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„Heil Hitler und Alaaf!“ im Kölner Karneval

Von Monika Herrmann-Schiel, 02.01.08, 14:35h, aktualisiert 02.01.08, 14:36h

Wie politisch war der Kölner Karneval unter Hitler? Eine WDR-Dokumentation beleuchtet den Karneval in der NS-Zeit. Erst in den 90er Jahren wurde mit der Aufarbeitung begonnen.

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Auch eine Form der Aufarbeitung: Ein Mottowagen mit dem Motto "Nachgeburt", bei dem eine Hitler-Figur die Partei NPD ausscheidet.
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Auch eine Form der Aufarbeitung: Ein Mottowagen mit dem Motto "Nachgeburt", bei dem eine Hitler-Figur die Partei NPD ausscheidet.
Köln - Karneval in Köln - das scheint vielen ein buntes Treiben völlig unpolitischer Art zu sein. Aber es gab eine Zeit, in der nicht nur rote und blaue Funken sprühten, sondern auch etliche braune. In der NS-Zeit hielt nationalsozialistisches Gedankengut auch in den Karnevalsgesellschaften Einzug - wovon die Traditionsvereine nach dem Krieg aber nichts mehr wissen wollten. Erst in den 90er Jahren begann man, sich dieser oder jener unangenehmen Geschichte zu erinnern. Jetzt hat sich der WDR des Themas angenommen. In der Dokumentation "Heil Hitler und Alaaf! Karneval in der NS-Zeit", die am Freitag um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, beleuchten der Kölner Journalist und Autor Carl Dietmar und sein WDR-Kollege Thomas Förster erstmals im Fernsehen, welchen Einfluss die Nazis von 1933 bis 1945 auf den Kölner Karneval hatten.

Der promovierte Historiker Carl Dietmar befasst sich schon seit längerem mit diesem Thema. Im Kölner Stadtmuseum, im Karnevalsmuseum, in Gesprächen mit Zeitzeugen und in Nachlässen verstorbener Karnevalisten suchte er nach Spuren. Erste Ergebnisse dieser Forschungen veröffentlichte er bereits 2005 in seinem Buch "Kölner Mythen – wie sich die Kölner ihre Wahrheit(en) basteln".

Lange glaubte man in Köln an die "Narrenrevolution". Im Mai 1935 wehrten sich die Vertreter der Kölner Karnevalisten gegen den auf Betreiben der NSDAP gegründeten "Verein Kölner Karneval". Der Widerstand der Jecken war so groß, dass der Verein gleich wieder aufgelöst wurde. "Diese Ereignisse dienten nach dem Krieg immer wieder als Beleg für die Repressionen, denen der Karneval seitens des Regimes ausgesetzt gewesen sein soll - und für den 'Widerstand', den man geleistet habe", berichtet Dietmar. Niemand aber fragte damals nach den Inhalten des Karnevals.

Dabei gab und gibt es Fotos von den Rosenmontagszügen aus der Nazi-Zeit, die zeigen, dass nationalsozialistisches und rassistisches Gedankengut ganz selbstverständlich mit zum "Zoch" gehörten. Ein Beispiel: Der "Palästina"-Wagen von 1934, mit dem auswandernde Juden unter dem Motto "Die Letzten ziehen ab" verunglimpft wurden. Auch in Büttenreden und Schunkelliedern gab man sich antisemitisch und völkisch, etwa in dem durchaus beliebten Lied "Die Jüdde wandern uss". Der Hitlergruß und das Horst-Wessel-Lied gehörten ebenso zu den Karnevalssitzungen wie das Gebot, dass die Nazi-Größen in den Büttenreden unangetastet bleiben mussten.

Selbstverständlich duldeten die Karnevalsgesellschaften bald nur noch arische Mitglieder in ihren Reihen. Die Nazis wussten das närrische Treiben in der Stadt für sich zu nutzen. Dafür griffen sie auch in alte Traditionen ein. So durften nach einem NSDAP-Erlass 1938 und 1939 weibliche Figuren nicht mehr von Männern, sondern nur von Frauen dargestellt werden - selbst die Jungfrau im Dreigestirn.

Widerstand gegen die völkische Begeisterung gab es nur vereinzelt. Einer davon war der Büttenredner und Querdenker Karl Küpper, der sich über die Nazis lustig machte und schließlich Auftrittsverbot erhielt. Die Autoren haben mit Zeitzeugen, Historikern und Funktionären des Kölner und Düsseldorfer Karnevals gesprochen, darunter mit Arnold Unkelbach, der Jungfrau des Jahres 1935. Zudem haben sie alte Filmdokumente entdeckt, die nie zuvor zu sehen waren. Dazu gehört ein Farbfilm, der den Rosenmontagszug von 1939 zeigt. "Heil Hitler und Alaaf!" bricht ein Kölner Tabu und zeigt, dass der Karneval nie frei war von politischen Einflüssen.

Hinweis: "Heil Hitler und Alaaf! Karneval in der NS-Zeit", WDR, Fr 4.1., 20.15-21.00 Uhr

(kna)



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