Von MATTHIAS PESCH, 10.01.08, 21:09h, aktualisiert 10.01.08, 21:15h
So schreibt die Handreichung beispielsweise vor, die biblischen Lesungen und das Hochgebet seien „in einer anerkannten Liturgiesprache“ zu lesen und beten. Kölsch gehört nicht dazu. Gegen eine Predigt auf Kölsch dagegen sei nichts einzuwenden, wenn ihr Charakter als „Verkündigung“ gewahrt bleibe. „Das schlechte Gegenbeispiel wäre eine mundartliche Predigt, die von einer Büttenrede nicht zu unterscheiden ist“, heißt es in dem Papier. Dort werden übrigens auch Karnevalskostüme im Gottesdienst als „unangebracht“ abgelehnt.
Gerhard Herkenrath, Pfarrvikar von St. Alban, feiert seit etwa zwei Jahrzehnten pro Jahr „zwischen zehn und 15“ Messen auf Kölsch - und zwar von Anfang bis Ende. „Wenn schon, dann konsequent“, sagt der Geistliche. Er habe das „etwas kleinkarierte“ Liturgie-Papier „zur Kenntnis genommen und abgehakt“. Wobei er selbstverständlich Wert darauf lege, dass seine Messen „nicht ins Karnevalistische abgleiten“. Die kölsche Mundart in ihrer Lebendigkeit ist seiner Meinung nach durchaus für die gesamte Liturgie geeignet: „Ich habe von Besuchern oft die Reaktion gehört: »Dat jing an et Hätz«.“
Für den „Ehrenfelder Arbeitskreis Mess op Kölsch“, der viermal im Jahr zur Mundartmesse einlädt, ist klar, dass das Hochgebet mit den Wandlungsworten in Hochdeutsch gelesen wird. Das Schreiben des Erzbistums kommentierte „Baas“ Hans A. Fey: „Wir haben das Papier erhalten.“ Seit Jahren feiert der Arbeitskreis die Messe in der Kirche der Uniklinik, ab 23. April (10.30 Uhr) wieder wie früher in St. Anna in Ehrenfeld. „Wir haben stets zwischen 400 und 1000 Besucher“, sagt Fey - darunter viele, die ansonsten nicht zu den regelmäßigen Kirchgängern zählten: „Es gibt ein großes Bedürfnis nach dieser Art von Gottesdiensten.“ Der Kreis hat laut Fey auch zahlreiche Kirchenlieder mit kölschen Texten versehen lassen, wisse aber sehr wohl, wo die Grenzen des Akzeptablen erreicht seien: „Zur Melodie von »Drink doch eine mit« ein Kirchenlied zur Opferung zu singen, das wäre nicht die richtige Form.“
„Es geht darum, einen Weg zu finden zwischen den Bedürfnissen der konkret Anwesenden und den weltkirchlichen Verbindlichkeiten“, erläutert Bistums-Sprecher Christoph Heckeley. Das Papier bringt es auf den Punkt: „Die konkrete Feiergestalt eines Gottesdienstes muss sich daran messen lassen, ob sie die gefeierten Glaubensgeheimnisse adäquat und verständlich zum Ausdruck bringt.“
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