Von Verena Krebs, 14.12.07, 10:06h, aktualisiert 14.12.07, 17:51h
Ein Schachzug, der es in sich haben könnte, denn die Mitglieder im StudiVZ geben nicht nur ihre Adressdaten an, sie veröffentlichen arglos all ihre Vorlieben, Hobbies, Vereinszugehörigkeiten und ähnliche intime Daten. Was das amerikanische Vorbild "facebook" längst für sich nutzt, könnte nun auch in Deutschland Schule machen. Der User im Mitmach-Web wird zur perfekt analysierten öffentlichen Person, die bereitwillig über alles plaudert, was er gerne tut - und kauft. Was dem Käufer von StudiVZ, der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die im Januar dieses Jahres das StudiVZ für einen Betrag zwischen 50 und 100 Millionen Euro gekauft hat, eine Einnahmequelle von gigantischem Ausmaß sein dürfte, bedeutet für die rund vier Millionen Nutzer eine personalisierte Werbeart, die ihnen wenig zusagen könnte.
Adressen werden laut Betreiber nicht verkauft
Die "Welt Kompakt" berichtete, dass die Adressen an interessierte Werbekunden verkauft würden. Frau Biederlack, Pressesprecherin des StudiVZ nannte diese Darstellung auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ schlicht "falsch". Geplant ist, dass die Werbebanner nach den Angaben der Nutzer angepasst werden. Das heißt konkret, dass nur der Nutzer in Aachen auch die passende Werbung der lokalen Pizzeria angezeigt bekommen wird, so Frau Biederlack. Werbung per E-Mail ist laut Betreiber momentan nicht geplant, die Maßnahmen zielen konkret auf die Banner. Den Werbekunden wird so die Möglichkeit gegeben, regionalisierte und persönlich auf Daten und Surfgewohnheiten der einzelnen Nutzer zugeschnittene Werbebanner zu präsentieren.
„Targeting“ zielt direkt auf den Nutzer
Über Cookies oder Java Script erstellt das StudiVZ eine sogenannte "Clickstream-Analyse". Das bedeutet, dass beobachtet werden kann, wer wie oft welchen Bereich besucht. In Absatz 4 der neuen Geschäftsbedingungen wird offen erklärt, wozu dies dient: "Dem Nutzer können so über das StudiVZ-Netzwerk mit der erklärten Einwilligung Werbung und/oder besondere Angebote und Services präsentiert werden, deren Inhalt auf der Analyse beruht. " So wird dem sportlich interessierten User ebenso wie der modebewussten Studentin Werbung nach Maß präsentiert. Zusammen mit Daten, wie Adresse, Alter, Geschlecht oder Studienfach, die das Mitglied bei StudiVZ angibt, ergibt sich so für die Werbung eine Möglichkeit, dem User passgenau die Werbung auf den Leib zu schneidern. Dafür muss der Werbepartner theoretisch keinen Einblick in die Profile bekommen. Er erhält vom Betreiber vorgefilterte Daten. So werden seine Banner nur da geschaltet, wo sie auf bereitwillige Brieftaschen stoßen können. Der Turnschuh findet so den passenden Sportstudenten in Aachen, der Lieferdienst bringt seine Pizza zum Diplomanden im Prüfungsstress. Der Student im VZ wird damit zum vorstudierten Konsumenten.
Datenschützer schlagen Alarm
Bettina Gayk vom LDI, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Nordrhein-Westfalen, nennt das Vorgehen bedenklich und rät den Nutzern ernsthaft zu überdenken, ob sie hier Mitglied bleiben möchten. StudiVZ wurde als kostenfreie Plattform gegründet, die nun aus den Adressdaten ihrer Nutzer Profit schlägt. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, dass keinesfalls kostenfrei zu nennen ist. Auch die Aussage, dass die Adressen nicht an Dritte weitergegeben werden ist laut Bettina Gayk in Frage zu ziehen. Denn durch die Einwilligung „der Weitergabe der Bestandsdaten und Nutzerdaten an Dritte aufgrund gesetzlicher Vorschriften“ bleibt die Möglichkeit, dass die Adresse verkauft wird, bestehen. Denn der Adresshandel ist ausdrücklich erlaubt.
Besonders schwierig ist der Umstand, dass der Nutzer auf StudiVZ soviel von sich preisgibt. Wer im Internet ein Buch kauft, gibt nur begrenzt viel von seiner Persönlichkeit Preis. Wer allerdings munter mit seinen virtuellen Freunden über all seine Vorlieben, Hobbies und Erfahrungen plaudert, wird selbst zum komplett offenen Buch.
Ein Hintertürchen bleibt offen
All dem stimmt der „gläserne Student“ zu, der bereitwillig beim Login ab dem 20. Dezember sein Häkchen setzt. Sollte er die AGB ablehnen, bedeutet das die Exmatrikulation aus dem StudiVZ. Doch eine Möglichkeit bleibt dem geduldigen Leser der E-Mail, die elf DinA4 Seiten füllt: Im Absatz 4 der mehrseitigen E-Mail findet sich ein Hintertürchen, durch das er den Werbemaßnahmen entkommen kann. In der Rubrik "Datenschutz" am Ende des Textes zur Einwilligung in die Verarbeitung personenbezogener Einstellungen kann der Nutzer unter "Einstellung zur Verwendung meiner Daten" die personalisierte Werbung abschalten.
BLOG: StudiVZ melkt seine Nutzer
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Anzeige
![]() |
Mahjongg Fortuna » 2337 Spieler |
![]() |
Zuma » 1507 Spieler |
![]() |
Bookworm » 1263 Spieler |
![]() |
Bubble Shooter » 1034 Spieler |
![]() |
Bejeweled 2 » 956 Spieler |