Von THORSTEN MOECK, 13.01.08, 20:41h, aktualisiert 16.01.08, 17:46h
Jedes Wort fällt Jacques W. (22) schwer. Seine Zunge schmerzt und macht das Sprechen zu einer kleinen Qual. Der junge Mann aus dem Kongo sitzt auf dem Schlafsofa seiner Freundin Elisabeth und versucht eine schlimme Nacht zu verarbeiten. Am frühen Samstagmorgen ist er mitten in der Innenstadt Opfer eines rassistischen Angriffs geworden. Er wurde als „Nigger“ beleidigt und anschließend verprügelt. „So etwas ist mir in Köln noch nie passiert. Ich hatte noch nie Angst vor Ausländerfeindlichkeiten, aber das hat sich jetzt geändert“, sagt er. Zwei der mutmaßlichen Täter hat die Polizei festgenommen.
Jacques und Elisabeth hatten gegen 3.30 Uhr einen Klub am Rudolfplatz verlassen und sich zu Fuß auf den Heimweg gemacht. Die Studentin (21) hat eine kleine Wohnung unweit des Zülpicher Platzes. Auf dem Weg dorthin schlenderten die beiden an einem Partylokal an der Roonstraße vorbei. „Vor dem Laden standen einige Männer mit Glatzen, Bomberjacken und Springerstiefeln. Plötzlich rief einer: »Ey Nigger!«“, erzählt Elisabeth. Ihr Freund wollte das nicht auf sich sitzen lassen und stellte die Männer zur Rede. „Ich habe gefragt, wer das gesagt hat, aber die haben das alle geleugnet“, sagt Jacques.
Von hinten in den Schwitzkasten genommenDann ging alles sehr schnell. „Einer hat mich von hinten in den Schwitzkasten genommen, so dass ich kaum noch Luft bekam.“ Einige Zeugen wollten dem Afrikaner zur Hilfe kommen, hatten aber offenbar keine Chance einzugreifen. „Ein Passant ist von einem der Beteiligten zurückgehalten worden“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Auch Elisabeth konnte ihrem Freund nicht helfen. „Ich wollte ihn da rausholen, dann habe ich auch einen Schlag abbekommen“, berichtete Elisabeth. Dann griff sie zum Handy und alarmierte die Polizei. Als kurz darauf ein Streifenwagen kam, ergriffen die Männer die Flucht. Zwei der Verdächtigen (27 und 36 Jahre) wurden bei der anschließenden Fahndung festgenommen. In der Polizeiakte beider Männer ist bereits eine Körperverletzung eingetragen.
Ins Krankenhaus wollte Jacques nicht fahren, erst am nächsten Tag hat er sich von Ärzten untersuchen lassen. Um innere Verletzungen auszuschließen wurde er geröntgt, außerdem veranlassten die Ärzte eine Computertomographie. Bei dem Angriff hat er zahlreiche Prellungen erlitten, auch sein rechtes Auge schmerzt. Vor sechs Jahren ist Jacques mit seiner Familie aus dem Kongo nach Deutschland gekommen und lebt in Chorweiler. In den vergangenen Jahren hat er für die Post gearbeitet, jetzt will er ein Studium beginnen.
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