass verurteilte Täter rückfällig werden?

Wohl nicht, darin sind sich die meisten Experten einig. „Man darf sich keinen Illusionen hingeben“, warnt etwa Michael Walter, Professor für Kriminologie an der Universität zu Köln. „Überspitzt formuliert liegen die Jungs angesichts verbreiteter Arbeitslosigkeit und Sparsamkeit im Gefängnis die meiste Zeit auf dem Bett und sehen fern.“ In vielen Fällen sei es sinnvoller, Haftstrafen längere Zeit zur Bewährung auszusetzen und die Jugendlichen in dieser Zeit intensiv zu überwachen, zu fordern und sie in die Gesellschaft zu integrieren. Walter: „Die müssen den Bewährungshelfer permanent im Nacken spüren.“

7.Wie aussagekräftig ist die Kriminalstatistik? Was muss beim Interpretieren der Zahlen berücksichtigt werden?

Das in den Statistiken erfasste so genannte „Hellfeld“ ist nur ein kleiner und überdies nicht repräsentativer Ausschnitt der Gesamtkriminalität, warnt eine Studie der Universität Konstanz. Regelmäßige und umfassende empirische „Dunkelfeld-Untersuchungen“ fehlen in Deutschland, heißt es in dem Bericht. Außerdem ist zu beachten, dass die Kriminalstatistik die Zahl der Tatverdächtigen und der angezeigten Taten erfasst, nicht die der tatsächlich verurteilten Täter. Nur ein Drittel der von der Polizei ermittelten Verdächtigen wird der Studie zufolge auch verurteilt. Gerade bei jungen Tätern würden derzeit etwa zwei von drei Verfahren aus unterschiedlichen Gründen eingestellt.



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